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Hemmingen Vergewaltiger aus Arnum legt ein Geständnis ab
Umland Hemmingen Vergewaltiger aus Arnum legt ein Geständnis ab
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12:12 13.03.2019
Am zweiten Verhandlungstag gestand Tobias H. (l.) die Tat. Sein Verteidiger Anselm Schanz gab eine Erklärung ab. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Der 32-jährige Tobias H. aus Arnum, der vergangenen August eine 22-jährige Radfahrerin nahe Harkenbleck vergewaltigte und fast umbrachte, hat die Tat am Mittwoch vor dem Schwurgericht Hannover gestanden. Allerdings legte der wegen versuchten Mordes und besonders schwerer Vergewaltigung Angeklagte das Geständnis nicht persönlich ab, sondern ließ es seinen Verteidiger Anselm Schanz übermitteln. „Es war eine Zufallstat, was das Opfer angeht“, erklärte Schanz. Sein Mandant habe nicht die Absicht gehegt, die Studentin zu töten, könne sich das Verbrechen heute nicht mehr erklären. Wenig später stieß H. mit weinerlicher Stimme einige persönliche Bemerkungen hervor. „Niemand in diesem Raum versteht die Zusammenhänge, nicht mal der da oben.“ Dabei zeigte er mit dem Finger gen Himmel.

Sein Mandant sei nach Verbüßung einer kurzen Haftstrafe im Mai 2018 entlassen worden und „psychisch haltlos“ gewesen, sagte der Verteidiger. H. habe Drogen wie Spice sowie Kokain konsumiert und in dieser Zeit von 100 Kilo bis auf rund 80 Kilo abgenommen. In der Tatnacht vom 18. auf den 19. August sei H. zunächst bei Freunden gewesen und anschließend ziellos mit dem Fahrrad seines Vaters durch die Nacht gefahren. „Mein Mandant hatte keine Vergewaltigungsfantasien“, meinte Schanz, auch habe H. die Tat nicht geplant.

War das Verbrechen geplant?

Hier allerdings hakte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch nach: Warum der 32-Jährige Handschuhe und einen Knüppel mit sich geführt habe, wenn er keinen Überfall plante? Auch setze ein „Auftauchen aus dem Nichts“ doch eine vorherige Beobachtung und Verfolgung des Opfers voraus. „Den Holzknüppel hatte er oft bei sich, als potenzielle Waffe, um sich sicherer zu fühlen“, antwortete der Anwalt. An jenem Sonntagmorgen gegen 2 Uhr aber stieß der Arnumer eine junge Frau auf einer Straße zwischen Arnum und Harkenbleck von ihrem Rad, schlug mit dem Knüppel auf ihren Kopf ein und vergewaltigte sie in einem Graben. Glücklicherweise hörte ein Passant die Hilferufe des Opfers und eilte der Frau zu Hilfe.

Beim Bemühen, das Verbrechen von H. zu erklären, tat sich Schanz schwer: „Mein Mandant charakterisiert sich als sensibel, tritt gern als Helfer in Erscheinung.“ So erinnere ihn H. an einen Feuerwehrmann, der selbst ein Feuer legt, um dann löschen zu können. Von einem Versuch des Löschens war allerdings auch in der Verhandlung nichts zu spüren. Der Angeklagte schien sich eher selbst zu bemitleiden und vermochte es noch nicht einmal, sich bei der ihm gegenüber sitzenden Studentin zu entschuldigen.

Psychologe hat es schwer

Bezüglich einer psychologischen Begutachtung hat sich H. bislang eher verschlossen gezeigt. Der psychiatrische Sachverständige Tobias Bellin machte ihm zum wiederholten Mal das Angebot, am Donnerstag dieser Woche ein Gespräch mit ihm zu führen, insbesondere über sein sexuelles Vorleben. Daraufhin tauchte H. hinter der hölzernen Balustrade auf, hinter der er sich die meiste Zeit verbarg, und klagte: „Darum geht es hier doch gar nicht.“ Es sei auch völlig egal, welche Ausbildung man absolviert oder was man früher gemacht habe. „Und hier gibt es mehrere Menschen, die Hilfe brauchen“, lautete eine der schwer nachvollziehbaren Äußerungen des 32-Jährigen.

Aufschlussreich war eine kurze Befragung des 22-jährigen Opfers aus Harkenbleck durch Gutachter Bellin. Die Frau hatte bei früheren polizeilichen Vernehmungen ausgesagt, der Vergewaltiger habe mit osteuropäischem Akzent gesprochen. Sie habe im Gerichtssaal die Stimme des Täters – der ohne Akzent sprach – durchaus wiedererkannt, sagte die Studentin am Mittwoch: „Das passt schon.“ Allerdings habe sich der Mann bei den wenigen Sätzen, die er während der nächtlichen Schreckenstat von sich gab, offenbar bemüht, seine Stimme zu verstellen. Das untermauert den Verdacht, dass H. durchaus planvoll vorging und das Verbrechen nicht in Affekt oder Drogenrausch beging.

Von Michael Zgoll

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