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Nachrichten Henning Venske grantelt wider den Zeitgeist
Umland Isernhagen Nachrichten Henning Venske grantelt wider den Zeitgeist
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00:15 12.02.2018
Henning Venske und Akkordeonist Frank Grischek. Quelle: Dirk von Werder
Isernhagen F.B

 Recht hat er – es liegt vieles im Argen, im Land wie in der Welt: keine Spur von sozialer Gerechtigkeit, keine Ideen zur Lösung internationaler Konflikte, stattdessen Phrasendrescherei auf fast allen Ebenen. Das Jahr 2017, auf das Henning Venske am Donnerstagabend im Isernhagenhof zurückblickt, hat die Menschheit nicht vorangebracht. Nicht in einem, nach allgemeinen Verständnis, positiven Sinn. Zwei Stunden widmet sich der Kabarettist, der frühere Linksaußen der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, diesem Rückblick. Als „Vertreter alter kabarettistischer Zunft“ hat ihn Gastgeber Stefan Rautenkranz begrüßt, als Mann, der „so berühmt wie gefürchtet“ sei.

Rautenkranz betreibt das kleine gemütliche KulturKaffee am Isernhagenhof. Den Venske-Auftritt hat er wegen des großen Interesses in die Veranstaltungsscheune des Hofes verlegt. Berühmt ist Venske, mittlerweile im 79. Lebensjahr angekommen, zweifellos, gefürchtet war er zumindest viele Jahre lang.

Es sei sein 21. Jahresrückblick, sagt er gleich zu Beginn – und es werde der letzte sein. Venske ist wie seit Jahren mit dem genialen Akkordeonisten Frank Grischek gekommen, der im Laufe des Abends nach seinen Einlagen stets den etwas größeren Applaus erhält. Venske selbst grantelt. Das hat er eigentlich immer getan. Aus Spaß gegen Grischek, mit vollem Ernst gegen den Zeitgeist im Allgemeinen und die Politik im Besonderen. Schonungslos deckt er Schwächen auf. Das ist sein Job als Kabarettist.

Allein – die Kritik kommt verbissen daher und in dem steten Bemühen, den Humor nicht zu vergessen, gerät der zweifelsohne große Mann des Kabaretts häufig in den Grenzbereich des guten Geschmacks. Da „scheißt uns die Kanzlerin aufs Butterbrot, und der Koalitionspartner verkauft es als Leberpastete“. Sächsische Ministerpräsidenten haben im Zweifel das Qualitätsmerkmal, „dass sich IQ und Schuhgröße immerhin die Waage halten“. FDP-Graf Lambsdorff wird der Einfachheit halber zur „Lammkeule“, und die aktuellen Diskussion um sexuelle Übergriffe auf Frauen in der Welt der Prominenz betrachtet Venske auf seine ganz eigene Weise: „Da hat mal einer mit seinem Dieter gewedelt“. 

Dabei kann er auch anders, feiner. Etwa, wenn er Finanzjongleuren das Zeugnis ausstellt, sie seien eigentlich bedauernswert, weil „in absolut keinem produktiven Bereich verwertbar“. Oder wenn er mit viel Wortwitz ein Kanzlerinnen-Zitat über den Stand der Dinge auseinandernimmt und mit der Frage endet „wo stehen wir denn nun eigentlich? Fest steht nur, wir stehen.“

Gegen Ende des Abends gibt es dann doch anhaltenden Applaus, Venske und Grischek kehren auf die Bühne zurück. Die Frage aus dem Publikum, ob er denn „auch irgendetwas Positives habe?“, wird verneint. „Sind Sie verrückt? Doch nicht im Kabarett“. Und nach einer nunmehr innigen Laudatio an Grischek verabschiedet sich Venske philosophierend: „Darf man die Dinge überhaupt noch nüchtern betrachten? Ich weiß es nicht.“

Henning Venske über ...

SPD-Chef Martin Schulz: „Der personifizierte Fachkräftemangel“, „Der hat vor einem Jahr angekündigt, Kanzler zu werden. Das kann nur einer sagen, der seit Jahren nichts trinkt.“

CSU-Politiker Alexander Dobrindt: „Leerstehendes Sakko mit Karos und zuviel Rußpartikeln im Gehirn“.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen: „Als Dr. med. mit einem Sachverstand ausgestattet, der keinen Verbandkasten füllt.“

Kanzlerin Angela Merkel: „Ein politischer Pflegefall. Immer mit bestem Willen, sich von Konzernen und Lobbyisten erpressen zu lassen. Kann einem leid tun“

Von Dirk von Werder

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