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Isernhagen Bio-Slam: Landwirte dichten in Neuwarmbüchen
Umland Isernhagen Bio-Slam: Landwirte dichten in Neuwarmbüchen
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00:20 19.09.2018
Rennig Söffker (rechts) und Thomas Denker rezitieren und vertonen Texte von Christian Morgenstern auf eigenwillige Weise. Quelle: Elena Everding
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Neuwarmbüchen

Das Publikum hat es sich bereits auf Strohballen im großen Gewächshaus gemütlich gemacht. Auf die kleine Bühne steigt Angelika Franz, Sprecherin des Anbauverbands Bioland: „Wir wollen gegen Vorurteile angehen. Landwirten wird ja immer nachgesagt, sie seinen introvertiert und wortkarg.“ Bei Biobauern seien die Vorbehalte noch schlimmer. Doch beim ersten Niedersächsischen Bio-Slam in der Gärtnerei Rothenfeld wollen sie am Sonnabend zeigen, wie breit die Palette an künstlerischen Talenten unter den Bio-Landwirten ist –und das lassen sich zig Besucher nicht entgehen. „Wir können auch Kultur“, betont Franz. Den Bio-Slam veranstaltet Bioland im Rahmen der Aktionstage Ökolandbau.

Zehn Minuten hat jeder Slammer Zeit, dann ertönt ein Pfiff. Der Slam ist ein Wettbewerb. Die Teilnehmer tragen ihren Beitrag vor und müssen dabei um die Gunst des Publikums kämpfen. Das allein stimmt am Ende per Applaus über den Sieger ab. „Es kommt auf die Länge und die Lautstärke an“, sagt Franz.

Das testet das Publikum dann auch schon beim ersten Auftritt: Sibylle Bahrmann aus der Nähe von Lüneburg hält eine Rede über den Boden, „unsere kostbarste Ressource.“ Für ihren Appell, nachhaltig Landwirtschaft zu betreiben, erntet sie viel Beifall.

Krautrock, im wahrsten Sinne des Wortes

Als „Gärtner, der am Abend Gedichte schreibt“, bezeichnet sich Norbert Buortesch. Er ist extra aus Bayern nach Neuwarmbüchen angereist. In seinem Gedicht „Krautsurfing“ erzählt er von einem Landwirt, der bei der Arbeit auf dem Krautfeld vom Traktor aus in die Pflanzen springt, während er Rockmusik hört – vom Kraut lässt er sich tragen, wie ein Musiker von seinen Fans.

Zum Lachen bringt Buortesch das Publikum auch mit seiner Persiflage auf den „Zauberlehrling“ von Goethe. Während in dem Klassiker ein Besen außer Kontrolle gerät, ist es nun der Mähroboter des Nachbarn – dieser mäht schließlich das Gemüse nieder und lässt sich nur per Smartphone-App ausschalten.

Morgenstern mit Akkordeon

Dann ertönen ein Trommeln und Töne eines Akkordeons, im Publikum wird es still. Rennig Söffker und Thomas Denker betreten die Bühne und beginnen, das Gedicht „Tertius Gaudens“ von Christian Morgenstern auf ganz pathetische Weise zu rezitieren. „Zwischen Weinen und Lachen schwingt die Schaukel des Lebens“, sagt Söffker und leitet damit das nächste Werk von Morgenstern ein. Derweil spielt Denker auf dem Akkordeon und erzeugt im gesamten Gewächshaus eine nachdenkliche Stimmung.

Frauenpower in der Landwirtschaft

Angelika Franz verkündet, dass die nächste Slammerin zum ersten Mal an so einem Wettbewerb teilnimmt. Lisa Born aus Bramstedt widmet sich dem Thema Frauen in der Landwirtschaft. „Das Gehalt ist hier nicht das entscheidende – alle verdienen gleich wenig“, stellt sie nüchtern fest. Die Abschaffung des Hausfrauenehegesetzes im Juli 1977 hätten die Landwirte einfach nicht mitbekommen, vermutet sie. Im Juli hätten diese erfahrungsgemäß am meisten zu tun – ansonsten hätten sie wohl dagegen protestiert. Auf den Punkt und mit einer gehörigen Portion Humor offenbart die Newcomerin die Stellung der Frau in der Landwirtschaft. Das Publikum belohnt so viel Frauenpower mit einem begeisterten Applaus.

Am Sieg Borns können am Ende auch die Auftritte von Katharina Haidbüchel und Gesa Mielke vom Thünen-Institut nicht mehr rütteln –mit tosendem Applaus wird die Newcomerin zur Bio-Slam-Preisträgerin. Eine bessere Premiere als Slammerin kann man sich wohl nicht wünschen.

Newcomerin Lisa Born hat den ersten Niedersächsischen Bio-Slam in der Gärtnerei Rothenfeld gewonnen. Der Verband Bioland hatte eingeladen, Beiträge zum Bio-Landbau auf der Bühne zu präsentieren.

Von Elena Everding

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