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Isernhagen Gewerbetreibende diskutieren beim Neujahrsempfang
Umland Isernhagen Gewerbetreibende diskutieren beim Neujahrsempfang
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17:53 16.01.2019
Das Podium diskutiert über die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern. Quelle: Frank Walter
Isernhagen F.B

Mit dem Thema des Abends hat die Gemeinde Isernhagen bei ihrem Neujahrsempfang für die Gewerbetreibenden ganz offensichtlich den Nerv der Zeit getroffen: Zur „Gewinnung und Bindung von Auszubildenden und Mitarbeitern“ gab es am Dienstagabend nicht nur zwei spannende Impulsvorträge. Dank des gut besetzten Podiums entwickelte sich auch eine rege Diskussion, ehe die Unternehmer bei Currywurst und Fingerfood noch neue Kontakte knüpften und alte Verbindungen neu belebten.

Die Gewinnung von Auszubildenden und Mitarbeitern hat den Neujahrsempfang der Gemeinde Isenhagen für die örtlichen Gewerbetreibenden bestimmt. Davon abgesehen ging es aber auch ums Netzwerken.

Bürgermeister: Wir sind im „war for talents“

Die Gemeinde ist nicht nur Ansprechpartnerin und Dienstleisterin für die örtlichen Betriebe – auch die Nachwuchssorgen einen beide Seiten. „Wir befinden uns alle im sogenannten war for talents“, wandte sich Bürgermeister Arpad Bogya an die etwa 270 Gäste in der Scheune des Isernhagenhofes. So habe die Gemeinde Isernhagen bei rund 300 Mitarbeitern – die sich etwa 200 Vollzeitstellen teilen – im abgelaufenen Jahr 60 Ausschreibungen getätigt, etliche davon sogar mehrfach. Dennoch seien 13 Ausschreibungen letztlich gescheitert, die Gemeinde hatte diese Stellen nicht besetzen können. Das liege auch daran, dass andere Arbeitgeber im Kitabereich teils mehr bezahlen könnten. „Wir versuchen mit attraktiven Arbeitsplätzen, Gesundheitsmanagement und der Sicherheit der öffentlichen Hand zu punkten“, erläuterte Bogya.

Hansen: Teils gar keine Bewerbungen

Dass die Gemeinde Isernhagen mit ihrem teils vergeblichen Werben um neue Mitarbeiter nicht allein dasteht, machte Jürgen Hansen, zuständig für Beschäftigungsförderung bei der Region Hannover, in seinem Impulsreferat deutlich. Rund ein Drittel der Betriebe gebe heute an, dass sie nicht alle Ausbildungsplätze besetzen können. In kleinen und mittleren Betrieben gebe es manches Jahr gar keinen Bewerber, was auch an veränderten Zielen der jungen Menschen liege. So gebe es seit 2013 wesentlich mehr Studien- als Ausbildungsbeginner. Und dadurch habe sich die Bewerbersituation deutlich verändert: „Teils unterschreiben Bewerber drei Ausbildungsverträge und überlegen sich dann am 31.7., welche Stelle sie antreten“, so Hansen. Er warb für ein regelmäßiges Ausbilder-Frühstück in Isernhagen, wie es dies beispielsweise in Burgwedel als Erfahrungsaustausch schon länger gibt.

Voß: Die Machtverhältnisse haben sich verändert

Erfahrungsaustausch ist das eine, doch für Tina Voß, Zeitarbeit-Unternehmerin und stellvertretende Präsidentin der IHK Hannover, geht es vor allem darum, potenzielle neue Auszubildende und Mitarbeiter überhaupt zu erreichen. „Heute sind die Bewerber sehr anspruchsvoll – und die Machtverhältnisse haben sich verändert“, sprach die 49-Jährige in ihrem Impulsreferat das an, was in Zeiten des Fachkräftemangels gemeinhin als „Bewerber-Markt“ tituliert wird. „Früher haben wir uns einen rausgepickt. Heute zerren wir alle an demselben.“

Zu tun bekomme man es heute als Arbeitgeber vor allem mit Menschen der „Generation Y“, die zwischen 1980 und 1995 geboren wurden, so Voß. Diese wollten „Arbeiten und Leben verbinden“, wollten „teilen statt besitzen“. Da schlage Social Media den Flurfunk, „und Sie als Arbeitgeber stehen dabei im Fokus“, listete sie einige Aspekte auf. Man müsse mit dem Wunsch nach dem Home-Office umgehen können und auch die Kanäle nutzen, über die diese Generation kommuniziere. Wichtig seien beispielsweise Karriereseiten auf der eigenen Homepage und die Optimierung der Seiten für die Nutzung per Smartphone – „das ist absolut existenziell“.

Kununu, Xing, Hey Jobs, Talent Hero, Job Hero, Bewerbungen per Facebook-Messenger – „das ist eine komplett veränderte Welt“. Ein Patentrezept, welcher Weg der richtige zum neuen Mitarbeiter sei, könne sie nicht geben: „Das müssen Sie selbst entwickeln. Sie müssen ausprobieren und gucken, wo Sie ihre Zielgruppe finden“, sagte die Unternehmerin.

Gewerbetreibende formulieren Wünsche

Die anschließende Podiumsdiskussion brach das Thema unter der Moderation von HAZ-Redakteur Jan Sedelies auf die lokale Ebene herunter. Ina Wenig (B.I.P.), Rainer Burckhardt (Burckhardt Metallbau), Jan Grote (Pflegezentrum Grote), Dirk Moch (Ludwig Bertram) und Peter-Wolfgang Plagens (Gehrke Econ) gewährten Einblicke in ihre eigene Nachwuchsgewinnung – und formulierten auch Wünsche an die Gemeinde. Eine bessere Taktung der Linienbusse, mehr Ausbildungsmessen an den Schulen, eine größere Vernetzung der lokalen Unternehmen und ein weiterer Ausbau der Kinderbetreuungsangebote waren Dinge, die Bürgermeister Bogya und Wirtschaftsförderer Michael Frerking vom Neujahrsempfang mitnahmen.

Von Frank Walter

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