Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Osterkamp mahnt: Jeder Mensch hat eine Geschichte
Umland Laatzen Nachrichten Osterkamp mahnt: Jeder Mensch hat eine Geschichte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:27 02.01.2018
Rolf Pätzold, Vorsitzender des Regionskirchenvorstands überreicht Dietlind Osterkamp einen Bildband als Dankeschön Quelle: Andrea Weber
Anzeige
Rethen

 Beim 21. Neujahresempfang der Kirchenregion Laatzen hat am Montag Dietlind Osterkamp das Wort auf der Laienkanzel ergriffen. Im Zentrum der Ansprache der Laatzener Tafelvorsitzenden und Jobcenter-Leiterin stand die Jahreslosung aus der Offenbarungsgeschichte: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21,6)

Der Alt-Laatzener Pastor Matthias Freytag begrüßte rund 100 Besucher in der St.-Petri-Kirche in Rethen, darunter Bürgermeister Jürgen Köhne und sein Stellvertreter Ernesto Nebot Pomar. Christian Ganswindt begleitete die Andacht auf Orgel und Geige.

Die Tafelvorsitzende und Leiterin des Laatzener Jobcenters Dietlind Osterkamp spricht am Neujahrstag bei der Laienkanzel in der St.-Petri-Kirche in Rethen.

Osterkamp hinterfragte sodann die Bedeutung der Begriffe ,Durst’ und ,umsonst’. Mit Ersterem sei sowohl Wissensdurst und Lebenshunger zu bezeichnen, aber auch Hunger und Durst im wahrsten Sinne. Die gelernte Sozialarbeiterin erzählte aus ihrem Berufsalltag als Vorsitzende der Tafel für Laatzen, Hemmingen und Pattensen (seit 2013) und Bereichsleiterin des Jobcenters in Laatzen und des Standortes Freundallee (seit 2012).

Ihr sei es schon immer auf den Menschen angekommen, betonte Osterkamp. Als Bereichsleiterin sei sie zwar zunehmend mit organisatorischen Aufgaben befasst, dennoch seien ihre persönliches Gespräche wichtig: „Wer mit mir ein Gespräch führen möchte, wird auch einen Termin bekommen!“ Hinter jedem ,Vorgang’ stünde schließlich ein Mensch und hinter diesem eine Familie.  

Ähnliches gilt für ihren Einsatz bei der Laatzener Tafel, die Osterkamp 2007 mit zwei Kollegen gründen, unter dem Motto: Helfen, zu helfen. Aktuell nutzen mehr als 1000 Bedürftige das wöchentliche Angebot der Essensausgabe. Mehr als die Hälfte davon sind Kinder. 220 Ehrenamtliche sind in den drei Kommunen für die Tafel engagiert – vom Abholen der Lebensmittel bis zur Ausgabe. 

Obwohl die Tafel hoch angesehen ist und von vielen Supermärkten, Geschäfts- und Privatleuten unterstützt wird, sei auch immer wieder Kritik zu hören. Die Menschen sollten sich eine Arbeit suchen und sich selbst versorgen heißt es. Osterkamp berichtete von dem Beispiel eines jungen, zuvorkommenden Mannes. Obwohl dieser eine Förderschule besucht hatte, reichten seine geistigen Fähigkeiten nicht für eine Ausbildung. Zugleich wurde aber auch seine Lernbehinderung nicht anerkannt. So bliebe ihm nur der Weg zur Tafel. „Sagen Sie mir, wer gibt ihm eine Arbeit, die es ihm ermöglichte, für seinen Lebensunterhalt aufzukommen und nicht mehr auf Transferleistungen angewiesen zu sein?“, fragte Osterkamp. 

Die Tafelvorsitzende und Jobcenterleiterin kam erneut auf die Jahreslosung 2018 zu sprechen, wonach dem Durstigen von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst gegeben werden solle: „Wir dürfen nicht pauschal urteilen, sondern sollten genau hinsehen: Welcher Weg hat den Einzelnen hierher geführt?“ 

Abschließend dankte Rolf Pätzold, Vorsitzender des Regionskirchenvorstandes, Osterkamp für ihre Ansprache und überreichte einen großformatigen Bildband mit dem Titel „Stadt, Land, Gott“.

Die Kirchenregion Laatzen besteht aus den fünf evangelischen Gemeinden Immanuel, St. Marien, Thomas, St. Petri und St. Gertruden. Seit mehr als zehn Jahren lädt die Kirchenregion zu einem besonderen Neujahrsgottesdienst ein, bei dem Personen des öffentlichen Lebens predigen. 

Auf der Laienkanzel standen zuletzt der Autor und HAZ-Redakteur Imre Grimm, Laatzens Bürgermeister Jürgen Köhne und die Direktorin des Landesmuseums Hannover Katja Lembke. Die erste Referentin bei einer Laienkanzel, die Anstöße für das neue Jahr geben sollte,  war im Januar 1998 die damalige niedersächsische Umweltministerin Monika Griefahn.

Von Andrea Weber

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mit dem Besuch verschiedener öffentlicher Einrichtungen haben die Sternsinger von St. Oliver am Dienstag ihre diesjährige Sammelaktion gestartet und den Segensspruch „20xC+M+B+18“ an verschiedene Türen geklebt: darunter bei der Polizei, der Feuerwehr, im Rathaus und bei der HAZ/NP-Geschäftsstelle.

02.01.2018

Die Katzenbrüder Amadeus und Mozart hatten keinen guten Start ins Leben. Jetzt sucht der Arnumer Tierschutzverein ein neues Zuhause für die Tiere – gemeinsam.

02.01.2018

Die Stadt Laatzen schreibt neuerdings für Neubaugebiete einen Anteil an Sozialwohnungen vor: In bestimmten Bebauungsplänen muss ein Viertel des Wohnraums eine Sozialbindung bekommen.

01.01.2018
Anzeige