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Laatzen Bienen vertragen Sauna besser als Säure
Umland Laatzen Bienen vertragen Sauna besser als Säure
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00:19 10.10.2018
Merle (13, links) und Jean-Luc (13)dokumentieren die Temperaturen am Heizelement der Bienensauna und im Bienenstock. Quelle: Daniel Junker
Laatzen-Mitte

Mit viel Geduld sitzen Merle und Jean-Luc vor dem Bienenstock im Schulgarten der Albert-Einstein-Schule an der Würzburger Straße. Immer wieder blicken sie auf ein Gerät, das Hobbyimker Bernd Albers am frühen Morgen unter dem Bienenstock installiert hat. Es ist eine sogenannte Bienensauna, die die Temperatur im Inneren des Bienenstocks in die Höhe treibt – und zwar bis auf über 40 Grad Celsius. Merle und Jean-Luc messen die Temperatur der Heizplatten sowie die Hitze, die im Inneren des Bienenstocks entsteht, und führen darüber Protokoll. Zudem achten sie darauf, dass das Gerät die Temperatur im Bienenstock konstant bei etwa 41 Grad hält.

Merle und Jean-Luc arbeiten an einem Projekt, mit dem sie beim Wettbewerb „Jugend forscht“ antreten wollen. Sie wollen herausfinden, ob sich mit dem Einsatz der Bienensauna die schädliche Varroamilbe reduzieren lässt. Die Milbe saugt die Körperflüssigkeit der Bienenlarven, wodurch die Biene an Gewicht verliert und wesentlich kürzer lebt. „Sie überträgt aber auch Krankheitserreger“, sagt Albers, der das Projekt zusammen mit dem Lehrer Ralf Richter-Riessland betreut. Viele Bienen würden daran sterben – was zum Verlust eine ganzen Volks führen könne. „Nicht behandelt breitet sich die Milbe derartig aus, dass das Bienenvolk kaum eine Chance hat“, so Albers. „Mit dem Problem kämpfen fast alle Imker.“

Zehntklässler an der Laatzener Albert-Einstein-Schule untersuchen, wie sich der Einsatz von Hitze auf parasitäre Varroamilben und die Gesundheit von Bienenvölkern auswirkt.

Bienensauna hält Varroamilbe in Schach

Die Bienensauna soll die Ausbreitung der Varroamilbe verhindern. „Die Milbe stirbt bei einer Temperatur von 41 Grad, die Bienen aber nicht“, erklärt Merle das Vorgehen. Viermal hat sie die Bienensauna in diesem Sommer bereits zusammen mit Jean-Luc in Betrieb genommen. Nach jedem Einsatz zählen die Zehntklässler die gestorbenen Milben, die durch den Bienenstock auf das Heizgerät herabfallen.

Zwar können gegen die Varroamilbe auch 60-prozentige Ameisensäure eingesetzt werden. „Das bedeutet für die Bienen aber viel Stress“, erläutert Albers. Und. „Man kann keine Ameisensäure einsetzten, wenn Honig im Bienenstock ist.“ Dieser sei dann ungenießbar. Die Säure könne also erst ab Juli eingesetzt werden, wenn der letzte Honig abgeschleudert ist. Die Bienensauna könne hingegen auch während des Honigeintrags betrieben werden – ohne Schädigung der Bienen oder des Honigs.

Im Rahmen ihres Projektes vergleichen Merle und Jean-Luc den Einsatz der Bienensauna und die Behandlung mit Ameisensäure. Deshalb beobachten sie im Schulgarten gleich zwei Bienenvölker. Bei einem kommt die Sauna zum Einsatz, beim anderen „Kontrollvolk“ die Ameisensäure. Die beiden Zehntklässler haben herausgefunden, dass sich die Varroamilben durch den Einsatz der Sauna in Schach halten ließen. „Wir haben nach jeder Behandlung im Schnitt nur fünf Milben gefunden“, sagt Jean-Luc. „Das bedeutet, dass sie sich nicht so sehr vermehren können.“ Das andere Bienenvolk wurde während des Honigeintrags gar nicht behandelt, im Juli erfolgte dann der Einsatz der Ameisensäure. „Nach der Behandlung haben wir mehr als 40 tote Milben entdeckt“, sagt Merle. „Das bedeutet, dass dort die Anzahl der Milben im gleichen Zeitraum deutlich gestiegen ist.“

