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Umland Laatzen Nachrichten Laatzens Schmutzwasserkanäle reichen aus
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00:24 10.06.2018
Per Simulationsprogramm wird das Laatzener Kanalnetz im Computer "beregnet". Die grünen Linien und Punkte zeigen unkritische Abschnitte an, bei Rot staut sich das Wasser - so wie in der Bildmitte entlang der Bruchriede am Rethener Spannfeld. Quelle: ifs Ingenieursgesellschaft für Stadthydrologie
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Laatzen

Vier Jahre lang hat die Stadt Laatzen ihr Schmutzwassernetz von einer Fachfirma untersuchen lassen. Jetzt liegen die Ergebnisse vor – und die können sich sehen lassen. Die Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass nur ein Prozent des Kanalnetzes saniert werden muss, im Vergleich zu anderen Städten und Gemeinden ein guter Wert.

Es was ein langer Weg, bis das Zahlen- und Kartenwerk fertig wurde, das Erik Ristenpart, Geschäftsführer der Ingenieursgesellschaft für Stadthydrologie (ifs) in Hannover, jetzt im Stadtentwicklungsausschuss vorstellte. Für die Berechnungen haben die Fachleute zunächst ein Simulationsmodell für das Laatzener Schmutzwassernetz im Computer generiert. „Dann wird es sinnbildlich gesprochen beregnet“, erläutert Ristenpart – und die hydraulischen Ergebnisse am Rechner ermittelt. Berücksichtigt wurden je 3270 Schächte und sogenannte Haltungen, also Abschnitte zwischen den Kontrollschächten des Netzes, sowie 16 Pumpwerke. Die Stadt mit ihrem 115 Kilometer langen Kanalnetz sei dabei in 18 Teilgebiete unterteilt und die jeweiligen Abflüsse gemessen worden.

4 Jahre lang hat eine Fachfirma das Laatzener Schmutzwassernetz untersucht. Das Ergebnis: Die Kanäle sind auch bei Starkregen ausreichend. Kritisch sieht es nur in Teilen Rethens und Alt-Laatzens aus

Ein Schwerpunkt der Untersuchung sei eine halbjährige Messkampagne gewesen. Ein beauftragter Messdienstleister installierte dafür an 18 Stellen im Stadtgebiet Messgeräte, die Wasserstand, Fließgeschwindigkeit und Durchfluss festhielten. Gespeichert wurden die Werte sechs Monate hindurch im Minutentakt. „Wir mussten 14,2 Millionen Datenpunkte auszuwerten“, sagt Ristenpart – keine Kleinigkeit.

Neubaugebiete machen großen Anteil aus

Mit einkalkuliert haben die Hydrologen auch die geplanten Neubaugebiete in Laatzen – und die dürften die Lage deutlich verändern. Aktuell werden 71 Liter Schmutzwasser pro Sekunde aus dem Laatzener Leitungsnetz zur Stadtentwässerung nach Hannover geleitet: Wenn die großen und kleinen Baugebiete – vom Alten Markt über das ehemalige Rentenversicherungsgelände bis zur Senefelderstraße und dem Erdbeerhof – fertiggestellt sind, steige der sogenannte Trockenwetterabfluss in Laatzen um 38 Prozent auf 98 Liter pro Sekunde. Die Berechnungen berücksichtigten alle Neubaupläne, einschließlich kleinerer Projekte wie die geplanten Mehrfamilienhäuser südlich des Aqualaatziums an der Hildesheimer Straße, sagt Ristenpart. „Damit ist sichergestellt, dass das Kanalnetz zukunftsträchtig ist.“

Die Ergebnisse der Messkampagne sind aus Sicht der Fachleute erfreulich. „92 Prozent der Kanäle sind einstaufrei“, sagt Ristenpart, sie seien unkritisch. Bei den Schächten seien sogar 97 Prozent so dimensioniert, dass der Wasserstand unterhalb von einem Meter unter der Geländekante bleibe. Bei stadtweit nur acht Schächten könne das Schmutzwasser bei Starkregen, wie er alle fünf Jahre erwartbar sei, an die Oberfläche gelangen – in diesen Fällen müsse die Stadt aktiv werden. „Es gibt insgesamt eine sehr hohe Entwässerungssicherheit“, so die Bilanz des ifs-Geschäftsführers.

