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Von Kielschweinen und Lümmellagern

Altwarmbüchen Von Kielschweinen und Lümmellagern

Er ist ein Segler-Urgestein: In dieser Saison hat Horst Mundt beim Wassersportverein Altwarmbüchen seinen 40. Segelkurs geleitet – und damit in vier Jahrzehnten fast 700 angehende Segler ausgebildet.

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Seit 40 Jahren bildet Horst Mundt für den WSV Altwarmbüchen Segler aus.

Quelle: Frank Walter

Altwarmbüchen. Wenn Ehepaare gemeinsam ins Segelboot steigen, ist das für Horst Mundt so eine Sache: „Manchmal werden die Tiere an Bord immer größer. Erst heißt es 'Mäuschen’, dann ,dumme Kuh’“, sagt der Altwarmbüchener. Deshalb sei es manchmal ratsamer, auf verschiedenen Booten zu segeln.

Der 79-Jährige ist nur in einem Verein Mitglied: „Ich möchte mich ja auch ein bisschen einbringen können.“ Doch was heißt „ein bisschen“? In dieser Saison hat Mundt beim Wassersportverein Altwarmbüchen seinen 40. Segelkurs geleitet – und damit in vier Jahrzehnten fast 700 angehende Segler ausgebildet.

WSV ist älter als der See

Für den WSV-Vorsitzenden Stefan Jungeblut ist Horst Mundt unverzichtbar, eine „Stütze der Ausbildung“ und „eines der Urgesteine des Vereins“. Tatsächlich war der von SPD-Mitgliedern gegründete WSV gerade ein Jahr alt, als Mundt samt Frau und Tochter 1974 eintrat. Den Altwarmbüchener See gab es damals noch nicht, der entstand erst zwischen 1978 und 1981 durch den Sandabbau für die Trasse der Moorautobahn. „Wir hatten unserer Boote damals noch an der Alten Moorhütte in Mardorf und am Kirchhorster See“, erinnert sich der gebürtige Braunschweiger, der seit 45 Jahren im Altwarmbüchener Zentrum lebt.

Auf dem Maschsee war er zum Segeln gekommen – die Nähe zur Natur und die Auseinandersetzung mit den Elementen waren es, die ihn reizten. „Surfer sind Individualisten, Segler sind Teamsportler – das liegt mir mehr“, sagt Mundt, der auch beim Tennis das Doppel bevorzugt. „Wir spielen Verbandsliga – alle tragen Manschetten“, sagt der 79-Jährige mit einem Augenzwinkern. Gerade hat er zum 43. Mal das Sportabzeichen in Gold abgelegt hat, er hält sich auch mit Wassergymnastik fit.

Regatten ist Mundt nie gefahren. Da lasse mancher auch mal die Rücksicht vermissen, „das kann unangenehm werden“. Ihm gehe es beim Segeln um den Spaß, und den will er teilen: Seit 1976 hilft er Interessierten beim Erwerb des Binnen-Sportbootführerscheins, ein Jahr später übernahm er die Ausbildungsleitung. „Meine Devise ist, dass man sein Wissen auch an den Nachwuchs weitergeben sollte.“

Jeweils im Januar beginnt die theoretische Ausbildung. Dort geht es dann nicht nur um Luv und Lee oder um Halsen und Wenden, sondern auch um Rechtskunde oder wichtige Lichtsignale. Knoten werden an jedem Unterrichtsabend geübt („man muss sein Boot doch gut anbinden können“), die Seglersprache kommt nebenbei: So bezeichnet das „Kielschwein“ die Auflage des Mastes, am „Lümmellager“ ist der Mastbaum befestigt.

"Männer sind risikofreudiger"

Zwischen den Oster- und den Sommerferien geht es dann aufs Wasser – erst zu sechs in Kielbooten („die können nicht kentern“), dann zu zweit in kleineren Jollen. Ideal sei die Ausbildung für Kinder, die schon in der Optimisten-Gruppe Erfahrungen gesammelt hätten. „Bei uns haben aber auch schon 70-Jährige ihren Segelschein gemacht. Die Erfolgsquote liegt bei grob geschätzt 99,9 Prozent“, sagt Mundt, der ehemalige Software-Entwickler.

Mit „uns“ meint er dabei das WSV-Ausbilderteam – wobei einige schon selbst bei Horst Mundt ihren Segelschein gemacht hatten. Das sportliche Segeln liege dabei mehr den Männern – diese hätten schlicht mehr Kraft fürs Dichtholen der Segel und seien oft risikofreudiger: „Am Trapez, nur mit den Fußspitzen auf dem Boot – das erfordert Mut“, sagt Mundt.

Er selbst segelt heute nicht mehr so viel. Nach mehr als 30 Jahren Hochseesegeln habe er „eigentlich alles ausgekostet“ – inklusive einer Grundberührung und zwei Wassereinbrüchen. „Da rief der Navigator plötzlich: ,Horst, die Bodenbretter schwimmen!’ Aber wenn nichts passiert, ist das ja auch wie eine Suppe ohne Salz.“ Den schönsten Törn habe er bei einer WSC-Charter mit viel Schiebewind, schönen Häfen und tollem Essen erlebt – „in der Ägäis, da ist das Wetter besser für uns alte Knochen“, erinnert sich Mundt. Als Ausbildungsleiter beim WSV denkt er aber noch nicht ans Aufhören. „Es macht mir immer noch Spaß.“

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