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Laatzen Stadtbücherei will Fläche mehr als verdreifachen
Umland Laatzen Stadtbücherei will Fläche mehr als verdreifachen
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00:15 08.03.2019
Im Gegensatz zu den jetzigen Räumen soll die Stadtbücherei im neuen Rathaus erheblich mehr Platz bekommen. Quelle: Dorndorf
Laatzen-Mitte

Zu klein, zu wenig Auswahl, relativ wenige Besucher: Laatzens Stadtbücherei ist im Vergleich zu anderen kommunalen Bibliotheken bislang unterdurchschnittlich ausgestattet. Die Einrichtung ist jedoch im Wandel. Seit Erstellung eines neuen Konzept vor drei Jahren sind die Besucher- und Ausleihzahlen wieder gestiegen – gegen den langfristigen bundesweiten Trend. Im Zuge des geplanten Rathausneubaus könnte die Einrichtung nun einen großen Sprung nach vorne machen. Ziele sind laut vorläufiger Plänen eine Vergrößerung der Fläche auf mehr als das Dreifache, eine höhere Aufenthaltsqualität sowie mehr und aktuellere Medien.

Vor den Politikern des Sozial- und Kulturausschusses hat Bibliotheksleiterin Susanne Thiel jetzt die Ideen für die künftige Stadtbücherei vorgestellt – und dabei aktuelle Trends skizziert. „Braucht man eigentlich im Zeitalter von Google noch Bibliotheken?“, gehöre zu den Ausgangsfragen – schließlich könne man Informationen heute im Internet finden. Tatsächlich gingen die Ausleihzahlen international zurück. Zugleich steige aber die Zahl der Besucher. „Die Leute lesen Zeitung, Schülergruppen treffen sich, um Referate zu erstellen, Flüchtlinge lernen mit Mentoren Deutsch und Eltern kommen mit ihren Kindern und lesen auf dem Sofa Geschichten vor“, sagt Thiel. „Die halten sich da auf, weil ihnen die Bücherei gut gefällt und es etwas anderes ist als Zuhause.“

Im Gegensatz zu den jetzigen Räumen soll die Stadtbücherei im neuen Rathaus erheblich mehr Platz bekommen. Quelle: Dorndorf

Die Bibliothek als „dritter Ort“

Moderne Bibliotheken würden daher als „dritter Ort“ neben dem eigenen Zuhause und der Arbeitsstelle oder Schule ausgestattet, ergänzte Thiel. „Die Bibliothek entwickelt sich von einer reinen Verleihstelle zu einem offenen Treffpunkt ohne Konsumzwang.“ Mögliches Vorbild für mehr Aufenthaltsqualität seien niederländische Bibliotheken, die heute mit Holzmöbeln im Vintage-Stil, Sesseln und Beistelltischen Wohnzimmerqualitäten hätten. Zu den Trends zählen auch Zonen für Computerspiele und elektronische Medien, sogenannte „Maker Spaces“ als erweiterte Lernbereiche und Räume, die auch außerhalb der Kernöffnungszeiten für Nutzer zugänglich sind („Open Library“).

Der Handlungsbedarf in Laatzen ist groß. Bislang gibt es in der Bücherei schon allein aus Platzmangel kaum solche besonderen Bereiche. Gerade einmal 480 Quadratmeter umfassen die Publikumsräume im ersten Stock des Rathauses. Die Beratungsstelle Südniedersachsen empfehle hingegen für Städte der Größe Laatzens eine Fläche von 2000 Quadratmetern, heißt es im Büchereikonzept der Stadt. Auch die Zahl der Medien liege mit 30.000 weit unter den empfohlenen 62.500. Im Raumprogramm für das künftige Laatzener Rathaus, das in den nächsten Jahren neu errichtet werden soll, schlägt die Verwaltung deshalb eine erhebliche Vergrößerung und Aufwertung des Angebots vor. Die wichtigsten Punkte:

Mehr Fläche: Die Publikumsfläche soll mehr als verdreifacht werden. Das Raumprogramm für die neue Stadtbücherei, dem der Sozial- und Kulturausschuss jetzt geschlossen zustimmte, sieht 1715 Quadratmeter vor. Einschließlich Veranstaltungsräumen sind es 1948 Quadratmeter. Ob dies realisierbar ist, ist laut Konzept allerdings von den räumlichen Rahmenbedingungen im neuen Rathaus abhängig. Zudem könnten Synergieeffekte genutzt werden. Die Bausumme schätzt die Stadt auf 8 Millionen Euro.

