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Die Leine-VHS bangt um die Integrationskurse

Alt-Laatzen Die Leine-VHS bangt um die Integrationskurse

Viele Flüchtlinge werden dauerhaft in Deutschland bleiben. Deshalb haben Integrationskurse, wie sie die Leine-Volkshochschule anbietet, eine enorme Bedeutung. Nun ist das Angebot gefährdet: Weil der Mietvertrag der ZAQ-Räume in Laatzen-Mitte endet, kann die VHS bald keine neuen Kurse mehr anbieten.  

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Der Mietvertrag für das Zentrum für Arbeit und Qualifizierung (ZAQ) läuft zum Jahresende aus.

Quelle: Köhler

Alt-Laatzen.  Die Leine-VHS wird voraussichtlich die Integrationskurse für Flüchtlinge und andere Zuwanderer reduzieren müssen. Das Problem: „Wir wissen nicht, wie lange wir das Zentrum für Arbeit und Qualifizierung (ZAQ) noch nutzen können“, sagt VHS-Chef Gerold Brockmann. Nach derzeitigem Stand soll das Gebäude an der Karlsruher Straße verkauft und dann anders genutzt werden. Dort finden aber die meisten Integrationskurse der Volkshochschule statt. Brockmann geht derzeit davon aus, dass die VHS das Gebäude Ende 2018 oder Anfang 2019 räumen muss. „Wir planen deshalb erst einmal so, dass wir bis Ende 2018 raus sein müssen. Alles andere wäre unverantwortlich.“  

Trotz intensiver Suche habe die Leine-VHS bislang aber noch keine geeigneten Ersatzräume gefunden. Aus diesem Grund sind die Integrationskurse in Gefahr. „Wir können keine neue Kurse anbieten, wenn wir nicht wissen, ob wir sie auch zuende führen können“, sagt Heike Ermisch, die bei der VHS für den Programmbereich Deutsch zuständig ist. Pro Integrationskurs seien laut Brockmann 600 Unterrichtsstunden angesetzt – bei 20 Stunden pro Woche dauert er also mindestens 30 Wochen, Ferienzeiten nicht eingerechnet. Alphabetisierungskurse schlagen sogar mit 900 bis 1200 Unterrichtsstunden zu Buche. Einige neu beginnende Kurse würden also jetzt schon ins Jahr 2019 hereinragen. „So richtig eng wird es dann ab Mai/Juni“, sagt Brockmann. 

Kurse, die ein Jahr oder länger laufen und im ZAQ angeboten werden, stellen die VHS jetzt schon vor Probleme. „Wir sind aufgrund dieser Entwicklung sehr besorgt“, sagt Ermisch. „Wir wissen einfach nicht, wie viele Integrationskurse wir noch durchführen können.“ Neun Unterrichtsräume gibt es im ZAQ, vier weitere am Standort Würzburger Straße. Dort seien die Kapazitäten aber weitestgehend erschöpft.  Brockmann hofft, zumindest Übergangsweise andere Räume zu finden. Aufgrund der Sicherheitsbestimmungen könnten aber leer stehende Büros und andere Gebäudeteile nicht einfach für den Unterricht umfunktioniert werden können. „Wir benötigen zum Beispiel immer einen zweiten Fluchtweg“, macht Brockmann das Problem deutlich.  

Die VHS befürchtet nun, dass die Integrationskurse nach und nach auslaufen könnten, obwohl sie nach wie vor notwendig seien. „Die Nachfrage ist immer noch nicht rückläufig, auch wegen des Familiennachzugs“, sagt Ermisch. 

Die Leine-VHS fürchtet um die Zukunft ihrer Integrationskurse

Die Leine-VHS fürchtet um die Zukunft ihrer Integrationskurse.

Quelle: dpa

Derzeit liefen im ZAQ noch 14 Integrationskurse – mit abnehmender Tendenz. „In jedem Monat läuft ein Kurs aus, wir können aber keine neuen Kurse starten“, sagt Ermisch. „Die Lage ist desaströs, denn wir wissen nicht, wo wir im Jahr 2019 sind und wie viele Integrationskurse wir überhaupt noch durchführen können.“ Nicht zuletzt seien auch die Jobs einiger Lehrkräfte in Gefahr.

Von der Problematik betroffen sind auch die Laatzener Tafel und das Sozialkaufhaus der Leine-VHS, die sich im gleichen Gebäude befinden. Für die Tafel zeichne sich zwar eine Perspektive ab, „es ist aber noch nichts spruchreif“, sagt Brockmann. Für das Sozialkaufhaus mit Möbelladen, Second-Hand-Geschäft, Fahrrad- und Kinderladen sei die Situation brisanter. „Auch hier gibt es Verhandlungen für neue Räume, es ist aber alles noch ziemlich unsicher.“ Die VHS arbeite bereits an einem neuen Konzept. 

Im Sozialkaufhaus beschäftigt die Leine-Volkshochschule rund 90 Langzeitarbeitslose, die im Rahmen dieser Tätigkeit einen neuen Weg in den Arbeitsmarkt finden sollen. Sollte die Einrichtung nicht weiter bestehen können, wäre damit auch deren Zukunftsperspektive in Gefahr.

VHS informiert über Integrationskurse

Mit einem speziellen Angebot informiert die Leine-VHS am Donnerstag, 22. März, über die Deutschkurse für Flüchtlinge und andere Zugezogene. „Was ist eigentlich ein Integrationskurs?“ lautet der Titel der zweistündigen Veranstaltung, bei der Heike Ermisch über die Inhalte, aber auch die Probleme innerhalb der Kurse berichtet. Die Verantwortliche für den Programmbereich Deutsch erläutert den Teilnehmern das Kurssystem und informiert über die Zugangsvoraussetzungen sowie das digitale Lernen, aber auch über bürokratische Anforderungen. Der Kurs ist laut Leine-VHS besonders geeignet für Ehrenamtliche, die Informationen über die Integration sowie ein besseres Verständnis für Flüchtlinge vor Ort erlangen wollen. Die Teilnehme am Informationsabend ist kostenfrei. Er beginnt um 18 Uhr in den VHS-Räumen in Laatzen-Mitte, Würzburger Straße 8. Anmeldungen nimmt die Geschäftsstelle im Alten Rauthaus in Alt-Laatzen sowie telefonisch unter (05 11) 9 83 56 20 entgegen. dj

Von Daniel Junker

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