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Langenhagen Laubfrosch adelt Biotop im alten NJK-Teich
Umland Langenhagen Laubfrosch adelt Biotop im alten NJK-Teich
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12:25 11.10.2018
"Volltreffer" - Ricky Stankewitz' Ruf aus dem Schilf gilt der ersten gefundenen Larve des besonders geschützten und anspruchsvollen Laubfrosches. Quelle: Rebekka Neander
Schulenburg-Nord

Wo genau Ricky Stankewitz in diesem Moment ist, lässt sich nur erahnen. Fest aber steht: Er hat gute Laune. „Volltreffer!“ Dieser Ausruf an einem frühen, noch kühlen Sonntagmorgen mitten im Schilf erlaubt keinen Zweifel. Der Vorsitzende des Langenhagener Ortsvereins des Naturschutzbundes (Nabu) hält offenbar etwas in Händen, mit dem er nicht gerechnet hatte. Wenige Momente später stapft Stankewitz in hohen Gummistiefeln aus den mannshohen Pflanzen hervor und streckt seinen Fund entgegen: Auf den ersten (laienhaften) Blick ein quirliges Durcheinander moorbraunen Froschnachwuchses, vermengt mit dem, was noch eine Schnecke werden will. Doch mittendrin ist eine Kaulquappe anders als die anderen: „Ein Laubfrosch!“

So klein der Fund auch sein mag: Die gerade einmal Daumennagel große Larve ist für Stankewitz ein symbolischer Meilenstein – und irgendwie ein bisschen auch für den Flughafen gleich nebenan. Denn es ist der erste dokumentierte Nachweis, dass in den Tiefen des ehemaligen NJK-Teichs zwischen der alten Uferböschung und den in den vergangenen Jahren aufgetürmten Erdladungen bereits mehr entstanden ist als nur Schilf. „Der Laubfrosch ist eines der anspruchsvollsten Tiere, was seine Lebensumgebung betrifft. Und ich hätte nicht damit gerechnet, dass er sich hier schon jetzt einrichten konnte.“

Bis aus der ehemaligen Tonkuhle ein Komplex von Feuchtbiotopen wird, braucht es noch Zeit – und Erde.

Jahrzehntelang war die Wasserfläche, die nach dem nebenan auf dem Gelände des verlassenen Ruhrgas-Speichers beheimateten Niedersächsischen Jagd-Klub (NJK) benannt ist, ein vermeintlich idyllischer See. Vermeintlich, weil es aus Sicht der Ökologen nicht mehr war, als eine vollgelaufene Tonkuhle aus alten Zeiten der vielen Ziegeleien zwischen Schulenburg und Kananohe. Der See lockte mehr Spaziergänger, als es den Bewohnern des einzigen Hauses am Teich lieb war, vor allem aber bereitete er dem übergroßen Nachbarn dahinter Sorge: Als potentielle Wasserfläche für Großvögel identifizierte ihn der Flughafen als „Vogelschlag“-Risiko und beantragte 2011 bei der Region im Interesse der Fluggast-Sicherheit, den NJK-Teich abpumpen und in kleine Feuchtbiotope umwandeln zu lassen.

Im Herbst 2012 begann das große Abfischen: Nur Tiere bis zu einer Länge von 30 Zentimetern würde der Zoo Hannover als Futter akzeptieren. Größere Fische holten sich schließlich die Angelvereine der Umgegend, um sie in ihre eigenen Teiche umzusetzen. Vollends gelang das nicht. Auch nicht, dass – wie im ersten Antrag geplant – in der Kuhle innerhalb von fünf Jahren genügend Lasterladungen voller Erdaushub landen würden. 2017 beantragte der Flughafen deshalb eine Verlängerung des sogenannten Planfeststellungsbeschlusses um weitere vier Jahre. Die Region genehmigte dies, jedoch mit der Auflage, schon jetzt mit der Zählung des zwischenzeitlich dort beheimateten Tierbesatzes zu beginnen.

Bis 2011 war die ehemalige Tonkuhle ein verborgenes Idyll im Wald.

Nabu entwickelt Ideen für eine Öffnung des Areals

„Teichfrösche haben sich hier sehr schnell eingefunden“, berichtet Ricky Stankewitz an diesem Morgen im Schilf. Für bestimmte Zeiträume muss der Naturschützer nun alles zählen, was sich freiwillig in den am Rande der bereits aufgetürmten Erdberge eingefunden hat. Dazu hat die Nabu-Ortsgruppe Reusen selbst gebastelt. Es sind überwiegend Eimer mit großen Löchern, über die die obere Hälfte von Plastikflaschen geklebt wurden. „Damit kommen die Tiere rein, aber nicht wieder raus.“ Diese Eimer werden jeweils für eine Nacht ausgebracht und am nächsten Morgen ausgewertet. „Wir hatten in der Zwischenzeit bereits Laubfrösche hier gehört, aber bislang keinen Hinweis darauf, dass sie sich hier auch fortpflanzen.“ Mit dem überraschenden Fund nun aber sei er sehr sicher, mit dem Projekt auf dem richtigen Weg zu sein. Wenig später kommt von Stankewitz noch eine gute Nachricht. Diesmal nicht als Ausruf quer durchs Schilf, sondern als erfreute E-Mail. Bei einer späteren Kontrolle habe sich sogar die Larve eines Kammmolchs angefunden – und damit einer zweiten auf europäischer Ebene streng geschützten Art.

Wenn alles fertig ist, soll der NJK-Teich – oder besser: die NJK-Mini-Teich-Gruppe – als Komplex von Feuchtbiotopen hergerichtet werden, so dass sie auch für Spaziergänger (wieder) ein nettes Ziel wird. Wie genau das sein wird, dafür gibt es derzeit zwar einige Skizzen und Ideen. Doch gerade aus Sicht des Naturschutzes und der Jägerschaft ist derzeit umstritten, wie viele Menschen in dieses eigentlich verborgene Fleckchen gelockt werden sollen. Kurzfristig zählen jetzt erst einmal andere Termine: Seit Anfang Juli müssen die Larven nicht mehr gezählt werden. „Dann brauchen sie das Wasser nicht mehr, sondern entwickeln sich an Land weiter“, sagt Stankewitz, der sich speziell um seinen Mini-Laubfrosch ein bisschen weniger Sorgen machen muss. „Der Gelbbrandkäfer“, sagt Stankewitz, während sich ein Nachkömmling desselben auf Stankewitz’ Hand umherwindet, „ist für die Larve nur im Wasser eine wirkliche Gefahr, an Land nicht mehr.“ Im kommenden März oder April wird Stankewitz seine Zählerei wieder aufnehmen und vielleicht dann noch mehr „Volltreffer“ landen.

Von Rebekka Neander

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