Mehr Medien: Als Zielzahl für den Medienbestand nennt der Entwurf 55.000 Bücher. Auf einen Teil der eigentlich empfohlenen Menge an Sachbüchern könne man angesichts der Nähe zu Hannover verzichten – auch, um mehr Bewegungsfläche für Kinder und Jugendliche sowie Raum für Sitzplätze zum lesen und Arbeiten zu schaffen. Wie viel Geld für Neuanschaffungen einzuplanen sind, steht noch fest. Der Kriterienkatalog „Bibliothek mit Qualität und Siegel“ empfiehlt 67.000 statt 27.500 Euro jährlich. Dafür wäre allerdings mehr Personal nötig – bis zu drei Stellen

Mehr Beratung: Geschaffen werden könnten Beratungsplätze für die Informationssuche, für den Umgang mit E-Medien und Hilfe bei Projekten.

Mehr Veranstaltungen: Mangels eines abgetrennten Raums findet das Bilderbuchkino derzeit im Lesebereich statt. Ziel ist deshalb die Schaffung eines Veranstaltungsraums – auch für Kurse zu Themen wie Recherchetraining. Nachmittags könnte der Raum mit Hilfe von Trennelementen zum Gruppen-Arbeitsraum werden.

Lese-Café: Ein Lese-Café böte mehr Aufenthaltsqualität. Dabei will die Stadt darauf achten, Angebote im Stadthaus nicht zu beeinträchtigen.

Längere Öffnungszeiten: Zusätzlich zu den normalen Öffnungszeiten wären erweiterte Zeiten etwa in den Abendstunden möglich. Die Leser kämen dann mit ihrem Leseausweis in abgetrennte Bereich der Bücherei.

Mehr Angebote für Jugendliche: Besonders ausbauen möchte die Stadtbücherei das Angebot für Kinder und Jugendliche. Ziel ist der Aufbau einer Jugendbibliothek.

Von den Neuerungen verspricht sich die Stadt auch mehr Leser. Schon nach der Umsetzung des 2016 erarbeiteten ersten Konzepts seien die Besucherzahlen gestiegen – mit einer Neuanmeldequote von 22 Prozent binnen zwei Jahren. „Ein attraktives neues Gebäude mit einem vergrößerten Angebot wird voraussichtlich weitere Bürger in die Bücherei locken“, glaubt man im Rathaus. Entsprechende Erfahrungen habe Garbsen nach der 2012 neu eröffneten Stadtbibliothek gemacht.

Mehr als Bücher: Wie sich Bibliotheken wandeln

Bibliotheken sind heute nicht mehr nur Orte der Buchausleihe, sondern auch des Lernens und der Begegnung. Vier Trends bezieht die Laatzener Stadtbücherei in ihre Überlegungen ein:

Gaming-Zonen: Vielerorts halten Computerspielzonen Einzug in Bibliotheken. Damit können Büchereien attraktiver für Kinder gemacht und Medienkompetenz gestärkt werden.

Maker Spaces: Ein Trend – etwa in den USA – sind Maker Spaces, in denen die Besucher etwa Nähmaschinen, 3-D-Drucker, Schneidplotter und Mini-Roboter nutzen können. „Bibliotheken sind ein Lernort, sie bieten alles, was schlau macht“, sagt Büchereileiterin Susanne Thiel.

Open Library: Verstärkt eingeführt würden andernorts auch offene Bibliotheken – Bereiche von Büchereien, die für die Nutzer auch außerhalb der Öffnungszeiten mit eigenen Zugangssystemen zugänglich sind. Bundesweit gebe es davon zurzeit sieben, eine davon in Hannover-List. In Dänemark gebe es in jeder zweiten Bücherei solche Selbstbedienungszeiten.

E-Medien: Schon jetzt bietet die Laatzener Bücherei E-Books an, wenngleich die Mitarbeiter dem Konzept eher skeptisch gegenüber stehen: „Kinder und Jugendliche sind überhaupt nicht an E-Books interessiert, auch Erwachsene nehmen lieber Bücher aus Papier mit“, berichtet Thiel. Zudem seien E-Book-Lizenzen teurer und oft weniger aktuell.

Von Johannes Dorndorf

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