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00:45 10.06.2018
Mit Laptop, Kamera, Klappe und Mikrofon: Sarah (von links), Martha, Lina, Sarah, Elsa, Martha, Marie und Sophie zeigen das Equipment für ihren Kurzfilm. Quelle: Jarolim-Vormeier
Altwarmbüchen

22 Gymnasiasten aus Isernhagen sollen die Kurzgeschichte „San Salvador“ aus der Feder des Schweizer Autors Peter Bichsel interpretieren. Doch die Schüler greifen dabei im Deutschunterricht nicht wie üblich zu Stift und Papier, um ein bis zwei Seiten mit ihren Gedanken zu füllen. Stattdessen heißt die Aufgabe: Interpretation der Geschichte anhand eines Filmbeitrages.

Die Kurzgeschichte spielt in der Wohnung des Ehepaares Paul und Hildegard. Paul probiert die neu gekaufte Füllfeder aus. Nach einigen Proben schreibt er einen Abschiedsbrief an seine Frau: „Mir ist es hier zu kalt, ich gehe nach Südamerika, Paul“. Paul wartet auf die Rückkehr seiner Frau. Als Hildegard erscheint, fragt sie ihren Mann: „Schlafen die Kinder?“ An diesem Punkt endet die Geschichte abrupt. Ob Hildegard den Zettel liest und was sich danach zwischen den Ehepartnern abspielt, erfährt der Leser nicht.

Wie die Geschichte nach den Vorstellungen der Schüler weitergeht, erzählen die Gymnasiasten in ihren Streifen. Bei dem Dreh gibt es für die Zehntklässler Vorgaben. Sequenzen für den etwa drei Minuten langen Beitrag dürften sie nur im Schulgebäude und auf den Außenanlagen drehen. Keine leichte Aufgabe, aber die Gymnasiasten werden erfinderisch. Mit Kamera, Klappe und Mikrofon ausgestattet, legen sie los.

So verwandelt sich etwa das Beachvolleyball-Feld in den Strand des mittelamerikanischen Staates El Salvador (die Hauptstadt heißt San Salvador). Die Hausmeisterloge dient als Fahrkartenschalter, die Bibliothek stellt das Wohnzimmer dar. Und an den Stehtischen im Foyer des Gymnasiums drehen die Schüler eine Bar-Szene. „Das ist nicht so einfach gewesen“, verrät Gymnasiastin Sarah. Bei Wiederholungen von Szenen, „mussten wir beispielsweise darauf achten, die selbe Kleidung zu tragen und dass ein Glas immer gleich hoch gefüllt ist“, erzählt Mitschülerin Elsa. „Bei den Dreharbeiten ist uns bewusst geworden, wie viel Arbeit in einem Film steckt“, sagt sie.

Bei den Aufnahmen helfen ihnen Deutsch-Referendarin Julia Winnemuth und Adele Mecklenborg, Medienpädagogin am Medienzentrum der Region Hannover. „Das viertägige Filmprojekt stärkt die Medienkompetenz der Schüler“, sagt Mecklenborg. Sie entwickelten sogenannte Storyboards, filmten und schnitten das gefilmte Material zusammen. „Der Deutschunterricht von heute ist mehr als Literatur, nämlich auch die Vorstellung neue Medien“, sagt sie.

Von Katerina Jarolim-Vormeier

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