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Nachrichten Vor dem Leine-Center knallt es ein- bis zweimal pro Woche
Umland Laatzen Nachrichten Vor dem Leine-Center knallt es ein- bis zweimal pro Woche
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00:21 29.03.2018
Der eine setzt zurück, die nächsten stehen schon zum Einparken bereit. Da kann es schnell eng werden. In dem fotografierten Fall in Laatzen ging zwar alles gut, doch insgesamt zählte die Polizei in der Stadt und Region Hannover 36.770 Unfälle und rund ein Drittel davon ereignete sich auf Parkplätzen. Quelle: Katharina Kutsche
Laatzen-Mitte

 Rund 1400 Parkplätze hat das Leine-Center in Laatzen-Mitte. Viel Platz also für Einkäufer und Shoppingbegeisterte, aber auch genug Raum, um sich in die Quere zu kommen. Die Beulen und Kratzer, die bei sogenannten Parkremplern regelmäßig entstehen, sind nicht nur ärgerlich, sie können auch bis ins Amtsgericht führen. 

Im Durchschnitt ein- bis zweimal pro Woche nehmen die Beamten der Laatzener Polizei einen Unfall auf den Parkplätzen rund ums Leine-Center auf. Im Jahr 2015 beispielsweise habe es 87 solche Fälle gegeben, sagt Gordon Hartmann, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes. „Das Klassiker ist, dass man beim Ein- oder Ausparken ein anderes geparktes Fahrzeug beschädigt, weil man die Fahrzeugmaße nicht richtig einschätzt“, sagt Hartmann. Ungefähr jeder zehnte Unfall in Laatzen geschieht auf einem der Center-Parkplätze – im Jahr 2015 krachte es auf Laatzens Straßen insgesamt 857 Mal.

Im Durchschnitt ein- bis zweimal pro Woche nehmen die Beamten der Laatzener Polizei einen Unfall auf den Parkplätzen rund ums Leine-Center auf. Für das Jahr 2015 zählten die Beamten 87 derartige Fälle. Quelle: Katharina Kutsche

Und die Zahl der Unfälle steigt, heißt es aus dem Verkehrsdezernat der Polizeidirektion: Der Verkehr werde dichter, die Autos größer. Immer wieder seien Menschen nach einem Unfall überfordert mit der Situation, gerieten in Panik oder wüssten gar nicht, wie sie sich richtig verhalten. Das führe dazu, dass auch die Zahl der Unfallfluchten steigt: 284 waren es zuletzt in Laatzen. Fast jeder dritte Verursacher probiert demnach, sich seinen Pflichten zu entziehen. Der größte Anteil dieser Unfallfluchten bezieht sich auf Parkplatzrempler oder andere Unfälle im ruhenden Verkehr, ergänzt Hartmann. Er betont, dass dies keineswegs Kavaliersdelikte seien. „Ab einem Fremdschaden von 1500 Euro kann bei einer Unfallflucht der Führerschein eingezogen werden“, betont der Leiter des Einsatz- und Streifendienstes in Laatzen.

Parkplätze sind übrigens dann öffentlicher Verkehrsraum, wenn sie öffentlich zugänglich sind – so wie der Parkplatz des Leine-Centers. Es gilt die Straßenverkehrsordnung und hier Paragraph 1: Wer am Straßenverkehr teilnimmt, ist zur ständigen Vorsicht und gegenseitigen Rücksicht verpflichtet. Anders wäre es, wenn etwa das Parken vor einem Hotel nur den Gästen erlaubt ist. Ein Dauer-Irrglaube ist übrigens, dass auf Parkplätzen rechts vor links gilt – siehe Paragraph 1.

Welche Pflichten haben Fahrer nach einem Unfall? Wie verhalte ich mich richtig, wenn es auf dem Parkplatz gerumst hat? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund ums Thema Unfall:

Was muss ich machen, wenn ich ein anderes Auto beschädigt habe?

Wer den Unfall ohne die Polizei regeln will, muss sich mit dem Besitzer des anderen Wagen einigen. Am besten ist, die Schäden zu fotografieren, Namen, Adressen und die Versicherungsdaten auszutauschen und Marke, Modell und Kennzeichen der beteiligten Autos zu notieren. Praktisch: Einige Versicherungen bieten fertige Formulare oder Merkkärtchen für den Schadensfall, die man ins Handschuhfach legen kann. Thomas Melletat, Rethener Rechtsanwalt und Experte für Verkehrsrecht, empfiehlt außerdem, nach einem Unfall sofort zu schauen, ob es einen Zeugen gibt – "und zwar jemanden, der den Unfall gesehen, nicht nur den Knall gehört hat."

Was ist, wenn der Fahrer des anderen Autos nicht da ist?

Die Straßenverkehrsordnung schreibt vor, dass man eine "angemessene Zeit" am Unfallort warten muss. Die Gerichte gehen dabei von mindestens 30 Minuten aus. Wenn dann immer noch niemand da ist, muss die Polizei gerufen werden – einen Zettel hinterlassen reicht nie aus! Andernfalls machen Sie sich einer Unfallflucht schuldig und das ist eine Straftat. Im Zweifelsfall also lieber die 110 anrufen.

Und wenn jemand verletzt wurde?

Zunächst gilt: 112 anrufen und erste Hilfe leisten. Die Rettungsleitstelle ruft automatisch die Polizei an. Denn wenn jemand bei einem Verkehrsunfall verletzt wurde, steht automatisch der Verdacht einer fahrlässigen Körperverletzung im Raum – auch das ist eine Straftat und muss durch die Polizei aufgenommen werden.

Wer hat Schuld?

Das stellt nicht die Polizei fest, sondern das Gericht. Oft gehen Juristen davon aus, dass beide Beteiligten nicht aufmerksam genug waren, bevor es krachte. Dann machen die Versicherungen halbe-halbe. Der Polizei geht es am Unfallort darum, die Unfallursache zu klären. Sie wird nicht nach der Schuld fragen – wohl aber die Versicherungen. Daher: Unterschreiben Sie am Unfallort nicht, dass Sie Schuld am Unfall sind.

Es war doch nur ein Park-Rempler. Warum landet so etwas vor Gericht?

Etwa wenn sich beide Beteiligten im Recht fühlen, aber Aussage gegen Aussage steht. Da ist es umso wichtiger, einen Zeugen zu haben, der gesehen hat, wie es zum Unfall kam. Und dann gilt es, den Schaden nicht zu unterschätzen. Rechtsanwalt Melletat etwa hat fast jede Woche einen Fall, indem jemand wegen Unfallflucht angezeigt wurde, etwa weil derjenige zwar ausgestiegen ist und das andere Auto angeschaut, aber keinen Schaden gesehen hat. Da kann man sich schnell täuschen. Melletat sagt, seiner Erfahrung nach gebe es selten einen Schaden unter 1000 Euro, schon die Kosten für einen Gutachter treiben den Betrag in die Höhe.

Info: Rummss! Die Landesverkehrswacht Niedersachsen hat im vergangenen Jahr eine landesweite Kampagne gegen Unfallfluchten nach Park-Remplern gestartet. Nähere Informationen gibt es hier. Die Verkehrswacht hat auch ein Video zur Aktion erstellt. Dies ist zu finden unter 

Von Katharina Kutsche

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