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Laatzen Zwei Brücken erhalten „nicht ausreichend“
Umland Laatzen Zwei Brücken erhalten „nicht ausreichend“
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00:18 02.08.2018
Das Brückenbauwerk der B443 über die Bahntrasse hat die Note 3,0 erhalten ("nicht ausreichend"). Ob und wie bald sie saniert werden muss, wird derzeit geprüft. Quelle: Astrid Köhler
Laatzen

Eine wird schon saniert, bei anderen steht das erst in einigen Jahren an: Die Brücken in Niedersachsen und auch im Laatzener Bereich sind zum Teil in keinem guten Zustand. Das ergab kürzlich eine Recherche des NDR-Magazins "Hallo Niedersachsen".

Die Redakteure werteten dafür die Prüfungsergebnisse der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) von März 2018 aus. Demnach haben 156 Brücken die Note "nicht ausreichend" (3,0 bis 3,4) bekommen, weitere 13 sogar ein "ungenügend" (3,5 bis 4,0). Darunter sind zwei Bauwerke aus Rethen: die Brücke der Bundesstraße 443, die über die Bahntrasse und die Koldinger Straße führt sowie die B443-Brücke, die über die Autobahn A37 am Rande des Bockmerholz führt. Beide wurde mit 3,0 bewertet, was die BASt übersetzt mit: "In näherer Zeit muss eine Instandsetzungsmaßnahme geplant werden."

„Klingt dramatischer als es tatsächlich ist“

Das alles klinge aber dramatischer, als es tatsächlich ist, sagt Frank Kühn, Ingenieur bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV). Auf Basis der Berechnungsdaten des BASt, plant die NLStBV, welche Bauwerke vorrangig geprüft werden muss. Die mit 3,0 bewertet Rethener Hochstraße über die Bahnstrecke wird deshalb gerade vom NLStBV nachgerechnet, wie es fachsprachsprachlich heißt, und die Brücke über die A37 derzeit saniert. Solange die Sanierung noch laufe, ändere sich an der Zustandsnote nichts, so Kühn. Sie wird also hinterher zwangsläufig besser.

"Wir überprüfen regelmäßig drei Punkte: Standfestigkeit, Dauerhaftigkeit, Verkehrssicherheit", sagt Kühn. Nachrechnung heißt in dem Zusammenhang, dass die Ingenieure prüfen, wie lange die Brücke noch sicher genutzt werden kann. Hat sie etwa Risse, rostige Stellungen, hat sich irgendetwas gesetzt? Nachgerechnet werde aktuell auch die Zubringerbrücke von der Bundesstraße 6, die den Verkehr in nordwestlicher Richtung über die A 37 leitet. Sie hatte die Note 2,9 bekommen, also gerade noch ausreichend.

Brücken sind heute stärker beansprucht als vor 60 Jahren. Das liegt wesentlich am Güterverkehr. In den 1950er Jahren errechneten Brückenbauer mit einem einzelnen fiktiven Lastkraftwagen, der 60 Tonnen wog, was eine Brücke aushalten muss. Dabei ging man aber nicht davon aus, dass ein vollgeladener Lastwagen nach dem anderen mit bis zu 40 Tonnen über eine Brücke fährt – so wie das häufig der Fall ist. Eigentlich sollten Brücken bis zu 100 Jahre halten, denn allein die Planung rund um den Bau dauert stets Jahre. Die beiden Brücken über die A37 wurden 1962 gebaut, die Rethener Brücke 1976. Hundert werden sie wohl nicht mehr. "Die größten Schäden werden schon durch die Lkw verursacht", sagt Kühn.

Für den Laatzener Otto Normalfahrer haben die Berechnungen aber keine Relevanz. Weder ist irgendeine der Brücken einsturzgefährdet, noch ist kurzfristig mit einem Abriss zu rechnen.

Sollte eine Brücke im Laatzener Raum neu gebaut oder saniert werden müssen, sind das ohnehin keine Maßnahmen, die von heute auf morgen umsetzbar sind. Die Anforderungen an die Bauwerke haben sich verändert: Manche müssen verbreitert werden, andere benötigen einen Radweg, bei wieder anderen muss zusätzlich eine Lärmschutzwand gesetzt werden. Dazu kommen Natur- und Wasserschutzaspekte. Und die Bürger wollen schließlich auch mitreden. Einzig für die Leinebrücke, die als B443 Rethen und Koldingen verbindet, steht schon fest, dass sie in den nächsten Jahren neu gebaut werden muss. Allein das Planfeststellungsverfahren kann allerdings schon bis zu fünf Jahre dauern.

Güterverkehr wird sich wohl bis 2050 verdoppeln

Experten gehen davon aus, dass sich der Güterverkehr zwar bis zum Jahr 2050 verdoppeln wird. Gerade deswegen sind die Behörden vorbereitet. Das Bundesverkehrsministerium hat für sein „Programm Brückenmodernisierung“ von 2017 bis 2020 insgesamt 2,9 Milliarden Euro an Haushaltsmitteln zur Verfügung gestellt. Allein in Niedersachsen sind in den nächsten zwölf Jahren bis zu 750 Brücken nachzurechnen.

Von Katharina Kutsche

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