Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Ausstellung zeichnet Entwicklung Laatzens nach
Umland Laatzen Nachrichten Ausstellung zeichnet Entwicklung Laatzens nach
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 22.06.2018
Auf dem Luftbild aus dem Jahr 1959 ist zu sehen, wie ländlich Laatzens Umgebung damals noch war. Quelle: Stadt Laatzen
Laatzen-Mitte

Wie alt ist Laatzen wirklich? Von wann stammt die älteste Urkunde im Stadtarchiv? Was haben die Streitigkeiten der Herzögtümer Braunschweig-Lüneburg und Braunschweig-Calenberg mit Laatzen zu tun? Eine Ausstellung im Leine-Center macht die Geschichte Laatzens jetzt anschaulich erlebbar. Anlässlich der Verleihung der Stadtrechte vor 50 Jahren hat Bürgermeister Jürgen Köhne die Schau, die auch Einblicke in jüngere Entwicklung gibt, am Montagnachmittag eröffnet.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Urkunde, die Innenminister Richard Lehners am 21. Juni 1968 Laatzens Bürgermeister Georg Heuer und Gemeindedirektor Erich Panitz überreicht hat. Lehners’ Unterschrift ist inzwischen reichlich verblasst – und das hat seinen Grund: Denn lange hing das Schriftstück eingerahmt im Büro des Bürgermeisters, so dass Verwaltungschefs wie Hauke Jagau und Thomas Prinz den für Laatzen so wichtigen Schritt immer im Blick hatten. In der gleichen Vitrine findet sich auch das Glückwunschschreiben der Nachbargemeinde Bemerode, die eine ganz andere Entwicklung nahm. Im Gegensatz zu Bemerode wurde Laatzen auf Betreiben Panitz’ zum expandierenden Nebenzentrum Hannovers – und entging auch deshalb 1974 der Eingemeindung.

Zum Auftakt der Festwoche „50 Jahre Stadt Laatzen“ wurde eine historische Ausstellung im Leine-Center eröffnet. Zu sehen sind Urkunden, Luftbilder und der Vogel, den die Bürgermeister früher hatten.

„Für die Ausstellung wurden Informationen gesammelt, die weit über die 50-jährige Geschichte Laatzens als Stadt hinausgehen“, betonte Bürgermeister Köhne bei der Eröffnung. So nahm Stadtarchivar Sören Lindner, der die Schau konzipiert hat, die Gelegenheit zum Anlass, auf das wahre Alter der Stadt hinzuweisen. „Es soll betont werden, wie alt Laatzen ist und welche wechselvolle Geschichte es hat“, sagt Lindner. Erstmals erwähnt wurde „Lathusen“ in einer Urkunde aus dem Jahr 1227 – ein Umstand, der den Laatzener Honoratioren bei Planung der 700-Jahr-Feier 1959 nicht bewusst war. Das Original wurde 1943 bei einem Bombenangriff auf Hannover zerstört.

Die älteste erhaltene Archivalie im Original stammt denn auch von 1538. Im sogenannten „Recess“ vom 9. November des Jahres geht es um eine Grenzstreitigkeit zwischen den Fürstentümern Braunschweig-Lüneburg und Braunschweig-Calenberg. Gegenstand war die „hohe Weide“ bei Bemerode. Auf einer der Seiten des in einer Vitrine ausgestellten Schriftstücks wird das „Dorff Larzen“ erwähnt. Im 16. Jahrhundert habe man verstärkt begonnen schriftlich zu fixieren, wem was gehörte, sagt Lindner – eine schleichende Ablösung des Gewohnheitsrechts. Deutlich werde dies auch im Auszug aus dem „Vermeß Register von dem Dorffe Lazum Amts Coldingen“ von 1772, in dem für jeden Laatzens Grundeigentümer die Größe der jeweiligen Ackerflächen, Weghecken und -gräben festgehalten sind.

Etwa die Hälfte der Ausstellung macht die Entwicklung aus, die die Stadt in den vergangenen 50 Jahren nahm: Zu sehen ist etwa ein Auszug aus dem Gesetz zur Gebietsreform 1974, die die exakten Grenzen der Stadt Laatzen im Wortlaut festsetzt, und ein Flächennutzungsplan von 1977. Das Planwerk enthält unter anderem die damaligen Pläne für die Autobahn 30, die die A37 quer durch Laatzen-Mitte mit der B3 bei Hemmingen verbinden sollte.

Laatzens Bürgermeister hatten früher einen Vogel

In Laatzener Ratssitzungen muss es früher schon mal hitzig zugegangen sein. Das legt zumindest ein Geschenk nahe, dass eine Laatzenerin im 18. Jahrhundert der Gemeinde und ihrem Bürgermeister machte. Die Ratstaube aus dem Jahr 1773 sollte der Ordnung bei Ratssitzungen dienen. „Wurde die Taube hochgezogen, durfte nur der Bürgermeister sprechen“, erläutert Stadtarchivar Sören Lindner die Funktion des Metallvogels, an dem eine Schnur befestigt ist. Vermutlich sei die Taube bis etwa 1918 genutzt wurden. Auf dem linken Flügel ist „Lazen“, auf dem rechten die Jahreszahl „1773“ eingraviert. „Vielleicht ist das der Grund, warum es bis heute heißt, dass der Bürgermeister einen Vogel hat“, scherzte der aktuelle Amtsinhaber Jürgen Köhne am Montag bei der Ausstellungseröffnung.

Besonders beeindruckend ist ein Luftbild von Alt-Laatzen aus dem Jahr 1959: „Man sieht auf der älteren Aufnahme noch gut die dörfliche Struktur mit vielen landwirtschaftlichen Flächen“, sagt Lindner – ein Ortsbild, das heute nur noch zu erahnen ist. Wie diese Entwicklung zustande kam, wird im Schnellabriss auf einer Stellwand geschildert, die den ursprünglichen Plan, auf 70.000 Einwohner zu wachsen, genauso erwähnt wie die Ideen für ein 30-geschossiges Rathaus.

Die Ausstellung ist bis Sonnabend, 23. Juni, zu sehen. Pünktlich zur Eröffnung ist seit Montag auch das Stadtmodell zwischen Leine-Center und Rathausfoyer wieder zugänglich. Ergänzt wurde es um die in den letzten Jahren errichteten Gebäude in Laatzen-Mitte – und die Vorhaben, für die bereits Bauanträge genehmigt wurden.

Am Donnerstag gehen die Feiern zum Stadtjubiläum weiter. Beim zentralen Festakt ab 17 Uhr in der Albert-Einstein-Schule spricht der Historiker Carl-Hans Hauptmeyer über die Geschichte Laatzens. Eingelassen werden aus Platzgründen nur Besucher mit Eintrittskarten. Es gibt noch wenige Resttickets in der Rathaus-Information.

Von Johannes Dorndorf

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Wanderführer über die südliche Leineaue und den Jakobs-Pilgerweg von Hannover nach Hildesheim sind wieder zu haben. Die Stiftung Grasdorf an der Leine hat jeweils neue Auflagen drucken lassen.

19.06.2018

Laatzen wohl ambitionierteste Band tritt am nächsten Sonntag im Park der Sinne auf. Die Bigband Labiba spielt lateinamerikanische Songs – und ein satter Salsa-Sound ist garantiert.

19.06.2018

Die Obstplantage Hahne in Gleidingen hat sich am Sonntag am Tag des offenen offenen Hofes beteiligt. Die Besucher konnten sich auf dem 40 Hektar großen Gelände über den Obstanbau informieren.

21.06.2018