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Nachrichten Restaurierung von St. Nikolai hat begonnen
Umland Isernhagen Nachrichten Restaurierung von St. Nikolai hat begonnen
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07:09 06.01.2015
Von Frank Walter
Restaurator Jan Syring entfernt die Staubschicht im Altarraum der St.-Nikolai-Kirche vorsichtig mit einem speziellen Schwamm. Quelle: Frank Walter
Isernhagen

Sie rücken dem Staubschleier über den rund 600 Jahre alten Wandmalereien mit speziellen Schwämmen zu Leibe. „Wir radieren Stück für Stück die Schmutzschicht ab, ohne an die Farbschichten zu gehen“, erläutert Jan Syring das Prozedere. Um überall heranzukommen, wird ab heute ein großes Gerüst im Gotteshaus aufgestellt. Kirchenvorstand Klaus Gutsch und Pastor Jens Seliger freuen sich sehr über die finanzielle Unterstützung aus der Bevölkerung, beide hoffen auf weitere Spenden. Ob sie mit der Kostenschätzung von 100.000 Euro richtig lagen? „Das muss sich noch zeigen“, weiß Seliger um die Überraschungen, die Altbauten mit sich bringen.

Die Zeit, in der die Wandmalereien in St. Nikolai vom Grauschleier gereinigt werden, nutzen auch Orgelbauer für eine Generalüberholung des Kircheninstruments. Am Montag begann der Abbau. Es ist ein gewaltiges Puzzle, das Martin Hillebrand, Geschäftsführer der Gebrüder Hillebrand GmbH Orgelbau KG, und seine Mitarbeiter zerlegen müssen. Aus mehr als 40.000 Einzelteilen besteht die Orgel in St. Nikolai, allein 513 Pfeifen sind verbaut – vom Acht-Millimeter-Winzling bis zur 2,40 Meter langen Basspfeife. Damit zählt die Orgel in Kirchhorst allerdings noch zu den kleineren Exemplaren. „Das ist der kleinen Kirche geschuldet“, erläutert Hillebrand. Für ein größeres Exemplar fehlte die Raumhöhe, als das Instrument 1975 eingebaut wurde – ebenfalls von der Orgelbaufirma aus Altwarmbüchen.

Bis auf das Gehäuse, das zum Schutz mit Holzplatten verschalt in der Kirche verbleibt, nehmen die Fachleute alle Orgelteile mit in die Werkstatt. Dort muss zunächst der Schimmel beseitigt werden. Für Kirchenorgeln sei kalte, trockene Luft ideal, erläutert Hillebrand. Doch in der Realität sehe es leider anders aus. Das Klima in Mitteleuropa werde wärmer und feuchter, Dämmmaßnahmen wie beispielsweise Windfänge auch an vielen Kirchen verhinderten oftmals die Frischluftzufuhr. Und wenn nach Weihnachtsgottesdiensten vor voll besetzten Kirchenbänken hinter den letzten Besuchern gleich wieder die Türen geschlossen würden, ohne durchzulüften, dann sei das für die Instrumente auch nicht gut. „Bei der Kirchhorster Orgel hält sich der Schimmelbefall allerdings noch in Grenzen“, stellt Hillebrand dem Instrument – und der Gemeinde – ein ordentliches Zeugnis aus. Wenn alles gereinigt ist und die Metallteile wieder in die richtige Form gebracht sind, werden die Fachleute Verschleißteile ersetzen und verhärtetes Leder und Filz erneuern.

Zugleich wollen sie aber auch durch einige Umbauten den Klang der Orgel verbessern. Frischer und wärmer soll das Instrument klingen, wenn es nach der rund 17.000 Euro teuren Überholung in die Kirche zurückgekehrt ist. Hillebrand wird den Unterschied aus eigener Erfahrung hören – er hatte dereinst am Instrument in St. Nikolai selbst Orgelunterricht erhalten.

Orgelbau in vierter Generation

Das uralte Handwerk des Orgelbaus wird in der Familie Hillebrand aus Altwarmbüchen bereits in der vierten Generation ausgeübt. Heute führt Orgelbaumeister Martin Hillebrand die Geschäfte, auch sein Sohn Nikolas ist gelernter Orgelbauer. Martins Großvater Hermann hatte sich 1948 selbstständig gemacht, dessen Söhne Harry und Guntram übernahmen die Firma an der Bernhard-Rehkopf-Straße 1966. Seit 1978 firmiert die Orgelwerkstatt unter dem Namen „Gebrüder Hillebrand GmbH Orgelbau KG“. Mehr als 600 Orgelprojekte haben die Baumeister aus Altwarmbüchen seit 1948 ausgeführt. Sie haben sich sowohl mit der Restaurierung historischer Orgeln als auch mit Neubauten einen Namen weit über die Grenzen der Region gemacht. Drei Jahre lang dauerte beispielsweise die Restaurierung der Orgel der Danziger Marienkirche, eine der größten Backsteinkirchen der Welt.

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