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Laatzen Archäologen entdecken Siedlung aus der Bronzezeit
Umland Laatzen Archäologen entdecken Siedlung aus der Bronzezeit
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00:20 08.12.2018
Fast ein Jahr hat eine Grabungsfirma die künftige Logistikfläche Rethen-Ost auf archäologische Funde hin untersucht. Quelle: Archaeofirm GbR
Rethen

Drei Jahre nach der Entdeckung des Wilkenburger Römerlagers haben Archäologen bei Laatzen umfangreiche Reste einer prähistorischen Besiedlung gefunden. Auf der Logistikfläche Rethen-Ost legten die Forscher zwei komplette Gräberfelder sowie andere Siedlungsreste frei. Die Funde stammen aus der jüngeren Bronzezeit (1200 bis 500 vor Christus) sowie aus den zwei Jahrhunderten vor und nach Christi Geburt.

Fast ein Jahr lang haben die Archäologen die Fläche am Schnittpunkt der Bundesstraßen 6 und 443 gegenüber dem ADAC-Fahrsicherheitszentrum untersucht: Die ersten Suchschnitte begannen bereits im November 2017, gedauert haben die Arbeiten bis Mitte Oktober dieses Jahres. „Es sind über 900 Befunde zutage gekommen“, sagt Friedrich-Wilhelm Wulf vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Entdeckt wurden etliche Tonscherben von Urnen und Geschirr, Brandgräber, verbrannte Knochen, Pfostenlöcher sowie Metallspangen und -nadeln.

Archäologen haben auf der künftigen Logistikfläche östlich von Rethen Spuren einer prähistorischen Besiedlung gefunden. Die Bewohner dürften in Kontakt zum Wilkenburger Römerlager gestanden haben.

Die Auswertung ist noch in vollem Gange: Derzeit werden sie von der Grabungsfirma dokumentiert, gereinigt und beschriftet. Die weitere Untersuchung könnte noch spannend werden: „Wir wollen klären, inwieweit ein Zusammenhang mit dem römischen Marschlager in Wilkenburg besteht“, sagt Bezirksarchäologe Wulf: „Die Menschen, die den jüngeren der beiden Friedhöfe angelegt haben, haben zu der Zeit gelebt, in der die Römer hier lagerten. Es besteht eine Wahrscheinlichkeit, dass sie Kontakt hatten.“

Gräberfelder sind vollständig erhalten

Besondere Rückschlüsse erhoffen sich die Forscher auch aus der Tatsache, dass beide Gräberfelder komplett erhalten sind. „Es passiert schon selten, das man einen gesamten Friedhof erfassen und ausgraben kann“, sagt Tobias Poremba von der Grabungsfirma Archaeofirm, die die Grabungen durchgeführt hat. „Damit lässt sich hochrechnen, wie viele Leute in der kleinen Siedlung gelebt haben“, ergänzt Wulf. Notwendig seien dafür allerdings noch anthropologische Untersuchungen der verbrannten Knochen. Beim jüngeren Gräberfeld, das aus den jeweils zwei Jahrhunderten vor und nach Christi Geburt stamme, wurden 380 Brandgräber freigelegt. Beim älteren Gräberfeld aus der jüngeren Bronzezeit seien es rund 50 Gräber.

Grundrisse kompletter Wohngebäude ließen sich nicht feststellen, es wurden lediglich Pfostenlöcher gefunden, die darauf schließen lassen. „Aber es konnte ein Speichergebäude rekonstruiert werden“, sagt Wulf – ein etwa drei mal vier Meter großes Nebengebäude, in dem Getreide und andere Nahrungsmittel aufgewahrt wurden. „Diese Gebäude standen auf Pfosten, so das sie vor Nagern wie Ratten und Mäusen geschützt waren.“ Die Datierung der Siedlung schätzt er grob auf das erste Jahrtausend vor Christus. Für eine genauere Bestimmung müsse zunächst die Reinigung und Sichtung der Einzelfunde abgewartet werden. „Anhand der Machart sieht es nach der jüngeren Bronzezeit oder Eisenzeit aus.“ Genauere Erkenntnisse verspricht auch eine noch ausstehende C14-Analyse der geborgenen Holzkohle.

