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Isernhagen Bürger bedauern Schließung von Gasthof
Umland Isernhagen Bürger bedauern Schließung von Gasthof
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00:36 15.10.2018
Das Gasthaus Lahmann in Neuwarmbüchen schließt am 21.Dezember Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier
Neuwarmbüchen

 Nach der Kneipe Oberheu, dem Gasthaus Lange und dem Restaurant Athos schließt nun auch die Gastwirtschaft Lahmann. Dass Dorfkneipen am aussterben sind, ist nichts Neues. Der Blick in die benachbarten Ortschaften Kirchhorst, Engensen und Wettmar bestätigt den Trend. Jetzt trifft es auch Neuwarmbüchen. Das Licht geht bei Lahmann für immer aus. Was bleibt? Die Vereinsgaststätte des FC Neuwarmbüchen.

Das griechische Restaurant Athos ist schon länger geschlossen. Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier

Das Gasthaus Lahmann öffnet am 21. Dezember, um 16.30 Uhr zum letzten Mal. Eigentlich wollten Betreiber Jochen Schlein und seine Frau Babette erst im Oktober 2019 aufhören. Weil beide keinen Nachfolger gefunden haben, schließen die Eheleute schon jetzt. „Unser Job ist hart und irgendwann muss Schluss sein“, sagt der 62-Jährige, der mit seiner Frau 25 Jahre lang das Gasthaus betreibt. Nun sei der richtige Zeitpunkt da.

Babette Schleins Urgroßeltern Dorette und Heinrich Narten hatten das von Landwirt Plinke 1919 errichtete Haus gekauft. Damals hieß die Gaststätte noch Haus Niedersachsen. Danach übernahmen das Gasthaus Tochter Hedwig und ihr Mann Georg Lahmann. Denen folgten Ute und Wolfgang Lahmann bis das Ehepaar Schlein seit 1993 die Gastwirtschaft führte.

Wo der Gesangsverein probt, ist noch unklar

Der Saal von Lahmann diente bisweilen als Versammlungsstätte und Übungsraum für diverse Vereine, Turnen und Tischtennis und beherbergte Familienfeste und Theatervorführungen. Und donnerstags probt der Gesangverein Immergrün im Klubzimmer.

Der Gesangverein feierte vor zwei Wochen sein 125-jährige Bestehen. Jeden Woche triff sich der Verein im Gasthof. Wo die Sänger ab Januar proben werden, steht noch nicht fest. „Wir könnten in das Haus der Begegnung an der Straße Am Immenzaun ziehen, aber da ist die Akustik schlecht und keine Bewirtung – die wir sehr schätzen“, sagt Vereinsvorsitzende Heike Fischer.

Chormitglied Günther Lahmann, dessen Eltern Hedwig und Georg Lahmann das Wirtshaus gleichen Namens betrieben haben, ist auch Mitglied im Gesangverein. Er kennt sich im Dorf aus und man kennt ihn als den Dorfkümmerer. Der 80-Jährige ist zugleich Verfasser der Chronik des FC Neuwarmbüchen und bedauert die Entwicklung des Dorfgasthofs. Früher habe es drei Kneipen in Neuwarmbüchen gegeben. „Heute gehen die Leute nicht mehr aus – das ist Lauf der Zeit“, sagt Lahmann mit Bedauern. Die Auswahl an bürgerlichen Essen sei in der nahen Umgebung nicht mehr groß. „Die Neuwarmbüchener müssen ausweichen und schauen, wo sie eine entsprechende Küche finden.“

Die Sparkasse in Neuwarmbüchen schließt 2019. Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier

So auch Brigitte Ruhnau. Die heute 75-Jährige ist als Dreijährige mit ihren Eltern nach Neuwarmbüchen gezogen. „Dass Lahmann schließt, bedauern alle“, sagt Ruhnau. Zwar lebt die rüstige Frau heute Am Wienkamp in Isernhagen F.B., aber sie orientiert sich nach wie vor nach Neuwarmbüchen. Als eine große Katastrophe bezeichnet sie die Schließung des Wirthauses Lahmann. „Ich bin traurig“, gesteht Ruhnau. Gleichwohl habe sie auch schon ihren Geburtstag in der Vereinsgaststätte des FC Neuwarmbüchen gefeiert. „Dort geht es eher zünftig zu.“

Feuerwehr will Ort die Treue halten

Auch die Ortsfeuerwehr war bei Lahmann zu Gast. Sie will aber Neuwarmbüchen die Treue halten. „Wir gehen mit unsere Versammlungen in das Haus der Begegnung“, sagt Ortsbrandmeister Frank Zeyn. Natürlich sei es wegen der Fahrerei umständlich, wenn sich Gruppen im Dorf treffen wollten und nun auf andere Lokalitäten auszuweichen müssten. „Auch Familien trifft es, wenn sie etwa Geburtstage, Einschulung und Konfirmationen feiern wollen.“

Dass künftig in Neuwarmbüchen ein großer Saal fehlt, das sieht auch Christiane Hinze, FDP-Regionsabgeordnetete, Ratsmitglied und ehemalige Ortbürgermeisterin. Den Grund für die Schließung vieler Dorfgaststätten führt sie auf das Rauchverbot zurück. In den Wirtshäusern hätten sich die Leute zum Erzählen getroffen – das bröckele aber peu á peu ab. „Neuwarmbüchen hat künftig ein echtes Problem“, sagt Hinze. Wie es weitergeht? „Wir warten darauf, dass Kirchhorst ein Dorfgemeinschaftshaus baut – und das kann noch dauern“, sagt Hinze. Und ein weiteres Problem zeichnet sich für den Ort bereits ab: „Im Januar soll auch die Zweigstelle der Sparkasse schließen.“

Wie es nun in Neuwarmbüchen weitergehen soll, wollen Vereine, Verbände und der Ortsrat am Donnerstag, 18. Oktober, ab 19.30 Uhr im Gasthaus Lahmann diskutieren.

Von Katerina Jarolim-Vormeier

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