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Laatzen Test: Wie barrierefrei ist das Aqualaatzium?
Umland Laatzen Test: Wie barrierefrei ist das Aqualaatzium?
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12:14 11.09.2018
Test der Barrierefreiheit: Der blinde Olaf Lichy mit Führhündin Meral sowie weitere Vertreter des Initiativkreises Menschen mit Behinderungen lassen sich von Carsten Otte (rechts) das Aqualaatzium zeigen. Quelle: Stephanie Zerm
Grasdorf

Airedale-Terrier-Hündin Meral steht am Beckenrand im Aqualaatzium und beäugt vorsichtig die im spritzenden Wasser spielenden Kinder. So ganz geheuer ist ihr die Situation nicht. Denn bislang war sie noch nie in einem Schwimmbad. Dabei ist sie nicht der erste Hund, der das Aqualaatzium besucht – aber der zweite. Im Allgemeinen sind Hunde dort verboten. Lediglich Blindenführhunde wie Meral dürfen ihre behaarte Pfote in das Schwimmbad setzen – wie es einige Jahren zuvor schon ihre gleichfalls zu dem Laatzener Olaf Lichy gehörende Vorgängerin gemacht hat. Der Zutritt von Assistenzhunde in Bäder ist gesetzlich vorgeschrieben, denn sie gelten als medizinische Hilfsmittel und haben damit einen ähnlichen Status wie der weiße Langstock oder ein Rollstuhl.

Am Donnerstagabend hat Meral mit ihrem blinden Herrchen und fünf weiteren Mitgliedern des Initiativkreises Menschen mit Behinderung in Laatzen das Aqualaatzium besucht. Der Kreis hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Leben für Behinderte in Laatzen einfacher zu gestalten. Daher hat er auch die Freizeiteinrichtung in Grasdorf auf ihre Barrierefreiheit überprüft, so wie zuletzt 2012.

Christina Tietze (links) vom Initiativkreis für Menschen mit Behinderung prüft in einem vom Aqualaatzium bereit gestellten Rollstuhl die Ausstattung der Umkleideräume und Dusche für Behinderte. Quelle: Stephanie Zerm

„Damals hatten wir einige Punkte kritisiert, die für Rollstuhlfahrer problematisch sind“, berichtet Initiativkreis-Sprecher Olaf Lichy. Seitdem habe sich jedoch viel geändert. Mittlerweile habe das Aqualaatzium eine sehr hohe Qualität, was seine Behindertenfreundlichkeit angehe: Es bietet unter anderem zwei rollstuhlgerechte Umkleidekabinen sowie zwei Liegendduschen mit Klappbänken, die auch für Schwerstbehinderte geeignet sind.

Rollstuhlfahrerin Christina Tietze begrüßte, dass es einen gut funktionierenden Rollstuhl im Aqualaatzium gibt, den Behinderte bei Bedarf nutzen können. „Oft sind die zur Verfügung gestellten Badrollstühle nicht mehr die besten und sehr schwergängig“, erklärte Tietze. Der im Grasdorfer Bad sei jedoch fast neu.

„Wir erneuern die Rollstühle etwa alle sechs Monate“, berichtete Geschäftsführer Carsten Otte. Durch die ständige Belastung mit Chlor nähmen die Rollstühle schnell Schaden. Tietze ist zufrieden: „Auch die ungeeigneten Plastikstühle in der Behindertendusche sind mittlerweile durch passende Badstühle ersetzt worden.“ Zudem gibt es etwa seit 2011 einen mobilen Lift, mit dem gelähmte Menschen ins Wasser gelassen werden können.

Geriffelte Abgrenzung am Beckenrand hilft

Olaf Lichy bewertete es positiv, dass es eine geriffelte Abgrenzung am Beckenrand gibt, so dass Sehbehinderte Menschen wissen, wo das Schwimmbecken beginnt. „Und auch die neue Doppelrutsche ist für Blinde geeignet“, freute er sich.

„Wenn behinderte Menschen Hilfe benötigen, können sie uns jederzeit ansprechen. Dafür sind wir da“, erklärte Aqualaatzium-Geschäftsführer Otte. Es seien jederzeit mindestens zwei Mitarbeiter an der Kasse sowie drei im Badbereich. Behinderte Kinder und deren Begleitpersonen hätten zudem freien Eintritt.

Initiativkreis hat Anregungen

Ein paar Anregungen hatte der Initiativkreis aber doch: „Es wäre schön, wenn im Bereich der Haarföhne noch Stühle ständen“, sagte Christina Tietze. „Und in den Behindertenumkleidekabinen könnten ein paar mehr Kleiderhaken sein.“ Außerdem hat der Initiativkreis noch einen dritten Vorschlag: Für Sehbehinderte zu bestimmten Zeiten eine Bahn zu sperren. „Dann müssten wir keine Angst haben, gegen andere Menschen zu schwimmen“, sagte Lichy.

Aus Sicht von Carsten Otte wäre dies kein Problem: „Genau dafür ist unser Wettkampfbecken gedacht.“ Die sieben Bahnen würden regelmäßig von Vereinen und Schulen genutzt. Es sei kein Problem, in einer festgelegten Zeit, eine Bahn für sehbehinderte Menschen zu reservieren.

Von Stephanie Zerm

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