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Isernhagen Nach getaner Arbeit: Allez les boules!
Umland Isernhagen Nach getaner Arbeit: Allez les boules!
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17:22 22.07.2018
„Allez les boules!“: Platztaufe nach getaner Arbeit. Quelle: Martin Lauber
Neuwarmbüchen

Das Mikroklima ist südfranzösisch. 30 Grad, kein Windchen kühlt den Schweiß. Und der rinnt reichlich. 14 Tonnen Brechsand hat der Radlader, eingehüllt in eine dichte Staubwolke, abgeladen. Die wollen jetzt von Hand eingeebnet und gewalzt werden. „Da ist noch ein Buckel in der Mitte“, ruft Peter Trott einem Kameraden zu. Alle hier tragen das weinrote Polo-Shirt der Boulesparte des FC Neuwarmbüchen, auf jedem steht der Vorname. „Weil man die Namen in unserem Alter immer vergisst“, erklärt Spartenleiter Norbert Wolff bierernst – bevor er losgrinst. Die Stimmung könnte besser kaum sein.

Es war schweißtreibend, aber dieser „Sommerreinsatz“ hat auch jede Menge Spaß gemacht: Neuwarmbüchens Freunde des Boule-Sports haben in Eigenarbeit vier Bahnen in Ordnung gebracht.

Und das ist ja auch kein Wunder: Denn die FCN-Boulesparte gehört zu den Glücklichen, die den Zuschlag erhalten haben für bei der Aktion „Sommereinsatz“, mit der die HAZ und die STIFTUNG Sparda-Bank ermöglichen wollen, was sonst ohne eine kleine Finanzspritze nicht möglich wäre. In Neuwarmbüchen geht es darum, vier der insgesamt 12 Boulebahnen wieder tauglich zu machen für den Oberliga- und Turnierbetrieb. Und weil trotz der Hitze fast alle der 30 Boule-Aktivisten mit anpacken, reichen die 1500 Euro von der Sparda-Bank für die Verjüngungskur aus.

Nach getaner Arbeit reihen sich die Mithelfer am Rand einer der erneuerten Bahnen auf. „Allez les boules!“, ruft Margot Trott, die die erfolgreiche „Sommereinsatz“-Bewerbung geschrieben hatte. Zum Schlachtruf-Echo aus mehr als 20 Kehlen spritzt Sekt auf den staubigen Belag. Der muss natürlich trotzdem noch gewässert werden und dann ein paar Wochen aushärten, bevor „Leger“ und „Schießer“ die Zielkugel Cochonnet wieder anpeilen dürfen mit ihren 650 bis 800 Gramm schweren Metallkugeln.

Die Aktion

Graffiti auf Denkmälern, abgeplatzte Fassaden von Vereinsheimen, Schmuddelecken: Die HAZ und die STIFTUNG Sparda-Bank Hannover haben sich erneut zusammengetan, um in diesem Sommer Stadt und Umland herauszuputzen. Gemeinnützige Vereine konnten sich für einen „Sommereinsatz“ bewerben. Ob Maler- oder Gartenarbeiten, andere kleine handwerkliche Eingriffe, die manchmal so viel ausmachen, oder eben vier renovierungsbedürftige Boule-Bahnen. Das Geld für die Ein-Tages-Aktionen stellt die STIFTUNG Sparda-Bank Hannover zur Verfügung. Die HAZ ruft zu der Aktion auf und kümmert sich um Mitstreiter oder passende Handwerker für die Umsetzung. Ziel ist es, den Ort, den Verein oder einfach die Nachbarschaft ein wenig schöner, gemütlicher und netter zu machen. Insgesamt unterstützt die STIFTUNG Sparda-Bank 15 Einsätze mit jeweils 1500 Euro.

Dienstags und sonntags ab 16 Uhr (im Winter ab 15 Uhr) stehen die Bahnen allen FCN-Mitgliedern offen. Mittwochs und freitags trainieren zu den gleichen Zeiten die Mannschaften (auch dann wird niemand, der spielen möchte, weggeschickt). Erstmals haben die Spieler mit Klaus Kirchhof aus Hannover einen professionellen Trainer engagiert. Nicht aus Ehrgeiz, wie Norbert Wolff unterstreicht, sondern: „Wir wollen uns nur verbessern.“ Ein bisschen erhofft er sich davon auch, ambitionierte Jüngere für den französischen Nationalsport begeistern zu können.

Wolff selbst hatte sich vor rund zehn Jahren in einem Frankreich-Urlaub mit dem Boule-Fieber angesteckt („Da hatte ich nur Supermarkt-Kugeln“). Wieder daheim, setzte er die Gründung der Sparte mit zunächst 10 weiteren Frankophilen ins Werk. Mittlerweile gibt es beim FCN 30 Mitspieler im Alter zwischen 56 und 81 Jahren, die auch aus Bothfeld und Burgwedel, Uetze und der Wedemark. Manch einer spielt seit Jahrzehnten und macht – wie der 75-jährige Ingo Büsching –perfekte Figur, wenn er die in der eingedrehten Hand ruhende Boule mit lässigem Schwung aus dem Gelenk Richtung Cochonnet schleudert. Très élégant!

Wie finden Sie die Aktion der HAZ und der Stiftung Sparda-Bank?

Eckart Münnekhoff Quelle: Martin Lauber

Eckart Münnekhoff (64): Das Gemeinschaftliche der Aktion macht Spaß. Wenn ein Arbeitsdienst ansteht, kriegt man immer die notwendigen Leute problemlos zusammen. Darauf kann man sich in unserer Boule-Sparte immer verlassen.

Uschi Krüger Quelle: Martin Lauber

Uschi Krüger: Super! Denn es ist es sehr schwierig für uns, an so viel Geld zu kommen. Außerdem stärkt die gemeinsame Arbeit die Zusammengehörigkeit noch ein bisschen mehr. Viele, die bei uns mitspielen, lieben die Gemeinschaft.

Margot Trott Quelle: Martin Lauber

Margot Trott (68): Die Aktion ist für Vereine, wie wir einer sind, großartig. Weil wir spontan bei unseren Anliegen, die wir reichlich haben, unterstützt werden. Und es ging alles sehr unbürokratisch und auch sehr schnell.

Von Martin Lauber

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