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Laatzen Rückt Laatzens SPD nach links, Herr Zietz?
Umland Laatzen Rückt Laatzens SPD nach links, Herr Zietz?
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19:25 11.01.2019
Der neue Ortsvereinsvorsitzende der SPD Harald Zietz Quelle: Johannes Dorndorf
Laatzen

Die Mitglieder des SPD-Ortsvereins Laatzen haben Harald Zietz in dieser Woche mit großer Mehrheit zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Der bis 2005 aktive Rats- und Ortsratsherr steht sowohl für politische Erfahrung wie auch für einen Neuanfang innerhalb der in den letzten Jahren von internen Streitigkeiten gezeichneten Partei. Welche Visionen hat der beruflich in Europa weit herum gekommene, einstige Vertriebsleiter für die Sozialdemokratie in Laatzen? Wie links will die Laatzener SPD künftig sein – und welche Themen stehen dabei im Vordergrund? Mit dem 66-jährigen politischen Wiedereinsteiger sprachen unsere Redakteure Johannes Dorndorf und Astrid Köhler.

HAZ/NP: Anders als ihre Amtsvorgängerin Luisa Oyen, die 2017 bei einer stimmungsgeladenen Versammlung einen zweiten Wahlgang für die einfache Mehrheit benötigte, sind Sie am Mittwoch im ersten Durchgang von 80,4 Prozent der 56 Stimmberechtigten gewählt worden. Sind Sie zufrieden oder hätten Sie sich noch mehr erhofft?

Es gab keine volle Stimmenzahl, und das ist auch gut so. Ein offenes, realistisches Ergebnis ist besser, schließlich kann man es nicht allen recht machen und gewisse Fronten hat es immer gegeben.

Sie haben angekündigt, den Ortsverein erneuern und Ruhe hineinzubringen zu wollen. Wie?

Indem wir uns wieder viel stärker auf unsere politische Arbeit konzentrieren. Was bis zu meinem Antritt als SPD-Abteilungsvorsitzender 2016 passiert ist, habe ich wenn überhaupt nur aus der Entfernung mitbekommen oder gelesen. Es nutzt nichts, sich gegenseitig zu bekämpfen – was gewesen ist, ist gewesen. Wir müssen nach vorn blicken und ausdrücklich jeder, der in der SPD aktiv mitwirken will, ist willkommen.

Als Sie 1983 in die SPD eingetreten sind, war in Laatzen noch Stadtdirektor Erich Panitz aktiv. Wie hat sich Politik ihrer Meinung nach über die Jahrzehnte verändert?

Es wird viel mehr kritisch hinterfragt. Und es ist schwieriger, ein Ehrenamt auszuüben.

Warum ist das so?

Die Zeiten haben sich geändert. Das Internet ist hinzugekommen und beeinflusst die Diskussion. Fake-News gab es früher so nicht. Inzwischen werden mehr Fragen gestellt und alles ist extremer geworden: Wer politisch gestaltet, wird stärker hochgejubelt oder auch niedergemacht.

Wie soll sich die SPD in Laatzen unter ihrer Leitung verändern?

Wir müssen offener und transparenter werden, uns stärker positionieren, unsere Vorstellungen, Ziele und Anträge besser kommunizieren – auch auf unserer Internetseite. Und wir müssen viel mehr mit den Bürgern ins Gespräch kommen. Die paar Wochen Wahlkampf reichen nicht aus. Wir müssen das ganze Jahr präsent sein.

Gibt es konkrete Ideen?

Was mir vorschwebt, sind drei bis vier offene Diskussionsveranstaltungen mit Referenten, etwa zum Thema Zukunft der Rente. Auch sonst müssen wir raus, Infostände aufbauen und mit den Bürgern sprechen: Warum wird die AfD gewählt? Und warum liegt die SPD im Bund bei 16 Prozent?

Anders als auf Bundesebene hat die SPD im Laatzener Rat seit Jahren stabile Mehrheiten. Trotzdem wird nicht mehr so viel gestaltet – auch wegen kleinerer finanzieller Spielräume. Gibt es heute eine Schere in den Köpfen?

