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Umland Isernhagen Nachrichten Kirchhorst soll „nur“ 10 Hektar wachsen können
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00:36 19.04.2018
Neben der Kirchhorster Feuerwehr soll die neue Dorfmitte entstehen. Eine darüber hinausgehende Bebauung der Freiraumfläche stößt bei manchen Kirchhorstern auf Kritik. Quelle: Jarolim-Vormeier
Kirchhorst

Die Diskussion um die Dorfentwicklung in Kirchhorst verschärft sich. Die Gegner eines möglichen Lückenschlusses an der Steller Straße werfen Politik und Verwaltung schleppende Information, gar Geheimniskrämerei vor. Gemeinde- und Ortsratsspitze weisen das zurück und unterstellen wiederum den Gegnern des Vorhabens, bewusst mit falschen Zahlen zu agieren. 

Was war der Ausgangspunkt?

Der Kirchhorster Unternehmer Daniel Berkemeier hatte Ende 2016 sein Konzept für den „Dorfplatz Kirchhorst“ südlich der Steller Straße vorgestellt. Dieses sieht auf knapp 2 Hektar Fläche eine neue Gastronomie, die auch als Dorfgemeinschaftshaus dienen soll, sowie zur Gegenfinanzierung Wohnbaugrundstücke als „Mehrgenerationen-Wohnpark“ vor. Den Zugriff auf das Areal hat sich der Unternehmer gesichert. Die Entwicklungsfläche ist allerdings im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) als „Vorranggebiet Freiraumsicherung und -entwicklung“ dargestellt. Eine Siedlungsentwicklung ist deshalb nicht ohne weiteres möglich.

Was genau hat die Gemeinde beantragt?

Rund vier Wochen nach dem ohne Gegenstimmen gefassten Ratsbeschluss zur Dorfentwicklung Kirchhorst im Juni 2017 beantragte die Gemeinde bei der Region eine Änderung des RROP südlich der Steller Straße, um dort langfristig eine Bebauung zu ermöglichen – allerdings nicht nur für die „Dorfplatz“-Fläche, sondern für einen größeren Bereich.

Wie groß ist die Gesamtfläche?

Im textlichen Teil des Antrags ist „eine Fläche von ca. 10 ha“ genannt. In der Folge sind Meterangaben aufgeführt, die multipliziert rund 8,6 Hektar ergeben. In der beigefügten großmaßstäblichen Karte der Gemeinde, auf der dann auch das Kartenmaterial der Regionsverwaltung basiert, ist allerdings eine größere Fläche markiert. Gegner des Lückenschlusses haben per Satellitenbild nachgemessen, sie nannten zwischenzeitlich deshalb auch in ihrer Online-Petition die Zahl von 19 Hektar. Entscheidend ist laut Rathaus aber das textlich Beantragte, also 10 Hektar. Diese Fläche wird, falls es dazu kommt, im Änderungsverfahren weiter konkretisiert.

Wie begründet die Gemeinde diese größere Fläche?

Im Antrag an die Region ist davon die Rede, dass mit der RROP-Änderung „Potenziale für eine behutsame Siedlungsentwicklung in der Neuen Mitte Kirchhorst ermöglicht werden sollen“. So sei neben der dorfgemeinschaftsfördernden Gastronomie mit Dorfplatz „Raum für neue Wohngrundstücke, zum Teil für Mehrfamilienhäuser, vorstellbar“. Die Nachfrage nach Wohnraum in Isernhagen sei nach wie vor groß. Die Gemeinde plane, außer im zweiten Bauabschnitt der Wietzeaue in Altwarmbüchen neuen Wohnraum in Kirchhorst zu schaffen. Der Standort südlich der Einmündung der K116 biete sich dafür an. Zum einen sei der Supermarkt zu Fuß zu erreichen, zum anderen könne man durch die bauliche Verbindung einen engeren Zusammenschluss des Ortes erreichen. Die geringe Distanz von 180 Metern zwischen Feuerwehr Kirchhorst und der östlich gelegenen Wohnbebauung „bietet sich an, um einen Lückenschluss zu vollziehen“. Nach Süden erstrecke sich die vorhandene Bebauung bis circa 480 Meter. „Dieser Bereich ist für eine zukünftige bauliche Nutzung geeignet.“ Eine Bebauung sei dabei in Abschnitten zu vollziehen, „um die soziale Infrastruktur der Ortschaft nicht zu überfordern“. Und: Bereiche für die Naherholung seien rings ums Kirchhorst „ausreichend vorhanden“.

Was sagen die Kritiker?

