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Nachrichten Grundschüler im Internet: Eltern informieren sich
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00:25 29.04.2018
Smartphone, Computerspiele und das Internet interessieren auch Kinder im Grundschulalter. Was Eltern dabei beachten sollten, hat der Verein Smiley jetzt Eltern in Kirchhorst erklärt. Quelle: Symbolbild (dpa)
Kirchhorst

 98 Prozent aller Grundschüler haben einen Internetzugang. Jeder zweite von ihnen spielt am Tablet. Das ist die Realität. Das Gefühl, technisch von den Kindern überholt zu werden, wenn man schon seinen sechsjährigen Sohn dabei beobachtet, wie er problemlos ein Smartphone bedient, kennen wohl fast alle Eltern. Der Verein Smiley hat am Mittwochabend Grundschuleltern in Kirchhorst über die richtige Mediennutzung ihrer Kinder informiert. 

Die erste Enttäuschung gibt es gleich zu Beginn: „Sie werden Ihre Kinder technisch nicht mehr einholen“, sagt Referent Ralf Willius. Er werde daher nicht Snapchat, Instagram und Whatsapp erklären, sondern Tipps für die Begleitung geben.

Unterschiedliche Welten: Für Erwachsene bedeutet der Computer vor allem ein Werkzeug zum Arbeiten. Kinder hingegen sehen darin ein Spielzeug. „Sie freuen sich den ganzen Tag darauf, den Computer herunterzufahren. Ihre Kinder warten nur darauf, ihn endlich hochzufahren.“ Ob Handy oder Computerspiele: Kinder hätten ein Recht auf Kommunikation, sie wollten „dabei sein, mitreden können“. Sätze wie „Ihr habt Euch doch den ganzen Tag in der Schule gesehen“ helfen nicht. Eltern sollten aber das Zeitmanagement übernehmen: Handys beim Frühstück oder auf dem Nachtschrank sind eine schlechte Idee. „Ihre Kinder werden lernen, dass das Handy nicht kaputt geht, wenn man es ausschaltet“, so Willius.

Interesse: Eltern sollten sich von ihren Kindern erklären lassen, was diese im Internet tun wollen und warum. Youtube und Computerspiele zu verteufeln bringe nichts – gemeinsame Internetnutzung hingegen helfe, ein Gefühl für den richtigen Weg zu entwickeln. „Sie setzen sich stundenlang in eine Sporthalle, um beim Fußballcup dabei zu sein“, sagte Willius. „Investieren Sie auch Zeit in diese Welt ihres Kindes.“

Anerkennung: Generell, so der Experte, müsse man sich bei einem Kind, das in der realen Welt vernünftig sei und Anerkennung finde, weniger Sorgen bei der Internetnutzung machen. Computerspiele seien so programmiert, dass sie schnell Erfolge verschafften. „Wer beim Fußball 90 Minuten nur auf der Bank sitzt, wird beim Online-Spiel glücklicher“, sagte Willius. Das gelte auch für andere Bereiche: Kinder verlangten Aufmerksamkeit und Bühnen – und diese müssten Eltern ihnen bieten. Wenn ein Kind ein Instrument lerne, aber niemand zuhöre, „dann lädt es ein Video von sich bei Youtube hoch“.  In der echten Welt klatscht das Publikum trotz schiefer Töne – bei Youtube kommen schnell Hasskommentare. 

Orientierung: Werte und Normen funktionieren auch im Internet. „Eltern müssen ihren Kindern Orientierung geben“, sagt Willius. Wenn man nicht wolle, dass das Kind Kriegsspiele zocke, dann bedürfe das einer Erklärung. „Verbieten Sie diese Spiele nicht plump, sondern erklären Sie, warum sie nicht wollen, dass ihr Kind am Computer auf andere Leute schießt.“ Garantiert würden die Spiele dann bei Freunden trotzdem gespielt – „aber mit dem gleichen schlechten Gewissen, mit dem wir früher beim Nachbarn das getan haben, was wir daheim nicht durften“. Es liege in der Verantwortung der Eltern, dem Kind zu zeigen, was gut und was schlecht ist.

Naivität: Whatsapp und soziale Netzwerke hält Willius im Grundschulalter für ungeeignet. „Kinder in diesem Alter verstehen keine nonverbale Kommunikation oder Ironie.“ Ein fehlender Smiley habe schon ganze Klassengemeinschaften gespalten. Privatsphäre sei für Kinder in diesem Alter noch ein Fremdwort: Die Krankheit der Mutter oder der Streit der Eltern gehen so schnell online. „Nicht mit Vorsatz, sondern nur, weil Kinder unbekümmert sind.“

Freiheit: Es hilft nichts, Kinder in Watte zu packen. Wer daheim jede Tischecke abrunde, verhindere doch nicht, dass sein Kind beim Nachbarn dagegen renne. So ist es auch im Internet: Natürlich gibt es Filter, die das Internet sichern – „aber Kinder finden schnell raus, das manch ein Burgerladen kostenloses WLAN bietet, und da ist kein Filter“, so Willius. Je besser Eltern sich im Internet auskennen, desto einfacher sei es für sie auch, „Gegenfeuer zu legen“ – beispielsweise gemeinsam Alternativen zu den „Ballerspielen“ zu finden.

Die wichtigste Quintessenz des Abends: „Sie kennen Ihr Kind am besten“, sagt Willius am Schluss. „Ihr Bauchgefühl dafür, wer da vor Ihnen sitzt und wie groß Ihr Vertrauen sein darf, funktioniert auch in der virtuellen Welt.“ 

Diese Seiten helfen bei der Orientierung

Der Verein Smiley gibt Eltern Tipps an die Hand, wo sie sich im Internet über die Mediennutzung ihrer Kinder informieren können und welche Seiten für den Nachwuchs unbedenklich sind. So empfehlen die Experten die Seite www.fragfinn.de als erste Suchmaschine für Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Alle 12.000 denkbaren Internetseiten, die als Vorschlag auftauchen können, sind geprüft. Um sich und die Kinder fit für die Online-Welt zu machen, steht die Seite www.internet-abc.de zur Verfügung – als Ratgeber, für Altersempfehlungen sowie mit Informationen über neueste Entwicklungen. Wer sich grundsätzlich für die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen interessiert, kann die alle zwei Jahre erscheinenden JIM- und KIM-Studien des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest online auf www.mpfs.de anschauen. Für die richtige Fernsehauswahl bietet sich zudem die Seite www.flimmo.de an, die einen Überblick und Rezensionen für Sendungen und Filme bietet, die sich im aktuellen TV-Programm für Kinder im Alter von drei bis 13 Jahren eignen. Weitere Tipps gibt es auf der Seite des Vereins auf www.smiley-ev.de.

Von Carina Bahl

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