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Laatzen Ausstellung erinnert an Bombennacht von 1943
Umland Laatzen Ausstellung erinnert an Bombennacht von 1943
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00:20 17.09.2018
An der Ausstellung und der Gedenkfeier beteiligen sich die Stiftung Grasdorf an der Leine, die AES und die St.-Marien-Gemeinde. Mit dabei sind Walter Battermann (von links) Jürgen Boldt, Wilhelm Paetzmann, Burkhard Straeck und Helmut Flohr. Quelle: Dorndorf
Grasdorf

Es war eine Nacht des Schreckens: Vor 75 Jahren, am 22. September 1943, steuerten alliierte Bomber Hannover an, um beim Luftangriff ihre Spreng- und Brandbomben abzuwerfen. Die Verbände warfen einen Teil ihrer Fracht jedoch zu früh ab: Statt die Großstadt im Norden traf ein großer Teil der Bomben die Dörfer im Süden, darunter auch Grasdorf und Laatzen. 80 Prozent der Häuser, so schätzt es der Grasdorfer Historiker Helmut Flohr, wurden in jener verhängnisvollen Nacht in seinem Heimatort zerstört.

Fotos und Beschreibungen der Katastrophe hat Flohr gemeinsam mit Mitstreitern der Stiftung Grasdorf an der Leine in einer Ausstellung zusammengestellt, die ab Sonnabend in der St.-Marien-Kirche in Grasdorf zu sehen sein wird. Die Schau zeigt unter anderem eine Karte von Grasdorf, die sowohl die Bombeneinschläge, also auch die zerstörten Häuser festhält. Schon auf den ersten Blick wird deutlich: Nahezu alle Gebäude wurden damals ein Raub der Flammen oder der Einschläge. Auf Fotos dokumentiert sind die zahlreichen Ruinen, die das Straßenbild nach der Bombennacht prägten, aber auch die Zerstörung und der Wiederaufbau der St.-Marien-Kirche.

Vor 75 Jahren wurde Grasdorf zerstört. Eine Ausstellung in der St.-Marien-Kirche erinnert an die Schrecken der Bombennacht im September 1943. Für Sonnabend, 22. September, ist eine Gedenkfeier geplant.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Zeitzeugenberichte, die einer besonderen Eingebung zu verdanken sind: Der frühere Grasdorfer Lehrer Martin Burose hielt seine Schüler in den Jahren 1948 und 1953 – offenbar jeweils anlässlich der Jahrestage – an, ihre Erinnerungen an die Bombennacht niederzuschreiben. Die Berichte sind noch heute ergreifend: „Unsere ganze Umgebung brannte. der Kirchturm ragte glühend empor. Die Erde bebte. Es war, als wenn die kleinen Teufel hin und her sprangen. Noch immer brannten die Häuser ab. Es war heiß wie in der Hölle“, berichtete etwa die damals 13-jährige Waltraut Striecks. Die Angst jener Nacht klingt auch aus den Zeilen der damaligen Viertklässlerin Inge Adomeit heraus: „Es dröhnte und erschütterte in unserem Bunker. Wir dachten, wir müssten im nächsten Moment sterben. Die Kinder weinten und die Frauen bebten und alle sahen sehr angegriffen aus. Als der Angriff vorbei war, sahen wir brennende, zerstörte und verwüstete Häuser. So etwas möchte ich nie wieder erleben.“

Ergänzt wird die Ausstellung, die sechs Stelltafeln umfasst, um eine Gedenkstunde am Jahrestag der Bombennacht: Am Sonnabend, 22. September, laden die St.-Marien-Kirchengemeinde und die Stiftung Grasdorf an der Leine für 18 Uhr gemeinsam in die Kirche ein. Geplant sind eine Andacht mit Pastor Burkhard Straeck, Musik mit Dietmar Lex und das Verlesen von Zeitzeugenberichten: Schüler des Seminarfachs „Erinnern statt Vergessen“ an der Albert-Einstein-Schule werden dann aus den damaligen Schüleraufsätzen vortragen.

„Wir werden nicht nur einen Blick zurückwerfen, die Veranstaltung soll auch mahnenden Charakter haben“, betont Straeck: So seien die Ausstellung und die Gedenkfeier gerade durch den Beitrag der Schüler als Appell an die nächsten Generationen zu verstehen, künftige Kriege zu vermeiden. Für AES-Lehrer Wilhelm Paetzmann sind die historischen Schülerberichte eine Seltenheit. „Ich habe noch nie gehört, dass Lehrer dies andernorts aufgegeben hätten.“ Diese besondere Form der Erinnerung sei ein guter Anknüpfungspunkt für heutige Kinder und Jugendliche.

In Grasdorf starben in jener Bombennacht 16 Grasdorfer, weitere 13 wurden teils schwer verletzt. Ein Teil von ihnen sind auf dem Friedhof an der Ahornstraße auf einem eigenen Gräberfeld bestattet. Anlässlich des bevorstehenden Jahrestags hat der Grasdorfer Erich Gollnik die Gräber vor kurzem gereinigt.

Die Ausstellung wird auch beim Grasdorfer Brunnenfest am Sonnabend, 15. September, von 16 bis 20 Uhr zu sehen sein. Gezeigt wird sie bis einschließlich Mittwoch, 26. September, täglich von 10 bis 18 Uhr in der St.-Marien-Kirche.

Von Johannes Dorndorf

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