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Nachrichten Tierretter werden oft unnötig verständigt
Umland Laatzen Nachrichten Tierretter werden oft unnötig verständigt
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23:23 21.07.2018
Im Mai 2011 fängt die Laatzener Feuerwehr auf der Koldinger Straße in Rethen zwei Schafe ein, die von einer Weide ausgebüxt waren, und fährt sie wieder nach Hause. Quelle: Senft
Laatzen

Ein Schwan ist gegen eine Hochspannungsleitung geflogen und abgestürzt. Nun liegt er im Gras und bewegt sich nicht mehr. Das Tier braucht offenkundig Hilfe. Doch wer ist zuständig? „Die Ortsfeuerwehr und der zuständige Jagdpächter waren nicht zu erreichen“, berichtet Hans-Jürgen Wohlfarth. Der Gleidinger Feld- und Forsthüter hatte das Tier gefunden und es nicht sich selbst überlassen wollen. Als er dann die 112 anrief, habe man ihm gesagt, „Wir haben damit nichts zu tun.“ Schließlich wandte sich der Feld- und Forsthüter an das Bürgerbüro der Stadt Laatzen. „Dort erklärte mir ein Mitarbeiter, dass er sich darum kümmern und es weiterleiten werde“, berichtet er. „Ich wartete vor Ort jedoch vergebens.“

Laut Stadtbrandmeister Sebastian Osterwald ist für Wildtiere der Jagdpächter zuständig. „Es sei denn, dass von dem Tier eine Gefährdung oder Beeinträchtigung der Öffentlichkeit ausgeht, etwa wenn eine Entenfamilie auf einer Straße oder sogar auf den Stadtbahngleisen unterwegs ist, so dass der gesamte Straßenbahnverkehr zum Erliegen kommt.“

Bis zu 70 Einsätze im Jahr

Pro Jahr rückt die Feuerwehr Laatzen laut Osterwald zwischen 50 und 70 Mal zu Tierrettungseinsätzen aus. „Unser Schwerpunkt liegt dabei auf der Rettung von Haus- und Nutztieren in Not, etwa wenn eine Kuh in der Leine zu ertrinken droht, ein Pferd im Schlamm feststeckt, Hunde bei Hitze im Auto eingesperrt sind oder Katzen von einem Auto angefahren wurden.“

Handelt es sich um Wildtiere, sind viele Einsätze aus Sicht von Osterwald unnötig. „Manche Leute verständigen uns, wenn ein Wildvogel in ihre Wohnung geflogen oder ein Vogelküken aus dem Nest gefallen ist.“ Bei den Vogelküken müsse man der Natur ihren Lauf lassen und für Wildvögel in der Wohnung sei der Eigentümer zuständig. Auch brauche nicht jedes Wildtier, das sich im Stadtgebiet aufhalte, Hilfe. „Wir wären dankbar, wenn wir nicht wegen jeder Entenfamilie, die durch Laatzen spaziert, angerufen werden.“ Osterwald appelliert an die Bürger, darüber nachzudenken, ob ein Feuerwehreinsatz wirklich nötig sei. „Bei der Freiwilligen Feuerwehr Laatzen arbeiten hauptsächlich Ehrenamtliche“, erklärt er. „Bei einer Alarmierung lassen sie alles stehen und liegen, auch wenn sie vielleicht gerade mit ihrer Familie Abendbrot essen oder mit Freunden grillen.“

Für Hund und Katze gibt es sogar ein Beatmungsgerät

Um Tieren in Not besser helfen zu können, hat die Feuerwehr Rethen seit 1986 ein Tierrettungsfahrzeug mit spezieller Ausrüstung. An Bord sind unter anderem ein Bienen- und Wespenschutzanzug, Fangnetze und Fanggeräte, Hundeleinen, Maulkörbe und Transportkisten, Leitern, Spaten und Schaufeln, ein Wasserbecken mit Umwälzpumpe für Fischunfälle, Tiernahrung sowie Verbandszeug. Seit 2013 gehört sogar ein Beatmungsgerät für Tiere zur Ausrüstung wie es nur wenige Feuerwehren in Deutschland nutzen. Mit ihm können Hunde und Katzen beatmet werden, die aus verrauchten Wohnungen gerettet wurden. Finanziert wurde die Tierrettungsausrüstung vom Förderverein der Ortsfeuerwehr und der Stadt.

Rund 20 ehrenamtliche Feuerwehrleute der Tierrettung Rethen sind nach ihrem Feierabend zwischen 16 und 7 Uhr im gesamten Stadtgebiet für Tiere in Not im Einsatz. Die Spezialkräfte können über eine besondere Funkmelderschleife einzeln alarmiert werden, ohne dass weitere Feuerwehrleute aus dem Bett geholt werden müssen. Wenn sie tagsüber arbeiten, übernehmen die hauptamtlichen Brandbekämpfer der Feuerwache in Laatzen-Mitte die Tierrettung.

Um den Notruf 112 nicht zu blockieren, können die Tierretter über die Amtsleitung der Feuerwehr Hannover unter der Nummer (0511) 9120 verständigt werden.

Um unnötige Einsätzen der Tierretter zu vermeiden, frage die Leitstelle bei Anrufen unter der 112 daher immer, ob es sich um Wildtiere handele. Sei dies der Fall, würden Anrufer meist an den Jagdpächter verwiesen.

„Dennoch lassen wir kein Tier leiden“, betont Osterwald. „Denn wir verstehen es als unsere Aufgabe, Menschen sowie Tieren in Not zu helfen.“ Generell sei die Feuerwehr für jedes Tier in Lebensgefahr da. Bei Wildtieren käme es auf die jeweilige Situation an. So haben die Tierretter unter anderem schon verirrte Rehe aus Vorgärten befreit, einen Falken aus einem Lichtschacht am Leine-Center gerettet oder einen verletzten jungen Kauz zur medizinischen Versorgung in die Tierärztliche Hochschule Hannover gebracht.

Kein Rechtsanspruch auf Tierrettung

Dabei ist die Tierrettung nur eine freiwillige Leistung der Feuerwehr. „Es gibt keinen Rechtsanspruch darauf“, erklärt Osterwald. Dies gelte auch für die im Baum festsitzende Katze. „Dafür stellen wir den Besitzern dann eine Rechnung.“ Und die kann teuer werden. Rückt die Feuerwehr mit der Drehleiter aus, kostet es für die Tierhalter rund 1000 Euro.

Der verletzte Schwan in Gleidingen wäre für die Tierretter auf jeden Fall auch ein unnötiger Einsatz gewesen. Denn nur kurze Zeit nachdem Feld- und Forsthüter Hans-Jürgen Wohlfarth versucht hatte, für das Tier Hilfe zu holen, hatte es sich von seiner Bruchlandung offenbar wieder erholt und war davon geflogen.

Von Stephanie Zerm

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