Das nicht, aber der Rahmen ist anders geworden. Wir müssen mit der Fraktion sprechen über die Themen von heute.

Was sind denn die Themen von heute – in Laatzen?

Trotz der finanziellen Schwierigkeiten brauchen wir eine kommunale Wohnungsbaupolitik. Das wird nicht einfach, aber es geht nicht anders. Immer mehr Sozialwohnungen fallen aus der Bindung heraus. Luxuswohnungen haben wir genug. Was fehlt, sind bezahlbare Wohnungen, zumal es immer mehr ältere Menschen gibt. Barrierefreiheit und Kinderarmut sind ebenfalls wichtige Themen.

Die letzte Ratssitzung war ziemlich außergewöhnlich: SPD, Grüne und Linke haben neben der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft noch zwei weitere Themen – die Eigenreinigung in den Schulen und die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge – durchgesetzt, obwohl das die Stadt finanziell erheblich belastet. Will die Laatzener SPD ,linker’ werden?

Was wir wollen, sind klare Positionen. Seit einem Jahr wird bundesweit eine Erneuerung gefordert und die muss auch von unten kommen. In den letzten Jahren wurden zu starke Kompromisse geschlossen. Der Einheitsbrei ist ein Problem. Wir brauchen klare Linien und müssen uns stärker abgrenzen.

Linien gibt es auch innerhalb der SPD. Wo würden Sie sich verorten?

Eindeutig im linken Flügel. Ich stehe voll hinter Matthias Miersch (Vorsitzender der Parlamentarischen SPD-Linken im Bundestag, Anmerkung der Redaktion). Sozialpolitik, Umwelt und Pflege sind mir wichtig, auch wenn ich mein ganzes Leben in der Wirtschaft gearbeitet habe. Das muss aber kein Widerspruch sein.

Kurze Frage zum Abschluss: 2021 wird in Laatzen ein neuer Bürgermeister gewählt. Können Sie sich das Amt vorstellen?

Auf keinen Fall, ich bin zu alt. Aber das Thema Kandidatur wird uns natürlich in der nächste Zeit beschäftigen. Wir werden eine Findungskommission gründen, um die Voraussetzungen für einen geeigneten Kandidaten abzustimmen.

Herr Zietz, vielen Dank für das Gespräch.

Überzeugter Europäer mit Grenzerfahrungen

Er sei ein „überzeugter Europäer“, sagt Harald Zietz: „Ich finde es so toll, was wir in den letzten 50 Jahren erreicht haben. Dafür müssen wir kämpfen.“ Was Zäune und Grenzen bedeuten, hat der heute 66-Jährige schon früh erfahren. Der gebürtige Herzberger wuchs im Südharz auf – „nur 1,5 Kilometer von der Zonenrandgrenze entfernt“.

Nach seiner Ausbildung zum Starkstromelektriker studierte er Elektrotechnik und fing er in dem Kommunikationsunternehmen Kabelmetall an zu arbeiten, das zwischenzeitlich von Alcatel und später von Nokia übernommen wurde.

Seit seinem Eintritt in die SPD 1983 engagierte sich Zietz auch politisch. 1986 wurde er in den Laatzener Ortsrat gewählt, 1991 in den Rat der Stadt. Das Amt behielt er bis 2005 inne. Seine berufliche Tätigkeit im Vertrieb und später als dessen Leiter führte Zietz durch ganz Europa. Von 2005 an lebte er zudem mehrere Jahre lang in Griechenland, anschließend auch in Dubai.

Seitdem er Rentner sei, habe er wieder die nötige Zeit für Politik, sagt Zietz. 2016 kandidierte er für den Vorsitz der SPD-Abteilung Laatzen und wurde sofort einstimmig gewählt.

Zietz ist verheiratet und Vater einer erwachsenen, in England lebenden Tochter. Mit seiner Frau lebt Zietz „im Grenzgebiet“ zwischen Laatzen-Mitte und Grasdorf. akö

Von Astrid Köhler und Johannes Dorndorf

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