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17:35 15.09.2015
Von Frank Walter
Michele Scanavino, der Michael Schumacher der Hovercraftszene, zeigt ein spektakuläres Fahrmanöver. Quelle: Hovercraft Experience
Isernhagen

Volksmusikstar Florian Silbereisen? „Nett, sportlich, ehrgeizig. Er hat für seine Sendung eine Woche lang auf der Wiese da hinten geübt.“ Pro7-Moderator Stefan Raab? „So witzig, wie er im Fernsehen wirkt.“ Ex-96-Profi Mohammed Abdellaoue? „Wollte beim Teamtraining nicht selbst fahren, so ganz ohne Bremsen.“ Der neunfache Motorrad-Weltmeister Valentino Rossi? „Das gab ein Medienecho auf der ganzen Welt.“

Wenn Klaus Bönighausen über seine Begegnungen mit den Promis redet, dann tut er das ganz unaufgeregt. In den vergangenen Jahren hat der Isernhagener etliche Auftritte absolviert, die sein Rennsportteam Hovercraft Experience bekannt und auch für Events von der Baumarkteröffnung bis zum Hafengeburtstag sowie Werbespots interessant gemacht haben. Letztlich dient das aber nur als Mittel zum Zweck, um den Rennsport zu finanzieren. Als Fahrer und Teamchef ist der gelernte Zentralheizungs- und Lüftungsbauer mit eigener Firma rund zwölf Wochen pro Jahr unterwegs.

Als damals 18-Jährigen hatte Bönighausen als Zuschauer bei einem Rennen in Freiburg das Hovercraftfieber gepackt. „Auf Wasser und Land - das hat mich sofort fasziniert.“ Jede Mark sparte der Auszubildende, um sich schließlich ein gebrauchtes Luftkissenboot kaufen zu können. „Bereits zwei Wochen später bin ich in der Novizen-Klasse beim Großen Preis von Belgien gestartet“, erinnert sich der heute 41-Jährige. Allzu schlecht scheint er sich nicht angestellt zu haben, denn schnell wurde ein deutscher Hersteller auf ihn aufmerksam und unterstützte ihn mit einem besseren Boot. Dass er selbst, der bei Rennen regelmäßig auch über Wasserpassagen schwebt, lange seine Probleme mit dem Schwimmen hatte und erst als 36-Jähriger sein Seepferdchen-Abzeichen machte, ist für den sportlichen Ex-Europameister, der auch mal einen Halbmarathon läuft, dabei heute nur noch eine Anekdote.

Längst ist der Vater eines ebenfalls rennsportbegeisterten Sohnes - der Zehnjährige wechselt 2016 vom Kart ins Hovercraft - mehr Organisator als Fahrer. „Ich habe geguckt, dass ich für mein Team die besten Fahrer bekomme.“ Während er früher noch selbst stundenlang an der Technik geschraubt hat, kümmert er sich heute mehr ums große Ganze. Immerhin fährt das Team mit tonnenweise Material und bis zu sieben Personen zu den WM- und EM-Läufen ins Ausland.

Obwohl Bönighausen in seiner Hovercraftkarriere schon vieles gesehen und erlebt hat, Träume hat er immer noch: „Bei einem Rennen der US-Nascar-Serie ein Einlagerennen zu fahren, das wär’s noch.“ Vielleicht ja 2018, wenn die Hovercraft-WM nahe Daytona zu Gast ist?

Das Bayern München der Hovercraftszene

Hovercraftrennen sind ein Sport für Exoten: In Deutschland gibt es nur rund 60 Fahrer, von denen 20 bis 25 ständig aktiv sind. Der Sport stammt aus Großbritannien, wo es auch eine eigene Rennserie gibt. Ansonsten messen sich die Fahrer im internationalen Vergleich in verschiedenen Klassen bei Europa- und Weltmeisterschaften. 

Ziehe man einen Vergleich zur Fußball-Bundesliga, „dann sind wir Bayern München. Im Moment fahren wir alles in Grund und Boden“, sagt Teamchef und Formel-2-Fahrer Klaus Bönighausen von Hovercraft Experience nicht ohne Stolz. Der Isernhagener hofft, dass es bei der nächsten WM im Juli 2016 zum Titel in beiden Formel-Klassen reicht. Das liegt einerseits am dank Sponsoren und eigener Weiterentwicklungen professionellen Material. „Man muss das Material aber auch fahren können“, macht Bönighausen deutlich – und hat dabei insbesondere Teamkollege Michele Scanavino vor Augen. Als Michael Schumacher der Hovercraftszene fährt der Inhaber einer Straßenbaufirma in den italienischen Alpen und guter Freund des Ex-Skirennläufers Alberto Tomba regelmäßig Titel und Podiumsplätze bei WM- und EM-Läufen ein. Ebenfalls in der Königsklasse Formel 1 startet der weitere Fahrer Conrad Beale. Der Engländer, ausgewiesener Motorenspezialist, ist wie Scanavino mehrfacher Welt- und Europameister. 

Unterwegs sind die drei Fahrer in bis zu 185 Kilometer pro Stunde schnellen Luftkissenbooten. 30- bis 50-PS-Liftmotoren sorgen dafür, dass sich die Boote etwa 15 Zentimeter vom Boden heben. Den Vortrieb übernehmen bis zu 230 PS starke Schubmotoren. „Ein Formel-1-Boot kostet rund 50.000 Euro“, erläutert Bönighausen. Beim Fahren drifte ein Hovercraft ähnlich wie ein Rallyefahrzeug auf Eisflächen, sei dabei aber von Könnern zentimetergenau zu steuern. Bremsen gibt es allerdings nicht, zum Verringern der Geschwindigkeit stellen die Fahrer ihre Boote quer – der Anhalteweg ist so doppelt so lang wie beim Auto.

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