Die Interessengemeinschaft „Freiraumsicherung Kirchhorst“ sammelt mit einer Onlinepetition auf www.openpetition.org/!kirchhorst Unterschriften – am Montagnachmittag rund 380. Die Einrichtung einer Dorfmitte begrüßen die Mitglieder. Sie setzen sich aber für den Erhalt der angrenzenden Freifläche ein – „weil wir den dörflichen Charakter des Ortes wahren wollen, weil wir das Feld und die angrenzenden Flächen für Naherholung, Natur und Tiere sichern möchten.“ Kirchhorst sei sowohl bei Gewerbeflächen als auch der Wohnbebauung sehr stark gewachsen. „Wir sind der Ansicht, dass ein weiteres massives Wachstum des Ortes nicht im Sinne der Bürger ist, weder infrastrukturell noch ökologisch.“

Was wirft die Interessengemeinschaft Politik und Verwaltung vor?

Die Hauptkritik bezieht sich auf die Kommunikation gegenüber den Bürgern. Bei der Auftaktveranstaltung zur Dorfentwicklung im September sei nur die kleinere Fläche genannt worden. Dass zu diesem Zeitpunkt bereits ein Antrag für eine deutlich größere Fläche bei der Region gestellt war, „wurde nicht erwähnt und war uns nicht bekannt“. Dies sei erst bei den folgenden Arbeitskreissitzungen auf Nachfrage klar geworden. Eine Abbildung einer exemplarischen Planung habe man erst im Februar gesehen, sich dann im Ortsrat wie auch in einem Schreiben an die Region kritisch geäußert. 

Was sagen Bürgermeister und Ortsbürgermeister?

Bürgermeister Arpad Bogya und Ortsbürgermeister Herbert Löffler kritisieren, dass in der Onlinepetition mit falschen Zahlen argumentiert werde – es gehe um 10 und nicht um 19 Hektar (was aktuell auch geändert wurde). Einerseits habe die Regionsverwaltung argumentiert, dass es als Rechtfertigung gegenüber den Regionspolitikern, das gerade erst rechtskräftig gewordenen RROP zu ändern, mehr Fläche als nur die rund 2 Hektar für das „Dorfplatz“-Projekt bedürfe, so Bogya.

Zudem habe die Gemeinde einen Eigenanspruch, Kirchhorst städtebaulich sinnvoll weiterzuentwickeln – und das auch über die Pläne des Investors hinaus. Was Rat und Ortsrat tatsächlich in den nächsten 15 bis 20 Jahren entwickeln wollten, „das ist völlig offen“, so Bogya. Wegen vieler unterschiedlicher Faktoren wie der Geburtenrate oder der Nachfrage nach Bauland sei dies ein „Blick in die Glaskugel“. „Völliger Quatsch“ sei es zu behaupten, dass alles hinter verschlossenen Türen passiere. „Das ist ein völlig offenes Verfahren – mit Bürgerbeteiligung.“ Zudem würden sich dem RROP-Verfahren irgendwann – wenn es denn politischer Wille sei– noch die Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung von Bebauungsplänen anschließen.

Ortsbürgermeister Löffler wiederum hat einige Passagen der ursprünglichen Version der Onlinepetition als persönlich verletzend empfunden. Mehrfach habe er deshalb bei den Verfassern auf Änderungen gedrungen. Der Vorwurf, dass unzureichend oder gar falsch informiert worden sei, trifft aus seiner Sicht nicht zu. In drei öffentlichen Sitzungen im Mai und Juni 2017 sei das Thema Freiraum behandelt worden. Für alles, was im Ortsrat auf der Tagesordnung stehe, sehe er sich „nicht in der Pflicht, als Ortsbürgermeister von Haus zu Haus zu gehen und zu informieren“. Überdies: Kirchhorst behutsam wachsen zu lassen, „da stehe ich voll hinter“, so Löffler. Zum Beispiel brauche es Wohnraum für Ältere, die ihre Einfamilienhäuser aufgeben.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Region Hannover prüft die zwischenzeitlich von der Gemeinde vorgelegten städtebaulichen Ziele der Dorfentwicklung in Kirchhorst und legt dann eine Beschlussvorlage für die Regionsversammlung vor. Darin werde entweder vorgeschlagen, das formelle Verfahren zur Rücknahme des Vorranggebietes Freiraumfunktionen einzuleiten – oder es werde vorgeschlagen, dies nicht zu tun, erläutert Regionssprecherin Christina Kreutz. Die Entscheidung trifft die Regionsversammlung. Sollte das Verfahren eingeleitet werden, so ist auch eine Bürgerbeteiligung vorgesehen. Vier Wochen lang lägen die Unterlagen aus, sechs Wochen lang könnten Bürger schriftlich Stellung beziehen.

Von Frank Walter

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