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Umland Laatzen Nachrichten Zu dreckig: Behinderte fordern Euroschlüssel für WCs
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00:18 03.06.2018
Der Euroschlüssel soll nach Ansicht von Christina Tietze (Hintergrund) künftig den Zugang zu den Behindertentoiletten in Laatzen ermöglichen. Quelle: Dorndorf
Laatzen

Öffentliche Toiletten sind nicht nur in Laatzen häufig so verschmutzt, dass viele sie nur ungern nutzen. Ganz besonders gilt dies für Behinderte, wie der Initiativkreis Menschen mit Behinderung moniert: Wer sich etwa als Blinder oder Gehbehinderter in Sanitärräumen an Griffen festhalten oder per Tasten orientieren muss, habe ganz andere Probleme als andere.

Achim Wenger und Christina Tietze vom Initiativkreis haben jetzt im städtischen Sozialausschuss eine Lösung vorgeschlagen: Behinderten-WCs in Laatzen sollten ihrer Auffassung nach so verschlossen werden, dass nur Menschen mit einem besonderen Schlüssel sie öffnen können. "Die Benutzbarkeit von behindertengerechten öffentlichen Toiletten trägt wesentlich zur Teilhabe von Menschen mit Behinderung am öffentlichen Leben teil", sagt Tietze, die selbst auf einen Rollstuhl angewiesen ist. „Die Ausrüstung mit sogenannten Euro-Schlössern schützt diese Einrichtungen vor Verschmutzung und Vandalismus, zum Beispiel abgerissenen Haltegriffen.“ Bereits praktiziert werde dieses System beispielsweise in der Toilettenanlage an der Marktkirche, in U-Bahn-Stationen und im Hauptbahnhof.

Eigentlich sind Behindertentoiletten in Laatzen Menschen mit Behinderungen vorbehalten. Trotzdem gibt es immer wieder Vandalismus und Verschmutzungen. Behinderte fordern nun einen exklusiven Zugang per Euroschlüssel.

Die Stadt steht dem Vorschlag reserviert gegenüber. Insgesamt gebe es in Laatzen 65 öffentliche WCs, darunter einige Behindertentoiletten. "Eine Umrüstung der Schließanlagen würde für alle Menschen eine weitere Barriere bedeuten", schreibt die Stadtverwaltung in einer Stellungnahme zu dem Antrag des Initiativkreises. "Auch die selbst zu tragenden Kosten sowie die Tatsache, dass der Schlüssel auf Eigeninitiative hin besorgt werden muss, sprechen gegen eine Umrüstung".

"Haben Sie schon einmal nachmittags die öffentliche Toilette im Rathaus benutzt", fragte hingegen Tietze im Ausschuss. Wer aus körperlichen Gründen auf der Toilettenbrille platznehmen müsse, könne das WC aus hygienischen Gründen oft gar nicht nutzen. Ähnlich sei die Situation bei der Behindertentoilette im Park der Sinne. Die Euroschlüssel, ergänzen Tietze und Wenger, könnten zudem im Bürgerbüro erhältlich sein oder von Hausmeistern verliehen werden.

Regina Asendorf (Grüne) schlug vor, dass die Toiletten häufiger kontrolliert werden könnten. Ähnlich sieht dies Olaf Lichy (CDU). "Es muss gewährleistet sein, dass kontrolliert wird. Ich hege allerdings Zweifel, dass es umsetzbar ist." Aus Sicht von Initiativkreis-Mitglied Achim Wenger müsste dann beispielsweise an Schulen nach jeder Pause kontrolliert werden. "Das funktioniert so nicht", glaubt Wenger, der selbst sehbehindert ist.

Der Sozialausschuss sprach sich am Ende trotz der Bedenken einstimmig gegen den Vorstoß des Initiativkreises aus: Behindertentoiletten sollten demnach grundsätzlich unverschlossen bleiben. Für das Rathausfoyer gilt das aktuell übrigens nicht. Die Anlage ist derzeit wegen eines Defekts nicht zugänglich.

Euroschlüssel gibt es seit 1986

Im Jahr 1986 entwickelte der Club Behinderter und ihrer Freunde Darmstadt ein Konzept, der Menschen mit Behinderung einen exklusiven Zugang zu Behindertentoiletten verschafft. Entsprechende Sanitärräume werden demnach mit speziellen Schlössern ausgestattet, die sich mit einem europaweit einheitlichen Schlüssel öffnen lassen. Diese Euroschlüssel werden vom Verein vertrieben, aber auch viele Blinden- und Sehbehindertenvereine bieten den Schlüssel in ihren Beratungsstellen an.

Der Schlüssel wird für eine Gebühr von 20 Euro an Personen mit Schwerbehindertenausweis ausgegeben, die entweder einen Behindertengrad von 70 Prozent oder eine spezielle Art von Einschränkung haben. Dazu zählen unter anderem Blinde und Sehbehinderte, schwer Gehbehinderte, MS-Erkrankte und Menschen mit chronischem Blasen- oder Darmleiden. Ein spezielles Verzeichnis führt europaweit 12.000 Toiletten mit Euroschlössern auf - unter anderem an Autobahn- und Bahnhofstoiletten, in öffentlichen WCs in Fußgängerzonen, Museen und Behörden. jd

Von Johannes Dorndorf

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