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Isernhagen Knigge-Vortrag statt Kabarett
Umland Isernhagen Knigge-Vortrag statt Kabarett
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00:15 01.08.2018
„Who the fuck is Knigge?“, fragt Kabarettist Moritz Freiherr Knigge im Foyer der Kulturscheune auf dem Isernhagenhof. Quelle: Jürgen Zimmer
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Isernhagen F.B

Der Name Knigge ist unverrückbar mit den „Benimmregeln“ des Adolph Freiherr Knigge (1752-1796) verbunden. Dabei waren diese nur ein kleiner Teil seines Werkes innerhalb der Schrift „Über den Umgang mit Menschen“. Ein wichtiges sozialpsychologisches Werk der Aufklärung, das viel mehr enthält als die Antwort auf die Frage, wie man stil- und würdevoll mit einer Serviette umgeht.

Das zu vermitteln, war Moritz Freiherr Knigge, einem Nachkommen des „Benimm-Papstes“ aus Bredenbeck, wichtig, als er am Sonnabendabend zum ersten Mal im KulturKaffee Rautenkranz auftrat. Angekündigt war sein Kabarettprogramm „Who the fuck is Knigge?“, etwa: „Wer zum Teufel ist Knigge?“. Die Besucher an den langen Tischen im Foyer der Kulturscheune Isernhagens schwitzen und hofften auf kabarettistische Abkühlung. Allein, die kam nicht.

Knigge ließ sich lieber über die Bürde seines Namens aus: „Wenn ich mich vorstelle, stehen die Leute gleich stramm und wissen nicht, wie sie mich anreden sollen.“. Dabei genügt ihm ein normales „Herr Knigge“. Dann erzählte er aus dem Leben seines Vorfahren, der mit den geistigen Größen seiner Zeit, Klopstock, Schiller und auch Goethe, bekannt war und las, wohl zur Abschreckung, aus den überkommenen Benimmregeln verschiedener Autoren vor.

Wenn Kabarett als eine Darbietung in parodistischer und witziger Form verstanden sein soll, dann hat Moritz Freiherr Knigge dieses Ziel verfehlt. Das fanden auch Gerd Lange aus Fuhrberg und seine drei Begleiter unisono: „Mit Kabarett hat das nichts zu tun. Da hätte er mit mehr Selbstironie an das Thema rangehen müssen“ – „Das ist langweilig, der verzieht ja kaum eine Miene“. Zwar sei es kein Kabarett, befand auch Cellist Roland Baumgarte, aber er fand es trotzdem erhellend. „Einiges habe ich schon mitgenommen“, meinte er.

Das bezog sich vor allem auf den zweiten Teil der Vorstellung, als Knigge sich ausschließlich mit dem Thema „Mensch bleiben“ auseinandersetzte und dozierte, wie wir alle besser miteinander klar kommen können. Anfangen solle man damit, sich an die eigene Nase zu fassen, dann kann der Zeigefinger nicht auf andere zeigen. Diese und andere Allgemeinplätze wie die, die Marotten anderer mit Gelassenheit zu ertragen und stets jedermann mit Achtung zu begegnen, waren die Kernstücke seiner Aussagen, die er mit leidlich witzigen Episoden unterstützte. Ach ja – und dass er es absolut unerträglich findet, wenn jemand laut wird.

„Angemessenheit ist wichtig“

Als Kabarettist muss man schnell auf den Punkt kommen. Das hat Moritz Freiherr Knigge auf Nachfrage auch nach seiner Vorstellung gemacht – und für die HAZ aus dem Stegreif einige Sätze vollendet.

Meinen Vorfahren bewundere ich ... „weil er ein kluger und spannender Mann war.“

Der Umgang mit Menschen ist ... „spannend, lehrreich und nicht zu umgehen. Angemessenheit ist wichtig.“

Heutige Umgangsformen sind ... „eben die heutigen. Ich gehöre nicht zu denen, die sagen: Früher war alles besser.“

Gute Umgangsformen ... „erleichtern das Miteinander und sind das Gegenteil von steifer Etikette.“

Meine Hobbys sind ... „Kochen und Petanque spielen.“

Von Jürgen Zimmer

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