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Laatzen In der Arche gibt’s seit fast 30 Jahren Fairtrade-Waren
Umland Laatzen In der Arche gibt’s seit fast 30 Jahren Fairtrade-Waren
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00:17 07.10.2018
Die handgeknüpften Kokos-Fußmatten sieht Gerburg Brückner als klassisches Beispiel für gelungenen fairen Handel. Quelle: Carolin Müller
Laatzen-Mitte

Laatzen ist vor kurzem als Fairtrade-Stadt ausgezeichnet worden. Neu ist der Gedanke des fairen Handels in Laatzen freilich nicht – bei der Thomasgemeinde wird er bereits seit fast 30 Jahren verfolgt. Von Anfang an mit dabei war Gerburg Brückner.

Die Initiative stammte damals, im Jahr 1989, von Pastor Dieter Kulks. Unterstützt von Gerburg Brückner, richtet Kulks einen Laden mit fair gehandelten Produkten im Gemeindezentrum Arche ein. Das Sortiment begrenzte sich seinerzeit noch auf Lebens- und Genussmittel wie Kaffee und Tee. Knapp 30 Jahre später finden Kunden im Eine-Welt-Projekt, wie die Initiative heute heißt, vor allem Kunsthandwerk, Keramik und Postkarten. „Heute setzen wir nicht mehr so viele Lebensmittel um wie zu Beginn. Einzig Schokolade, Tee und Kichererbsen werden noch oft verkauft“, sagt Brückner.

Der absolute Kassenschlager seien seit Langem die handgeknüpften Kokos-Fußmatten aus Sri Lanka, die es in verschiedenen Farben und Motiven gibt. „Die Matten sind ein klassisches Beispiel für gelungenen fairen Handel“, erzählt die gebürtige Thüringerin, die 1981 in die Bundesrepublik kam und in Rethen lebt. Von einer Matte, die sie für 20 Euro verkauft, gingen 5,70 Euro direkt an die Frauen, die sie geknüpft haben. Den Rest deckten andere Kosten wie Zollgebühren und Transport ab. Die Matten erhält Brückner von Elfi Fuchs-Gärtner aus Sailauf in Bayern, die vor 30 Jahren bei einem Praktikum in Sri Lanka den Handel mit den Frauen initiierte und bis heute in direktem Kontakt steht und die Ware bezieht. „Die Arbeiterinnen in Sri Lanka erhalten ein angemessenes Gehalt, sind krankenversichert und haben faire Arbeitszeiten“, sagt Brückner. Außerdem wüssten die Frauen sicher, dass sie auch morgen noch Geld verdienen.

„Wir wollen keine Almosen verteilen, sondern möchten, dass die Leute in Würde für ihre Arbeit bezahlt werden“, erklärt Brückner den Grundgedanken des fairen Handels. „Manche Menschen haben eine ganz andere Vorstellung von dem, was man für die Arbeit bekommt. Der Gedanke des Almosens ist noch immer sehr stark verbreitet.“ Ziel sei es, den Menschen möglichst viel Umsatz zu ermöglichen – Gewinn mache das Eine-Welt-Projekt dabei nicht, betont sie.

War Brückner, die den Laden einige Jahre nach der Eröffnung übernahm, früher noch direkt in den Geschäften von Fair-Trade-Partnern, um Ware anzusehen und zu kaufen, so werden die Produkte heute fast ausschließlich im Katalog bestellt, beispielsweise bei Gepa oder El Puente: Denn es gebe inzwischen kaum noch Direktkauf-Möglichkeiten. „Einzig bei Mundo Lindo in Sarstedt, wo es Textilien und Kleinmöbel gibt, schauen wir uns die Produkte vor Ort an und kaufen auf Kommission“, sagt die studierte Geophysikerin.

„Am Anfang bin ich auch noch vollgepackt mit dem Rad oder der Straßenbahn zu Weihnachtsmärkten gefahren und habe dort Ware verkauft“, berichtet sie lachend weiter. „Aber das hat sich nicht rentiert. Heute haben wir nur noch einen Stand beim Kaleidoskop und beim Basar in der Freien Martinsschule.“ Ansonsten habe der Laden nach wie vor jeden Sonntag nach dem Gottesdienst in der Arche an der Marktstraße geöffnet.

„Mein Herz hängt sehr an diesem Projekt, deswegen bin ich schon so lange dabei“, erklärt die 75-Jährige. Seit zwei Jahren hat sie Unterstützung von Marion Rosewitz. „Es ist ein Segen, dass Marion da ist“, schwärmt sie. Der Laden habe durch sie viel neuen Schwung bekommen, der Umsatz sei um 20 Prozent gestiegen.

Den wesentlichen Teil ihrer Zeit verbringt Brückner seit 2016 mit Sprachunterstützung für Asylbewerber. Ehrenamtlich gibt sie Deutschstunden sowohl bei der Volkshochschule als auch bei der St.-Oliver-Gemeinde. Zudem hat sie die Hausaufgabenbetreuung eines Flüchtlingskindes übernommen. „Und in meiner Freizeit mache ich gerne Handarbeiten, gehe mehrfach die Woche zum Sport und zum Tanzen und koche Marmelade“, erzählt die Rentnerin und fügt lächelnd hinzu: „Ich bin sehr zufrieden und glücklich, ein in sich ruhender Mensch.“

Gemeinde würdigt langjähriges Engagement

Für ihr langjähriges Engagement im Eine-Welt-Projekt wurde Gerburg Brückner beim diesjährigen Erntedankgottesdienst der Thomasgemeinde mit einer Ehrung überrascht. Der Gottesdienst stand, passend zum Fair-Trade-Laden, unter dem Motto „Gedanken zu fairem Handel und fairem Konsum“.Mitarbeiterin Marion Rosewitz verwies darauf, dass Brückner im Einsatz für den fairen Handel ihre Berufung gefunden hat und hierin ihr Lebenswerk sieht. Im Anschluss wurde ihr eine Urkunde, ein bepflanzter Korb sowie ein Gutschein für den Markt der Völker in Hamburg überreicht, auf dem fair gehandeltes Kunsthandwerk von internationalen Ausstellern gezeigt wird. cm

Von Carolin Müller

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