Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Wird Messebahnhof Drehkreuz für Flüchtlinge?
Umland Laatzen Nachrichten Wird Messebahnhof Drehkreuz für Flüchtlinge?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:47 08.10.2015
Nach der nächtlichen Reise erhalten die Flüchtlinge im Messebahnhof Wasser und einen Snack. Quelle: Lippelt
Laatzen

Während des Kurzaufenthalts in Laatzen wurden die Flüchtlinge mit dem Nötigsten versorgt und per Lautsprecherdurchsagen sowie persönlich und schriftlich über die Weiterreise mit Bussen informiert. Die vorbereitete Sanitätsstation wurde nicht benötigt. Lediglich zwei Erwachsene und zwei Kinder hätten über Unwohlsein geklagt und wurden versorgt, teilte Alfred Blume, Leiter der Technischen Einsatzleitung (TEL) mit. Insgesamt sprach er von einem auf allen Seiten ruhigen und problemlosen Einsatz.

Mit etwa einstündiger Verspätung sind etwa 400 Flüchtlinge mit einem Sonderzug am Messebahnhof Laatzen angekommen. 150 Helfer kümmerten sich um sie, innerhalb einer Stunde ging es per Bus weiter.

Rund 150 Helfer – jeweils rund 50 der Bundeswehr, des Deutschen Roten Kreuzes und der Feuerwehr, darunter 15 aus Laatzen – sowie Dolmetscher und mehrere Verwaltungsvertreter der Region und der Stadt Laatzen standen bereit, als der Zug um kurz nach 8 Uhr eintraf.

Die Flüchtlinge hätten sehr erschöpft gewirkt, sagte Blume. Der Zug war voll besetzt und stundenlang unterwegs. Vor allem aber haben viele Menschen auf der Flucht Traumatisches erlebt oder auch lange Fußmärsche hinter sich.

Bewährt habe sich der Einsatz von Dolmetschern. 23 Ehrenamtliche halfen dabei vom Deutschen ins Arabische, Kurdische oder andere Sprachen zu übersetzten. Dies habe den Flüchtlingen Sicherheit gegeben und sehr beruhigend gewirkt.

Außerdem verteilte die Region, wie zuletzt beim Umstieg von 1500 Flüchtlingen in Lehrte, Handzettel mit Informationen zum Kurzaufenthalt in Laatzen in acht Sprachen: deutsch, englisch, französisch, albanisch, serbisch, kurdisch, auf Farsi (persisch) und arabisch.

Region und Einsatzleitung hoben die Ruhe auf Seiten der Flüchtlinge und der Helfer hervor und sprachen anschließend von einem reibungslosen Ablauf.

Die Flüchtlinge, die den Sonderzug nach Informationen der Region ohne Kenntnis des genauen Zieles freiwillig bestiegen hatten, sind allesamt nicht registriert. Dies ist den Erstaufnahmeeinrichtungen vorbehalten. Die Flüchtlinge würden dem Gesetz entsprechend auf die Länder verteilt, die Fahrziele der bereitgestellten Reisebusse wurden nicht extra ausgewiesen: Letztlich fuhren sieben Busse ins niedersächsische Diepholz und einer zur Erstaufnahmeeinrichtung nach Nostorf in Mecklenburg-Vorpommern.

Etwa 1,5 Stunden nach der Ankunft des Sonderzuges waren der Messebahnhof, die Halle und der Vorplatz wieder leer.

Die Registrierung sei ein großes Thema bei den Flüchtlingen, bestätigte Regionsdezernentin Caro Hermenau: "Die Flüchtlinge sind gut unterrichtet. Sie kennen das Dublin-III-Abkommen und wissen, dass sie dort Asylantrag stellen müssen, wo sie dauerhaft bleiben wollen." Ein Großteil der Flüchtlinge strebt offenbar weiter Richtung Norden – dorthin, wo bereits Angehörige leben.

"Für uns ist es Neuland", sagte Hermenau, gleichwohl seien Sonderzüge mit Flüchtlingen keine Ausnahme mehr. Die Region rechne ab sofort mit zwei Zügen pro Woche und jeweils bis zu 450 Menschen. Nächsten Sonntag soll bereits der nächste Zug eintreffen. Genauere Informationen seitens des Innenministeriums erwartet die Region nicht vor Freitag.

Die Frage, ob Laatzen nun zum "Drehkreuz" für Flüchtlinge werde, wiegelte Hermenau ab. Das sei nicht geplant. Dennoch kommt der Messebahnhof als nunmehr bewährter Umsteigeplatz für Flüchtlinge in Betracht. Hintergrund: Das Innenministerium suche für die Zeit ab 2016 eine feste Adresse für die Verteilung von Flüchtlingen in Norddeutschland. Die Entscheidung, welcher Bahnhof ausgewählt werde, liege beim Innenministerium, betonte die Dezernentin. Die Region sei darauf eingestellt, weiter unterstützend tätig zu sein.

Von Astrid Köhler

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Erneut sollen Grundstückseigentümer in Laatzen – und über die Nebenkostenabrechnung in der Regel auch Mieter – höhere Abwassergebühren zahlen. Das empfiehlt die Verwaltung dem Rat zu seiner heutigen Sitzung. Verglichen mit anderen Klärwerksverbänden stehe Laatzen aber günstig da.

Astrid Köhler 07.10.2015

Der Sanierungsstau in städtischen Gebäuden bekommen Laatzens Politiker jetzt direkt zu spüren. Weil eigene geeignete Räume derzeit saniert werden oder gesperrt sind, muss der Rat am Donnerstagabend auf die Rentenversicherung ausweichen. Unter anderem auf der Tagesordnung: die Sanierung der Gebäude.

Johannes Dorndorf 10.10.2015

Für Fußgänger ist der miefige und dunkle Fußgängertunnel unter der ICE-Strecke bei Gleidingen eher ein Ort zum Meiden. Jetzt will die Stadt die Situation verbessern: Der daneben liegende Graben soll entschlammt werden. Gelöst ist das Problem damit jedoch nicht.

Johannes Dorndorf 10.10.2015