Werkzeuge oder Waffen wurden nicht entdeckt – aus Sicht Wulfs wenig überraschend: „Bronzegeräte wurden immer wieder eingeschmolzen und recycelt.“ Allerdings habe man hunderte kleine, stark korrodierte Metallfunde gehoben, die als Trachtbestandteile dienten: Gürtelschnallen, Nadeln und sogenannte Fibeln – teils verzierten Spangen, mit denen Gewänder zusammengehalten wurden. Der Großteil der sichergestellten Funde seien kaputte Keramikgefäße.

Entdeckt haben die Archäologen auch fast 300 Lehmgruben, die einst zum Verputzen der Häuser ausgehoben wurden. Sie wurden zugleich als Abfallgruben genutzt, beispielsweise für Siedlungsschutt. So fanden die Archäologen darin sogenannten Brandlehm vor: Reste verbrannter Häuser, deren Ton beim Feuer ziegelrot wurden. Freigelegt wurden auch Vorratsgruben, die der unterirdischen Lagerung von Lebensmitteln dienten.

Siedlungskern liegt weiter östlich

Unterm Strich hätten die Ausgrabungen keine völlig neuen Erkenntnisse ergeben, meint Wulf. „Aber sie ergänzen unser bisheriges Bild über Siedlungs- und Lebensweise der Menschen seit der jüngeren Bronzezeit.“ Einige Geheimnisse liegen unterdessen noch im Boden: So vermuten die Archäologen den eigentlichen Siedlungskern weiter östlich in einem Bereich, der nicht mehr zum Gebiet der Logistikfläche gehört, die 2019 erschlossen werden soll.

Der Abschlussbericht der Grabungen wird für Anfang 2019 erwartet. Danach sollen die Ergebnisse offiziell vorgestellt werden. Bislang hat das Landesamt zwei Urnen restaurieren lassen, eine dritte sei in Arbeit. Gut möglich, dass sie bald auch in Laatzen zu sehen sein werden: „Wir streben an, nächstes Jahr in Laatzen oder andernorts eine Ausstellung zu zeigen“, kündigt Wulf an.

Logistikfläche soll 2019 erschlossen werden

Für die Hannover Region Grundstücksgesellschaft (HRG) sind die Ausgrabungen ein echter Kostenfaktor: Projektleiter Holger Keese rechnet mit einer Summe von mehreren hunderttausend Euro, die die HRG für die archäologischen Untersuchungen zahlen muss. Die HRG will auf dem 30 Hektar großen Gelände eine Gewerbefläche erschließen, auf der insbesondere Logistikunternehmen angesiedelt werden.

Die Pläne hatten sich zuletzt immer wieder verzögert. Dabei spielen die archäologischen Untersuchungen nur eine untergeordnete Rolle – Hauptgrund waren vielmehr artenschutzrechliche Belange. So forderte die Region als Untere Naturschutzbehörde Ausweichquartiere für Feldhamster und einen Artenschutzausgleich für Lerchen und Kiebitze ein. Inzwischen wurde auf Rethener Gemarkung eine Fläche von drei Hektar entsprechend hergerichtet, teilt die Stadt Laatzen mit, die für die Bauleitplanung dort zuständig ist. Auch bei den Vögeln stehe man vor dem Abschluss: „Wir sind optimistisch, das wir den Ausgleich in den kommenden Wochen nachweisen können“, sagt Stadtsprecher Matthias Brinkmann.

Die Stadt geht davon aus, dass der Bebauungsplan im März 2019 beschlossen werden kann, so dass die Erschließung beginnen könnte. HRG-Projektleiter Keese rechnet mit einer Erschließungsdauer von etwa einem Jahr. Welche Unternehmen sich dort niederlassen, ist noch nicht bekannt. Laut Keese gebe es „mehrere Interessenten“.

Von Johannes Dorndorf

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