Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Laatzen Grüne wollen Kinderarmut zum Stadtgespräch machen
Umland Laatzen Grüne wollen Kinderarmut zum Stadtgespräch machen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 29.12.2018
Der Anteil armer Kinder in Laatzen nimmt seit Jahren stetig zu. Quelle: dpa
Laatzen

 Laatzens Ratspolitiker wollen im nächsten Jahr verstärkt Bemühungen anstellen, um der Kinderarmut in Laatzen zu begegnen. In seiner letzten Sitzung des Jahres beschloss der Rat einstimmig, einen Runden Tisch gegen Kinderarmut einzurichten, an dem Vereine, Verbände und Institutionen beteiligt werden. Die Laatzener Grünen, die den Runden Tisch iniitiert haben, planen für den 18. Januar eine eigene Auftaktveranstaltung zum Thema.

Auslöser der Initiative war ein Bericht in dieser Zeitung über Angebote der Diakonie für Menschen in Notlagen. „Die Armut in Laatzen nimmt zu“, stellte damals Monika Brandt-Zwirner von der Diakonieberatungsstelle in Alt-Laatzen fest. Die Kirchenkreissozialarbeiterin berichtete über Schwierigkeiten Bedürftiger bei der Wohnungssuche, fehlendes Geld für Schulsachen und Alltagsprobleme wie kaputte Kühlschränke, für deren Erneuerung Betroffene Darlehen beim Jobcenter mühsam abstottern müssen. Ein Schwerpunkt lag beim Thema Kinderarmut – mehr als ein Viertel aller Kinder in Laatzen leben von Sozialleistungen.

Der Anteil bedürftiger Kinder in Laatzen legt seit Jahren zu - und liegt deutlich über dem Regionsdurchschnitt. Quelle: HAZ-Grafik: ll

„Als ich den Artikel las, war ich beschämt“, räumt Grünen-Ratsfrau Regina Asendorf ein, die den Antrag für den Runden Tisch im Namen der rot-rot-grünen Ratsgruppe gestellt hatte. „Das ist ein Thema, das uns in unseren Grundfesten angreift“, sagt sie – und übt dabei auch Selbstkritik als Ratsmitglied. „Wir haben uns nicht darum gekümmert, weil wir uns mit anderem beschäftigt haben.“ Dabei gehe es aus ihrer Sicht auch um Wertschätzung den Betroffenen gegenüber. „Man kann ja ruhig arm sein. Aber alles andere – Bildung und Teilhabe – müssen trotzdem funktionieren.“ Sonst liebten die Kinder ihre Stadt nicht.

In den vergangenen Monaten haben Asendorf und Linus Melletat unter anderem Kontakt zur Armutskonferenz in Niedersachsen, der Diakonie und den Regions-, Landtags- und Bundestagsabgeordneten ihrer Partei aufgenommen. Ein Ergebnis ist neben dem Laatzener Ratsbeschluss das für Freitag, 18. Januar, geplante Stadtgespräch mit dem Titel „Kinderarmut – Wir handeln“ im Stadthaus. Als Fachleute eingeladen sind die Grünen-Bundestagsabgeordnete Katja Dörner, die auch Vorstandsmitglied beim Deutschen Kinderhilfswerk ist, die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion Anja Piel, die Regionsabgeordnete Sinja Mützberg und Kirchenkreissozialarbeiterin Monika Brandt-Zwirner. Dabei soll es darum gehen, wie sich Kinderarmut in Laatzen wirksam bekämpfen lässt und welche Schritte auf kommunaler, Landes- und Bundesebene unternommen werden müssen.

Entscheidend ist für Asendorf, dass sich am Ende etwas verändert. „Wir wollen keine Selbstbeweihräucherung.“ Bei der Veranstaltung und beim Runden Tisch müssten „umsetzbare und machbare Sachen“ für Laatzen herauskommen. „Ich möchte am Schluss Maßnahmen haben, an denen wir weiter arbeiten“, sagt die Grasdorferin. Sie hoffe auch darauf, andere für das Projekt zu begeistern. „Die Leute haben in der Flüchtlingskrise gezeigt, dass sie helfen wollen.“

Die Auftaktveranstaltung „Kinderarmut – wir handeln!“ am Freitag, 18. Januar, beginnt um 18 Uhr im Stadthaus, Marktplatz 2. Eingeladen sind alle Interessierten, der Eintritt ist frei. Wer Interesse an der Mitarbeit hat, kann sich per E-Mail an die Adresse asendorf-laatzen@t-online.de oder unter Telefon (0511) 8236807 melden.

Kinderarmut in Laatzen nimmt zu

Kinderarmut ist in Laatzen ein wachsendes Problem. So hat der Anteil bedürftiger Kinder in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, Laatzen liegt deutlich über dem Regionsdurchschnitt. In einer Statistik aus dem vergangenen Jahr hat die Region den Anteil Bedürftiger unter 18 Jahren an ihrer Altersgruppe erfasst: 2012 lag dieser in Laatzen bei 24,9 Prozent, 2016 schon bei 29,9 Prozent – Tendenz steigend. Auf Regionsebene wuchs der Prozentsatz im gleichen Zeitraum von 20,3 auf 23,1.

Erfasst hat die Region in ihren Zahlen alle Kinder unter 18 Jahren, die eine Mindestsicherung erhalten – also diejenigen, die ohne staatliche Hilfe zu wenig zum leben haben. Zu der Gruppe gehören Empfänger von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (auch als “Hartz IV“ bekannt), dem SGB XII (Hilfe zum Lebensunterhalt und Grundsicherung) und dem Asylbewerberleistungsgesetz.

Die Zahl der Kinder, die gemäß den Bildungs- und Teilhaberegelungen (“BuT“) als bedürftig gelten, ist in Laatzen sogar noch größer. Der Anteil bei den bis 15-Jährigen lag nach Regionsangaben im Jahr 2017 bei 32,5 Prozent. Zu dieser Gruppe gehören neben den Kindern mit Mindestsicherung auch diejenigen, die Wohngeld oder einen Kinderzuschlag erhalten. Gezahlt wird Geld für Ausflüge und Klassenfahrten, Mittagsverpflegung, Schülerbeförderung und Nachhilfe. Kritiker bemängeln, dass die Mittel nicht ausreichten: Beim persönlichen Schulbedarf etwa – Hefte, Stifte, Schulbücher und Ähnliches – liegt die Pauschale bei 100 Euro im Schuljahr. Nach Berechnungen der Landeskirche wären mindestens 153 Euro notwendig. jd

Von Johannes Dorndorf

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Theater für Niedersachsen (TfN) organisiert für Februar seine 27. Kindertheaterwoche. Von Sonnabend bis Montag, 2. bis 11. Februar, gibt es elf Veranstaltungen für ganz jungen Theaterfreunde.

25.12.2018

SPD, Grüne und Linke im Rat verurteilen das Lehrer-Meldeportal, das die AfD in Niedersachsen vor kurzem freigeschaltet hat. In einer Petition wird die Partei aufgefordert, das Portal zurückzuziehen.

23.12.2018
Laatzen Laatzen/Hemmingen/Pattensen - Erinnerungen an den Winter 1978/79

Wer den Schneesturm zum Jahreswechsel 1978/79 miterlebt hat, vergisst ihn wohl nie: Temperaturstürze um bis zu 30 Grad und hohe Verwehungen. Wie habe Sie die Wintertage vor 40 Jahren in Erinnerung?

23.12.2018