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Laatzen Bauboom hält an – und reicht nicht aus
Umland Laatzen Bauboom hält an – und reicht nicht aus
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00:19 12.01.2019
Die Bauarbeiten auf dem ehemaligen Rentenversicherungsgelände kommen voran: Die ersten Häuser sind bezogen, insgesamt sollen 220 Wohneinheiten entstehen. Quelle: Dorndorf
Laatzen

 Die Bauarbeiten in Laatzens größtem Baugebiet kommen voran: Die ersten Wohngebäude auf dem ehemaligen Grundstück der Rentenversicherung am Rethener Winkel sind bereits bezogen, die Reihenhäuser nebenan nahezu fertig, parallel haben die Arbeiten an Fundamenten und unteren Geschossen der nächsten Gebäude begonnen. Insgesamt 228 Wohneinheiten sollen hier einmal entstehen.

Die Entwicklung ist derzeit beispielhaft für Laatzen: Seit 2015 wird im Stadtgebiet so viel gebaut wie seit den Neunzigerjahren nicht. Lag die Zahl der Wohnungen, die neu errichtet oder umgebaut wurden, zwischen 2005 und 2014 jeweils zwischen 38 und 105, stieg sie 2015 auf 191, im Jahr 2017 sogar auf 221 an. Die bereits erteilten Baugenehmigungen, seit 2014 ebenfalls auf hohem Niveau, legen nahe, dass der Trend vorerst anhalten dürfte. Laut Bürgermeister Jürgen Köhner würden aktuell 700 Wohnungen in Laatzen gebaut oder seien in einer „konkreten Planungsphase“.

Der zusätzliche Wohnraum sollte eigentlich für Entspannung auf dem Wohnungsmarkt sorgen. Und doch ist die Wohnungssuche in Laatzen anhaltend schwierig: Die Leerstandsquote war nach Angaben der Wohnungsbauunternehmen zuletzt gering, problematisch ist vor allem die Suche nach bezahlbaren Wohnungen. So weist der jüngste Mietspiegel bei neueren Wohnungen einen Zuwachs von bis zu 22,4 Prozent aus.

Parallel sinkt die Zahl der Sozialwohnungen seit Jahren. Aktuell sind nach Angaben der Stadt für 583 Wohnungen Belegungsrechte vergeben. Seit 2009 sind 94 Wohnungen aus der Bindung herausgefallen – Tendenz steigend. Dies hat auch die KSG Hannover für sich festgestellt: Laut dem jüngsten Geschäftsbericht würden innerhalb der nächsten zehn Jahre 900 der 1100 Sozialwohnungen im Eigenbestand aus der Bindung herausfallen. Im Juni 2017 stellte auch die Stadtverwaltung fest, dass es dringenden Nachholbedarf gebe: „Ausgehend von der Armutsgefährdungsquote, die in Laatzen derzeit bei einem Anteil von rund 14 Prozent der Gesamtbevölkerung liegt, wird erschwinglicher Wohnraum für circa 6000 Personen benötigt“, hieß es auf eine Anfrage der GFW.

Politik streitet über Lösungen

In der Laatzener Politik wird die Entwicklung mit Sorge betrachtet, über den Weg sind sich die rot-rot-grüne Mehrheitsgruppe und die CDU/FDP-Opposition jedoch komplett uneinig. Für Michael Riedel (SPD) etwa ist mit der Privatwirtschaft kaum zu rechnen: „Finanzinvestoren haben nur ein Ziel. Jede rechtlich mögliche Mieterhöhung wird weitergegeben.“ Die Gruppe hatte deshalb im Dezember die Gründung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft durchgesetzt. CDU und FDP setzen hingegen darauf, Hinterliegergrundstücke zu bebauen und Vermieter dazu zu bewegen, bestehende Wohnungen in Sozialwohnungen umzuwandeln.

Tatsächlich hat die Region Hannover ein entsprechendes Förderprogramm aufgelegt: Vermieter erhalten monatlich 1,50 Euro pro Quadratmeter, wenn sie für mindestens fünf Jahre zur Einräumung von Belegungsrechten verpflichten. Der Erfolg ist allerdings mehr als bescheiden. In Laatzen wurde bislang lediglich eine einzige Wohnung umgewandelt – nämlich im vergangenen Jahr. Regionsweit waren es drei Wohnungen im Jahr 2017 und neun im Folgejahr.

Etwas besser sieht es bei Neubauten aus: Mit 39 geplanten Sozialwohnungen in der Senefelderstraße in Laatzen-Mitte und weiteren 15 Alt-Laatzener Kreuzweg gibt es gleich zwei Projekte, die in nächster Zeit realisiert werden sollen. Hinzu kämen zwölf Wohnungen, die von der vom Rat beschlossenen neuen Wohnungsbaugesellschaft errichtet worden sollen.

Köhne verweist auf Bebauungspläne

Bürgermeister Köhne hätte deren Gründung angesichts des Aufwands und der aktuell hohen Baukosten hingegen lieber verschoben. Er verweist stattdessen auf die Möglichkeit, mit sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplänen Einfluss zu nehmen, so wie es auch im Fall der Senefelderstraße umgesetzt wurde. Ende 2017 legte der Rat eine Sozialwohnungs-Quote von 25 Prozent fest. Außerdem kündigte Köhne an, die Regionsförderung für neue Belegungsrechte im Bestand stärker zu bewerben und Kontakt mit den Immobilienunternehmen aufzunehmen.

Trotz der vielen Baustellen: Die aktuelle Bautätigkeit ist mit früheren Zeiten in Laatzen nicht zu vergleichen. Angespannt war der Wohnungsmarkt in der Region schon einmal vor 25 Jahren – damals sorgten Flüchtlinge insbesondere aus Ex-Jugoslawien, die Folgen der Deutschen Einheit und der Zuzug von Aussiedlern für Engpässe. Von 1995 bis 1999 entstanden in Laatzen durchschnittlich 350 Wohnungen pro Jahr – Werte, die heute bei Weitem nicht mehr erreicht werden.

Region vergibt Prämien für Sozialwohnungen im Bestand

Die Zahl der Sozialwohnungen sinkt, weil sogenannte Belegungsrechte auslaufen: Öffentlich geförderte Sozialwohnungen unterliegen in der Regel nur einer Miet- und Belegungsbindung von 20 Jahren. Für diese Zeit verpflichten sich Vermieter, Wohnungen an Menschen mit Berechtigungsschein zu einem vereinbarten Preis zu vermieten.

Um dem Trend entgegen zu wirken, hat die Region Hannover ein Programm aufgelegt, das Anreize für eine Schaffung solcher Belegungsrechte im Bestand schaffen sollen. Vermieter erhalten dafür monatlich 1,50 Euro pro Quadratmeter. Die Bindung beträgt zwischen fünf und 30 Jahren. Zusätzlich überweist die Region bis zu 5000 Euro für Umbauten in Wohnungen – etwa für Abbau von Barrieren, eine neue Elektrik, Badsanierung oder Fenstererneuerung. Seit 2018 können soziale Träger als Zwischenmieter einspringen, die Wohnung wird dann untervermietet.

Neu gebaute Sozialwohnungen bezuschusst die Region mit 450 bis 572 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, bei Modernisierungen sind es 330 Euro. Die Belegungs- und Mietbindung wird dabei auf 20 Jahre festgelegt, die Fördermiete auf 5,60 Euro pro Quadratmeter. Informationen zu Belegrechten im Bestand erteilt Dunja Lüke, Telefon (0511) 616-23122, zu Neubauten und Modernisierungen Svenja Höke, (0511) 616-23643.

Von Johannes Dorndorf

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