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Isernhagen baut: Immer enger, immer höher

Isernhagen Isernhagen baut: Immer enger, immer höher

Die zunehmende bauliche Verdichtung gerade in den Isernhagener Altdörfern missfällt vielen Bewohnern. Doch immer wieder wird die Gemeinde mit solchen Bauvoranfragen konfrontiert, denn Isernhagen erfreut sich als Wohnort weiter großer Beliebtheit.

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Isernhagen ist nach wie vor beliebter Wohnort.

Quelle: Symbolbild

Isernhagen. Reihenhäuser mit Carports zur Straße, die den Lärm abschirmen sollen, aber wenig Rücksicht auf die bauliche Charakteristik der bäuerlich geprägten Umgebung nehmen. Große Mehrfamilienhäuser mit dunkelgrauem Klinker, wo vorher im traditionellen Ziegelrot erbaute Gebäude standen. Großzügige Grundstücke, auf denen alte Häuser abgerissen werden, um Platz für mehr Gebäude mit Mini-Gärten zu schaffen.

Immer wieder landen solche Anfragen auf den Tagesordnungen der Altdörfer-Ortsräte sowie des Bauausschusses. Werden die Regelungen der Gestaltungsordnung eingehalten, hat die Gemeinde nur wenig Handhabe. Baugenehmigungsbehörde ist die Region – die Gemeinde ist lediglich aufgefordert, ihr Einvernehmen herzustellen oder zu versagen. Dabei orientiert sie sich entweder an den Vorgaben des Bebauungsplans oder – falls für diese Gegend nicht vorhanden – beurteilt das Vorhaben nach den Regelungen des Baugesetzbuches, nach denen sich das Bauvorhaben in die nähere Umgebung einfügen muss.

Bei einer aktuellen Bauvoranfrage für H.B. ist das aus Sicht der Verwaltung absolut nicht der Fall. Auf einem Grundstück wenige Meter abseits der Burgwedeler Straße, auf dem momentan noch ein Grünstreifen eine alte Scheune umgibt, sehen Architektenpläne den Bau von sechs zweigeschossigen Doppelhaushälften samt Garagen vor. Mit einer Höhe von 11,80 Metern würden die Neubauten die Häuser der Umgebung mit ihren sieben bis neun Metern Höhe deutlich überragen. Die Kubatur sei daher als zu massiv zu bewerten, begründet die Gemeinde ihre Ablehnung.

Die Isernhagener Immobilienmaklerin Ulrike Glaubitz beobachtet derlei Versuche schon seit Langem: „Wer das wirtschaftliche Risiko auf sich nimmt, will auch möglichst viel verdienen und deshalb eng bebauen“, erklärt sie. Wohneigentum in Isernhagen sei seit Jahren begehrt. „Es gab schon immer viele Anfragen.“ Die beliebteste Grundstücksgröße liege bei 500 bis 700 Quadratmetern, das typische Reihenhaus habe nur 200 Quadratmeter.

Deutlich mehr als die Hälfte der Käufer, so Glaubitz’ Beobachtung, kämen dabei aus der hannoverschen List oder Südstadt, und oft sei die Sehnsucht nach dem dörflichen Leben in Stadtnähe der Grund. Statt des Verkehrslärms und der Probleme um fehlende Kita-Plätze in der Großstadt wollten sie ihre Kinder behütet aufwachsen sehen und seien dafür auch bereit, mehr zu bezahlen als andernorts. Allerdings: „Man kann den Menschen nicht alles andrehen.“ Die Käufer in Isernhagen, meint Glaubitz, seien durchaus preisbewusst. Deshalb gebe es bei manch „hässlichen Klötzen“ auch Absatzprobleme, weswegen manches zunächst vermietet werde, weil niemand es kaufen wolle.

Dass die Isernhagener Altdörfer durch die bauliche Verdichtung bald ihren Charme verloren haben werden, glaubt die Immobilienmaklerin dennoch nicht: „Es gibt immer noch genügend Idealisten, die alte Gebäude kaufen und sanieren.“

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