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Hemmingen Tote Sophia: Sechs Monate auf Bewährung für Freibadbetreiber
Umland Hemmingen Tote Sophia: Sechs Monate auf Bewährung für Freibadbetreiber
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00:18 03.06.2018
Der Geschäftsführer des Freibads Arnum ist zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Jürgen G., Betreiber des Freibads Arnum, ist zu sechs Monaten auf Bewährung wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden. Der Prozess lief seit Ende April und dauerte vier Verhandlungstage. Das Amtsgericht Hannover sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass der Geschäftsführer nicht die nötige Sorgfaltspflicht walten ließ und dies letztlich zum Tod der zweijährigen Sophia führte. Das Kind war im Sommer 2016 in einen offenen Schacht gefallen und dort ertrunken. Zusätzlich muss G. 10 000 Euro Schmerzensgeld an die Eltern zahlen.

Nach Auffassung des Gerichts lag der Deckel zum Unfallzeitpunkt nicht richtig auf der Kanalöffnung. „Als Badbetreiber muss man gezielt auf Gefahrenquellen achten“, sagte die Richterin während der Urteilsbegründung. Möglicherweise habe G. sogar selbst am Morgen des Unfalltages den Schacht begutachtet und den Deckel „aus Bequemlichkeit“ nicht wieder richtig darauf gelegt. Auszuschließen sei laut Gericht jedoch, dass irgendein Dritter die 25 Kilogramm schwere Abdeckung entfernt haben könnte – beispielsweise während der Suche nach der Zweijährigen.

G.s Verteidiger Christian Steding hatte nicht zuletzt während seines Plädoyers erwähnt, das dies durchaus eine „vorstellbare Alternative“ gewesen sein könnte. Als das Kind verschwand, könnte im Rahmen der Suche auch der Kanal geöffnet und dann nicht wieder richtig verschlossen worden sein. Möglicherweise Sophia erst dann hineingefallen. Daher hatte Steding für seinen Mandanten Freispruch gefordert. Der Tod der Zweijährigen sei „eine Verkettung unglücklicher Ereignisse“ gewesen. Die Richterin folgte dieser Theorie nicht. „Wenn der Schacht komplett verschlossen gewesen wäre, hätte es gar keinen Anlass gegeben, dort nachzugucken.“

Mit dem Urteil blieb das Gericht unter dem geforderten Strafmaß der Staatsanwältin und Nebenklage. Beide hatten für den Badbetreiber eine Bewährungsstrafe von acht Monaten gefordert. „Der Angeklagte hat als Geschäftsführer seine Sorgfaltspflicht verletzt“, sagte Staatsanwältin Bianca Vieregge. Die Zeugenaussagen und Gutachten hätten dies bestätigt. „Ihm oblag es, sämtliche Sicherheitsmaßnahmen zu treffen – zumindest während des Publikumsverkehrs.“ Strafmildernd wirkte sich laut Gericht unter anderem aus, dass G. stets bei der Aufklärung mitgeholfen habe. „Der Familie gilt mein aufrichtiges Beileid“, sagte er am Donnerstag. „Es war ein tragischer Vorfall.“

Sandra L., Sophias Mutter, brach während des letzten Verhandlungstages in Tränen aus, als die Todesumstände des Kindes noch einmal thematisiert wurden. Beim Plädoyer von G.s Verteidiger verließ sie zudem aufgebracht den Gerichtssaal. Nach dem Urteilsspruch bezeichnete L.s Anwalt Michael Nagel den Ausgang des Verfahrens im Grundsatz als zufriedenstellend. „Die rechtliche Verantwortung des Angeklagten wurde festgestellt“, sagte Nagel, „allerdings hätte ich ein schärferes Urteil besser gefunden.“

Von Peer Hellerling

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