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Isernhagen So sieht der Alltag als Rettungsschwimmer aus
Umland Isernhagen So sieht der Alltag als Rettungsschwimmer aus
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00:16 24.07.2018
Vom Wachturm hat Stefanie Rezler den besten Überblick. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Eigentlich ist Martin Wantosch mit Freude dabei. Der Elektromeister ist an diesem Wochenende so eine Art Chefbademeister am Altwarmbücher See. „Was mich aber ärgert, sind die Leute, die hier Grillen“, berichtet der 50-jährige von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Denn Grillen ist am Altwarmbüchener See „grundsätzlich verboten“, wie Wantosch sagt. „Aber nicht jeder hält sich daran“, erzählt er. „Und wir können das nicht verhindern, weil wir keine Befugnis dazu haben.“

Am Dienstag wäre ein siebenjähriger Junge im Silbersee fast ertrunken. Am Altwarmbüchener See ist die Lage für die Rettungsschwimmer dagegen entspannt. Kritische Situationen gab es dort bisher nicht.

Überall am Strand und auf den umliegenden Rasenflächen stehen Rauchsäulen, sonst ist es an diesem Sonnabend eher ruhig an dem See, der auch Hannovers Riviera genannt wird, weil er so beliebt ist. „Wenn die Leute am Morgen sehen, dass der Himmel bedeckt ist, nehmen sie sich etwas anderes vor“, berichtet Wantosch. Trotzdem ist die DLRG-Rettungsstation besetzt. Die Frauen und Männer sind zu Fuß am Strand unterwegs und patrouillieren mit ihrem Motorschlauchboot.

Einige Schwimmer überschätzen sich

„Aufpassen muss man bei den Leuten, die ans andere Ufer schwimmen wollen“, sagt DLRG-Rettungsschwimmerin Stefanie Rezler, die mit anderen Freiwilligen jedes Wochenende im Sommer am See Dienst macht. Denn einige würden sich überschätzen. „Da schauen wir genau hin“, berichtet die 27-jährige Rettungsschwimmerin. Und wenn dann jemand plötzlich von der Wasseroberfläche verschwindet, gebe es gleich den großen Alarm, sagt Wantosch. Dann werde die Feuerwehr Hannover alarmiert und von der DLRG kämen weitere Freiwillige hinzu, darunter auch Taucher. „Da zählt dann jede Minute“, sagt er.

Aber manchmal ist die Suche unnötig: „Vor ein paar Jahren hatten wir mal nach einem Schwimmer gesucht, der auf dem Weg ans andere Ufer war“, berichtet der Rettungsschwimmer. „Der kam dann zu Fuß vom anderen Ufer zurück.“

„Manchmal verstehe ich die Eltern nicht“

Erst am Donnerstag war ein Fünjähriger in einem Bremer Freibad ertrunken. Zwei Tage vorher hatten Passanten im Silbersee den Körper eines sieben Jahre alten Jungen entdeckt. Der Junge hatte in einem Bereich gespielt, in dem es keine Badeaufsicht gibt. Die DLRG hatte anschließend Eltern zu mehr Aufmerksamkeit ermahnt. Er konnte wiederbelebt werden, befindet sich aber noch immer im kritischen Zustand. „Manchmal verstehe ich die Eltern nicht“, sagt Wantosch.

So erkennen die Bademeister Ertrinkende

Es gibt zwei unterschiedliche Arten, wie Menschen sich verhalten, bevor sie untergehen, berichtet Rettungsschwimmer Martin Wantosch. Die einen schreien, zappeln, winken mit einem arm, tauchen unter, kommen wieder hoch und versuchen, sich bemerkbar zu machen. „Da gibt es meist keine Probleme, diese Menschen zu retten.“ Wesentlich kritischer sei die Leute, die einfach an der Wasseroberfläche verschwinden. Zum Teil seien das Leute mit Vorerkrankungen, wie zum Beispiel Kreislaufproblemen. Und alkoholisierte Schwimmer. Besonders tragisch sei, dass auch Kinder meist ganz plötzlich und leise untergingen.

„Wenn hier kleine Kinder allein ins tiefere Wasser gehen, fragen wir nach den Eltern“, sagt der Chefbademeister des Altwarmbüchener Sees. Schließlich könnten die Rettungsschwimmer nicht alle Badegäste im Auge behalten, erst recht wenn es voll ist.

„Mit einer Badeaufsicht fühle ich mich einfach besser“, sagt Stephanie Zinke, die mit ihren beiden Freundinnen am Strand des Altwarmbüchener Sees liegt. Nicht nur, weil sie in den vergangenen Tagen viel von Badeunglücken von Kindern gehört habe.“Es ist gut zu wissen, dass jemand da ist“, meint sie. Zwar sei sie eine sichere Schwimmerin. „Trotzdem kann man nicht vorhersehen, was passieren kann“, betont die 28-jährige Hannoveranerin.

Viele Schnittwunden durch Glasscherben

Trotz des langanhaltenden Sommerwetters in diesem Jahr hat es bislang am Altwarmbüchener See noch keine kritischen Situationen gegeben, berichtet Wantosch. „Am häufigsten beschäftigen wir uns mit Schnittwunden in den Füßen“, erläutert er. Denn in dem Sand steckten zahlreiche Glasscherben, weil einige Badegäste ihre Bierflaschen dort liegen ließen. „Deshalb wäre es schön, wenn die Stadt den Strand besser pflegen würde“, sagt der Chefbademeister.

Aber große Hoffnung, dass der Sand von Scherben befreit wird, hat er nicht. „Wir können da genauso wenig tun, wie beim Grillen“, berichtet er. Und die Parkranger oder Mitarbeiter des städtischen Ordnungsdienstes seien in seiner Anwesenheit noch nie am Altwarmbüchener See aufgetaucht.

Auch wenn es manchmal frustrierend ist, die Rettungsschwimmer sind gern am Altwarmbüchener See im Einsatz. „Jeder hat ein Hobby, das ist eben unsere Freizeitbeschäftigung“, sagt der Rettungsschwimmer.

Von Mathias Klein

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