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Nachrichten „Wir haben das Richtige getan“
Umland Laatzen Nachrichten „Wir haben das Richtige getan“
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21:47 29.10.2014
Von Johannes Dorndorf
Vom Rathaus aus gut zu überblicken: In die Amtszeit von Thomas Prinz fielen etliche Bauprojekte in Laatzen-Mitte - unter anderem das Stadthaus und der Umbau der Marktstraße. Quelle: Daniel Junker
Laatzen

Ab Sonnabend werden Sie nicht mehr Bürgermeister sein. Haben Sie sich an den Gedanken schon gewöhnt?

Naja, ich hatte ja lange Zeit dafür, mich daran zu gewöhnen. Aber es ist selbstverständlich schon so, dass man sentimentaler wird, je näher der Tag des Abschieds rückt.

Wie richten Sie sich darauf ein?

Ich schaue natürlich im Moment schon danach, dass es auch beruflich weitergeht - was wegen der guten Pension ja nicht zwingend erforderlich wäre. Weil es auf jeden Fall eine Pause geben wird, bin ich bei der Gestaltung meiner Freizeit noch sehr gelassen. Ich habe seit 30 Jahren keine Zeit dazu gehabt, deswegen muss ich es erst wieder lernen.

Wie geht es beruflich bei Ihnen weiter?

Da sage ich nichts zu, weil das nur schädlich sein könnte.

Gibt es denn konkrete Gespräche?

Ja, aber darüber kann man nicht reden. Es ist natürlich so, dass es viel einfacher ist, einen Himmelfahrtsjob zu kriegen als die Sachen, die interessant für mich sind.

Es ist kein Geheimnis, dass Sie von der Wahlniederlage im Mai überrascht waren. Warum, glauben Sie, haben die Laatzener Sie nicht wiedergewählt?

Ich war wirklich überrascht, weil noch bis in die letzten Tage Taxi-Fahrer und alteingesessene Laatzener zu mir gesagt haben: Du brauchst Dir keine Gedanken zu machen. Ich glaube, dass in Laatzen sehr, sehr viel gelungen ist, hinter dem sehr tiefgreifende Überlegungen stehen, um die Zukunft zu sichern. Das war offensichtlich nicht vermittelbar. Selbst in Laatzen-Mitte sind ja die Stimmenergebnisse nicht gut gewesen - obwohl die Leute persönlich sehr von dem profitiert haben, was dort passiert ist.

Was hätten Sie im Nachhinein anders gemacht?

Ich denke, in den sachlichen Fragen sind die richtigen Entscheidungen getroffen worden. Aber es hätte mehr kommuniziert werden müssen. Vielleicht habe ich zu viel mit denen gesprochen, die mir nahestehen - bei denen war es nicht so offensichtlich, dass die Vermittelbarkeit so schwierig ist. Sie sehen es an der Grundsteuererhöhung. Als die im Rat öffentlich diskutiert wurde, hat sich keiner richtig darum gekümmert. Die Wogen schlugen erst hoch, als die Bescheide draußen waren. Aber man muss entscheiden. Man kann entweder nur auf die Wahl schielen oder auf das sachlich Richtige.

Hätten Sie in wirklich keinem Punkt anders entschieden?

Nein, ich bin von den Entscheidungen, die hier gemeinsam mit dem Rat getroffen wurden, überzeugt. Außenstehende bestätigten, dass wir das Richtige gemacht haben. Wir hätten nicht die momentane Nachfrage hier in Laatzen, wenn es nicht so gelaufen wäre, wie es gelaufen ist.

Wie steht die Stadt Laatzen aus Ihrer Sicht heute da?

Ich glaube, dass sich Laatzen für eine nahe Zukunft sehr gut aufgestellt hat. Städte müssen sich bemühen, ihre Bewohner zu halten, um die Infrastruktur zu finanzieren. Sie müssen das im Vergleich sehen: Bei uns läuft es überproportional gut.

Was sind in Ihren Augen die dringlichsten Aufgaben, die in Laatzen anstehen?

Bei den systematischen Untersuchung in den letzten beiden Jahren kamen die baulichen Probleme der Schulzentren auf den Tisch. Es war wirklich eine sehr unangenehme Überraschung, erkennen zu müssen, wie da vor 40 Jahren geschlampt wurde. Hinzu kommt natürlich der normale Verschleiß. Im Rathaus gehe ich davon aus, dass wir sehr genau wissen, wo die baulichen Probleme liegen. Ich muss natürlich in Hinblick auf meinen Nachfolger vorsichtig sein mit großen Ratschlägen. Es muss aber weiter daran gearbeitet werden, dass der größte Ortsteil Laatzen-Mitte attraktiv bleibt - und dass hier eine gesunde Bevölkerungsstruktur bestehen bleibt.

Werden Sie sich künftig in der Laatzener Politik zu Wort melden?

Nein. Das macht man nicht.

Scheiden Sie mit Wehmut aus dem Amt?

Ja natürlich. Ich denke, dass sich Laatzen gerade in den letzten Jahren sehr gut entwickelt hat. Das hätte ich schon noch gerne weiter mitgestaltet.

Was haben Sie sich für die nächsten Tage vorgenommen?

Ich muss mich erst einmal - und das hängt auch mit meinem Unfall zusammen - ein paar Tage richtig ausschlafen. Der Terminkalender war ja bis zuletzt immer bis zum Rand gefüllt. Und ich werde weiter Schritte unternehmen, um wieder in Arbeit zu kommen - oder eben merken, dass ich es vielleicht doch besser nicht tun sollte. Es hat ja auch seinen Reiz, sich den Tag alleine gestalten zu können und ohne Stress zu sein.

Acht Jahre, in denen sich Laatzen verändert hat

Wenn man beim Abtritt eines Bürgermeisters überhaupt von so etwas wie einem Vermächtnis sprechen kann, dann ist es bei Thomas Prinz wohl die Entwicklung, die Laatzen-Mitte in den vergangenen Jahren genommen hat. Schon zu Beginn seiner Amtszeit betonte der Sozialdemokrat, dass für ihn die Zukunft der ganzen Stadt vom Fortkommen ihres Zentrums abhängt.

Tatsächlich hat sich Laatzen-Mitte in den vergangenen acht Jahren erheblich verändert: Die Stadt investierte, bei Politik und Bürgern nicht unumstritten, in ein Stadthaus und die Umgestaltung von Marktstraße und Leineplatz. Parallel entstanden und entstehen mit dem Mozartpark an der Erich-Panitz-Straße und Merkurpark an der Mergenthalerstraße neue Wohngebiete. Und aus der anfangs besorgniserregenden Hertie-Schließung Mitte 2009 erwuchs am Ende sogar die Erweiterung des Leine-Centers.

Schon früh schlug Prinz allerdings Gegenwind entgegen – zunächst vor allem aus Rethen. Auslöser war die Schließung des Hallenbades, die Entscheidung fiel 2008 im Hauruckverfahren. Fühlten sich damals vor allem Rethener nicht mitgenommen, kam 2012 mit der Debatte um eine mögliche Schließung der Grundschule Grasdorf und mit der Grundsteuererhöhung Anfang 2013 wachsender Protest an der Politik im Rathaus auf. Die Prügel dafür bezog einerseits die SPD, vor allem aber ihr Bürgermeister, dem mangelndes Fingerspitzengefühl nachgesagt wurde. So eloquent und humorvoll Prinz im persönlichen Gespräch und bei den vielen von ihm besuchten Veranstaltungen auftreten kann – das Verhältnis zu Bürgern und Vereinen blieb mancherorts gestört.

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