 Bei einem weiteren Durchgang im Herbst sei das Ergebnis sogar noch eindeutiger, berichtet Albers. Während in der Sauna nur jeweils fünf bis zehn Varroen entdeckt würden, seien es bei der Ameisensäure-Kontrollgruppe 200 gewesen. „Ich hätte nicht gedacht, dass der Vergleich so frappierend ist“, sagt Albers und spricht von einem „vollen Erfolg“.

Hätten die Schüler die Bienenvölker gar nicht behandelt, wäre die Anzahl der Milben in der Folge rapide angestiegen, sagt Albers und zeigt eine Grafik, in der die Vermehrung der Varroamilbe dargestellt ist. Ohne Behandlung wäre die Zahl der Milben demnach auf über 1000 gewachsen. „Das hätte das Volk nicht überlebt, und wir hätten im nächsten Jahr keine Bienen mehr.“

Schüler machen bei Jugend forscht mit

Die Ergebnisse ihres Projektes wollen Merle und Jean-Luc beim nächsten Jugend-forscht-Wettbewerb vorstellen. Bienensaunen seien noch nicht weit verbreitet, aber für alle Imker interessant – insbesondere für diejenigen, die vom Honigertrag leben. Mit der Sauna lasse sich die Verbreitung der Milbe über einen langen Zeitraum regulieren, „und der Einsatz ist für die Bienen verträglicher“, sagt Albers. Langfristig würden die Völker dadurch gesünder. Dies hätten Erfahrungsberichte von Imkern belegt.

Der Einsatz des Heizgerätes sei an der AES allerdings anfangs nicht ganz problemlos verlaufen, berichtet Richter-Riessland. „Die Betriebsanleitung war ziemlich unpräzise.“ Deshalb hätten die Schüler und Lehrer den Thermostat zunächst nicht im, sondern auf dem Bienenstock angesetzt. Da die Wärme vom unten eingesetzten Heizgerät durch den Bienenstock nach oben steigt und sich dadurch abkühlt, hätten die Schüler und Lehrer die Temperatur der Sauna anfangs zu hoch eingestellt. „Das erste Volk haben wir weggekocht“, sagt Richter-Riessland. Zwar habe der Temperaturunterschied nur bei zwei Grad gelegen – für die Bienen war das aber offenbar zu viel. Richter-Riessland vergleicht dies mit Fieber beim Menschen. „Bei 39 Grad haben Sie hohes Fieber, bei 41 Grad sind Sie tot.“

Die Lehrer haben daraufhin ein neue Bienenvolk gezüchtet und den Hersteller der Bienensauna kontaktiert, der den Hinweis mittlerweile in die Betriebsanleitung aufgenommen hat. Die 1600 Euro teure Bienensauna hat der Förderkreis der AES finanziert.

Milbe ist der größte Bienenschädling

Die Varroamilbe gilt als größter Bienenschädling weltweit. Sie lebt als Parasit im Bienenstock und ernährt sich von der Körperflüssigkeit der Bienen. Zudem überträgt sie Viren. „Die Milbe wurde aus dem asiatischen Raum nach Europa eingeschleppt“, sagt Bernd Albers, der das Projekt an der Albert-Einstein-Schule betreut. Mittlerweile sei der Parasit auf der ganzen Welt anzutreffen. In Asien gebe es ein Gleichgewicht zwischen Milben und Bienen. „Die dortigen Bienen können den Parasiten besser entfernen.“ In Europa würden hingegen viele Bienenvölker durch den Befall sterben. Zwar gebe es Versuche, Varroa-Toleranz-Bienen zu züchten. „Das dauert gemäß der Evolution aber entsprechend lange“, sagt Albers. Deshalb sei der Einsatz von 60-prozentiger Ameisensäure oder einer Bienensauna derzeit noch unumgänglich. dj

Von Daniel Junker

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