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Umland Laatzen Nachrichten Zum AES-Schulgarten gehört nun auch Bienensauna
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00:45 15.06.2018
Bienen, Kräuter, Gemüsepflanzen und mehr: Die Leiterin des Schulgartens Inge Finck teilt die Sechst- und Siebtklässler beim Tag des offenen Schulgartens für ihren jeweils einstündigen Besuch klassenweise in jeweils vier Gruppen ein. Quelle: Astrid Köhler
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Laatzen-Mitte

Welche Pflanzen und Samen gehören zu den Gemüsesorten auf dem Tisch und wie sieht es in einem Bienenstock aus? Mit diesen und weiteren Fragen haben sich am Dienstag zahlreiche Sechst- und Siebtklässler der Albert-Einstein-Schule (AES) beschäftigt. Erstmals anlässlich des bundesweiten Tages des offenen Schulgartens hatten die Projektleiterin Inge Finck und Lehrerkollegen zusammen mit Neunklässlern zur Präsentation des seit 1995 von der Schule gepflegten Gartens an der Würzburger Straße eingeladen.

Es gehe darum, den Sinn für Natur und ökologischen Gartenbau zu stärken, erklärte die Chemie-, Mathematik- und Informatiklehrerin Finck mit Blick auf das in verschiedene Bereiche untergliederten 2600 Quadratmeter große Areal. Neben einer Streuobstwiese gehört dazu unter anderem eine kleiner Teich, eine Kräuterspirale, diverse Hecken, Büsche und ein 300 Quadratmeter großes Beet, in dem neben Obst und Gemüse auch einige Blumen wachsen. „Wir sollen das Bewusstsein schaffen, dass wir für den Erhalt der Insekten und Artenvielfalt etwas tun“, so Finck.

Die Pflege des Gartens sei gleichwohl mit viel Arbeit verbunden – „vor allem wenn es heiß ist“, erzählt Finck. Dann müssen die im AES-Garten engagierten Schülergruppen – und nicht zuletzt die Lehrkräfte – mit Gießkannen wässern. Einen Brunnen hat es noch nie gegeben, geschweige denn eine Bewässerungsanlage. So muss das Wasser in Gießkannen aus von der Stadt regelmäßig befüllten Tanks geholt und verteilt werden. Immerhin, das jahrelange Bitten hat sich gelohnt: Im Sommer soll der lang ersehnte Brunnen gebohrt und auch ein Schlauchsystem verlegt werden.

Für die sechs AES-Klassen, die am Dienstag das Areal an der Würzburger Straße besucht haben, spielten diese Hintergründen kaum eine Rolle. Für sie stand das Kennenlernen des Gartens im Vordergrund. An teils von Neuntklässlern betreuten Stationen erfuhren sie mehr über Blütenpflanzen, (Heil)Kräuter, ökologischen Gartenbau und nicht zuletzt über Bienen.

Mit dem Hobbyimker Bernd Albers war ein versierter Ansprechpartner vor Ort, zumal einer, der wie seine gleichfalls pensionierte Lehrerkollegin Bärbel Wetzig den Schulgarten früher selbst geleitet hatte. „Haben Sie keine Angst, gestochen zu werden?“, will ein Mädchen aus der mit Imkerblusen und -hüten bekleideten Schülergruppe von Albers wissen, während der die mit Honigwaben und Bienen besetzten Holzrahmen mit bloßen Händen aus dem geöffneten Stock herauszieht. „Nein“, antwortet der kurz und freundlich, eh er mit seinen Erklärungen fortfährt.

Forschungsprojekt im AES-Schulgarten

Einige Meter weiter, bei der Streuobstwiese, stehen noch zwei weitere grüne Kastentürme. Die dazugehörigen Bienen sind nicht weniger als Teil eines Forschungsprojektes. Die Neuntklässler Merle und Felix (beide 15 Jahre) testen derzeit den Wirkungsgrad einer thermischen Schädlingsbekämpfung mithilfe einer sogenannten Bienensauna.

Bienensauna: Bei 39 Grad sterben Milben ab

Es sieht aus wie eine Schublade mit integrierten Herdplatten, die unter den Bienenstock gestellt wird, und genau so funktioniert die Bienensauna auch: mit Heizplatten, die den Stock von der Normaltemperatur (etwa 35 Grad) auf 39 Grad Celsius aufheizen. Diese Temperatur ist für Bienen noch erträglich, für die sie befallenden Varroamilben jedoch bereits tödlich. Ein Temperaturfühler innerhalb des Stocks sowie die elektronische Steuerung sorgen dafür, dass es nicht noch heißer wird im Stock, denn ab 42 Grad wird es auch für Honigbienen gefährlich.

Die Behandlung eines einzelnen Honigbienenvolkes in seinem Stock dauert 2,5 bis 3 Stunden und soll laut Empfehlung im Laufe eines Jahres weitere dreimal wiederholt werden.

Die Bienensauna wurde in Süddeutschland entwickelt und unter anderem 2016 mit dem Gründerpreis der Stadtsparkasse München ausgezeichnet. Hersteller und viele Nutzer preisen sie als die Insekten selbst schonende und ökologische Form der Schädlingsbekämpfung. Alternativ setzten Imker sonst chemische Mittel ein, um Parasiten wie die Varroamilbe zu bekämpfen, darunter Ameisensäuer.

Die neue Wärmetechnik hat aber ihren Preis. Eine neue Bienensauna mit dazugehörigem Befeuchtungsmodul – gegen das Austrocknen der Honig sammelnden Insekten – kostet laut Hersteller ab 1500 Euro. akö

Dass dieses ausgefeilte System überhaupt angeschafft werden konnte, sei dem AES-Förderverein zu verdanken, ergänzt ihr betreuuender Lehrer Ralf Richter Riessland. Die ersten Untersuchungen seien vielversprechend. Nach dem ersten Behandlungsdurchgang seien noch 15, nach dem zweiten Durchgang nur noch fünf der Bienen schädigenden Milben tot im Stock gefunden worden. Zum Vergleich: Üblich sind wenige Dutzend, bei einem heftigen Befall können es mehrere Hunderte Milben sein. Die Bienen wiederum zeigten – anders als bei einer chemischen Schädlingsbekämpfung – kaum Reaktionen. „Sie waren nur etwas träger und haben weniger Honig produziert“, erklärt Felix.

Die weiterführenden Ergebnisse wollen er und Merle beim nächsten Regionalwettbewerb von Jugend forscht im Jahr 2019 vorstellen.

Von Astrid Köhler

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