Am Wochenende spülen die Laatzener später

Die Kurven, die das Büro ifs nach Untersuchung der Schmutzwassernetzes erstellt haben, sagen nicht nur viel über das Kanalnetz, sondern auch über das Nutzungsverhalten der Laatzener aus. Am wenigsten Schmutzwasser verursachen Laatzens Bürger nachts zwischen 4 und 6 Uhr, wenn durchschnittlich 20 Liter pro Sekunde vom Stadtgebiet aus zur Stadtentwässerung nach Hannover fließt. Der Großteil davon dürfte auf Fremdwasser zurückzuführen sein, das eigentlich im Netz nichts zu suchen hat, sagt ifs-Geschäftsführer Erik Ristenpart. Der Höhepunkt von rund 110 Litern pro Sekunde wird hingegen tagsüber zwischen 10 und 12 Uhr erreicht. Unter der Woche liegt das Maximum bereits zwischen 9 und 10 Uhr, am Wochenende erst zwischen 12 und 13 Uhr – wer später aufsteht, geht schließlich auch später auf die Toilette. Im Gesamtdurchschnitt fließen 71 Liter pro Sekunde vom Laatzener Schmutzwassernetz zur Stadtentwässerung nach Hannover. jd

Vor allem in Rethen muss gehandelt werden

Unmittelbarer Handlungsbedarf besteht aus Sicht der ifs-Fachleute bei einem Prozent des Kanalnetzes – exakt die Menge, die auch die Stadt selbst prognostiziert hatte. Drei Bereiche machten die Fachleute aus. Größtes Sorgenkind ist ein Bereich am Spannfeld in Rethen: Der Kanal am Wanderweg, der parallel zur Bruchriede entlangführt, sei während der Spitzenzeiten bis oben gefüllt. „Da steht das Wasser an der Geländeoberkante“, sagt Ristenpart. Weil die Kanaldeckel dort druckdicht verschraubt seien, trete weiter oberhalb jenseits der Koldinger Straße Wasser aus. Ristenpart empfielt, den knapp 300 Meter lange Kanalabschnitt durch eine rechteckige, 100 mal 60 Zentimeter große Leitung zu ersetzen. „Mit einem Durchmesser von 35 Zentimetern ist das Kanalrohr derzeit viel zu klein.“ Auch die Leistung des Pumpwerks Wilhelm-Henze-Weg sollte von 83 auf 100 Liter pro Sekunde erhöht werden.

Kanäle sanieren muss die Stadt auch in Alt-Laatzen im Bereich Auf der Dehne. Die ifs-Fachleute schlagen vor, den Schmutzwasserkanal der Straße auf 85 Metern Länge auszutauschen und den Rohrdurchmesser von 20 auf 30 Zentimeter zu erhöhen. Unterdimensioniert sei auch die Pumpstation An der Masch, die nach Angaben der Stadtverwaltung allerdings wegen des baulichen Zustands und der Kapazitätsprobleme ohnehin erneuert werden soll. In Alt-Laatzen fließt auch relativ viel Fremdwasser in das Kanalnetz. „Es ist von der Bausubstanz her der älteste Teil des Kanalnetzes“, sagt Ristenpart – entsprechend undicht seien die Leitungen dort.

Dritte Baustelle ist die Straße Am Hang in Gleidingen: Weil die weiter unten liegenden Kanäle an der Maschstraße im Überschwemmungsgebiet liegen, staut sich dort ebenfalls immer wieder Schmutzwasser zurück. Die Stadt müsse die insgesamt 17 Kontrollschächte unterhalb deshalb verschließen. Dies sei freilich ohnehin nötig, damit kein Leinewasser in die Schmutzwasserkanäle fließen kann.

Keine Probleme mehr in Ingeln-Oesselse

Gelohnt hat sich unterdessen die über Jahre betriebene Kanalsanierung in Ingeln-Oesselse: Dort gibt es keinerlei auffällige Befunde, stellen die Fachingenieure fest.

Die Stadtverwaltung hat angekündigt, die festgestellten Schwachstellen innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre abzuarbeiten.

Acht Zahlen zur Laatzener Stadtentwässerung

115 Kilometer lang ist das Schmutzwasserkanalnetz in Laatzen

378 Meter davon müssen erneuert werden

6 Monate lang hat eine Fachfirma Schmutzwasserabflüsse im Minutentakt gemessen

14,2 Millionen Datenpunkte wurden dabei erfasst

71 Liter Schmutzwasser fließen in jeder Sekunde nach Hannover

98 Liter werden es sein, wenn alle Baugebiete bebaut sind

110 Liter fließen beim Tageshöchststand zwischen 10 und 12 Uhr

20 Liter sind es nachts zwischen 4 und 6 Uhr

Von Johannes Dorndorf

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