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Langenhagen Silbersee bleibt „unbekanntes Gewässer“
Umland Langenhagen Silbersee bleibt „unbekanntes Gewässer“
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00:18 01.08.2018
Wo befinden sich am Ostufer des Silbersees überraschende Tiefen? Mitglieder der DLRG machen sich am Sonntag auf die Suche und haben dabei viele Zuschauer. Quelle: Rebekka Neander
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Langenhagen

Auf einmal sind sie weg. Eine deutliche Lücke klafft in der Menschenkette. Nur noch winkende Hände sind zu sehen, keine Schultern, kein Kopf. Doch Grund zur Sorge haben die unmittelbaren Nachbarn an diesem Sonntagvormittag nicht. Das Versinken ist in diesen Minuten am Ostufer des Silbersees geradezu geplant. Doch wie gravierend plötzlich und an welch überraschenden Stellen sich die Abbruchkanten unter Wasser in der erst seit zwei Jahren freigegebenen Badebucht darstellen, wird die Teilnehmer dieser von der DLRG initiierten Aktion noch eine Weile beschäftigen.

Zwei Badeunfälle innerhalb nur einer Woche sind Anlass dieses Treffens. In beiden Fällen konnten die Ertrinkenden, einmal sieben, das zweite Mal 15 Jahre alt, zwar lebend, aber nur noch in einem kritischen Zustand gerettet werden. Wie es ihnen inzwischen geht, darüber schweigt sich das Krankenhaus auch gegenüber den Rettern aus Datenschutzgründen aus. Beide Kinder waren am Ostufer ins Wasser gegangen und gingen dann aus bislang ungeklärter Ursache unter. Die für Sonntag nun einberufene Begehung sollte offenbaren, wo und wie uneben das Ufer am 2015 sanierten und über Jahrzehnte gesperrten Sprengplatz zweier Weltkriege ist.

Menschenkette zeigt: Bodenniveau ändert sich ohne Muster

Die DLRG hat dazu das große Programm aufgefahren: In dem durch eine zunächst gespannte Leine definierten Bereich durchwatet zunächst ein knappes Dutzend DLRG-Mitglieder, darunter auch Langenhagens Baudezernent und Wasserwelt-Betriebsleiter Carsten Hettwer, systematisch die im Südosten des Sees gelegene Bucht. Ein Boot der Lebensretter ist dazu zuvor mittig an der Leine fixiert worden, um den Helfern einen Bezugspunkt zur Orientierung zu geben. Im Anschluss untersuchen zusätzlich Taucher der DLRG die Beschaffenheit des Seegrundes.

Bekannt ist: Der See, der bei Bauarbeiten der benachbarten Autobahn entstanden ist, bricht rund herum nach einer kurzen Flachwasserzone relativ steil in die Tiefe ab. Und: Das Ostufer war nie als Nichtschwimmerbereich ausgewiesen. „Wir wissen allerdings nicht, wo die Abbruchkante ganz genau verläuft“, sagt Hettwer kurz vor der Begehung. Beobachtet wird die Aktion nicht nur von diversen Badegästen und Hundehaltern, die noch vor der Nachmittagshitze Abkühlung am See suchen. Auch ein Fernseh-Team hat sich die Langenhagener Ortsgruppe ausgesucht, um das Engagement der ehrenamtlichen Helfer zu dokumentieren.

Nach zwei dramatischen Bade-Unfällen am Silbersee haben Mitglieder der DLRG das erst seit zwei Jahren freigegebene Ostufer untersucht.

Start der Begehung ist am östlichen Ende des am Südufer gelegenen Hundestrandes. Und schon schnell wird klar: Das Bodenniveau verändert sich Richtung Strand oft, plötzlich und nach keinem von außen erahnbaren Muster. So versinken in der Mitte der Bucht einige der Helfer sehr plötzlich bis zur Schulter, doch nur wenige Meter weiter Richtung Strand sind alle nur noch bis zum Knie im Wasser. Eine zweite Runde, diesmal von der südöstlichsten Ecke des Sees in Richtung Norden, zeichnet ein ähnliches Bild. Hinzu kommt ein stellenweise sehr starker Pflanzenbesatz, wie die Helfer später berichten. Die Gefahr zu stolpern sei dort immens, ein Vorankommen eher schwierig.

Das Urteil der Gruppe nach der Begehung steht schnell fest: „Wer im Silbersee baden will, muss jene Regeln beachten, die für unbekannten Gewässer gelten“, betont DLRG-Sprecher Frank Berkemann. Darüber dürfe weder der Wachturm der DLRG am Westufer noch die benachbarte Gastronomie hinwegtäuschen. „Wir sind erschrocken, wie wenig Eltern immer wieder auf ihre Kinder achten“, hatte DLRG-Ortsgruppenleiter Torsten Semmler schon unmittelbar nach den Unfällen gesagt. Immer wieder müssten Helfer Eltern ermahnen, ihre Kinder nicht nur mit Schwimmflügeln an der Wasserkante unbeaufsichtigt spielen zu lassen. Ein Verhalten, das Hettwer auch aus dem Hallenbad berichtet.

Runder Tisch berät über Erkenntnisse in den nächsten Wochen

„Wir werden jetzt in Ruhe die Erkenntnisse dieses Tages gemeinsam auswerten und überlegen, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind“, sagt Hettwer am Ende der Aktion. Kleinere Löcher könnten im Zweifelsfall verfüllt werden. Eine grundsätzliche Umgestaltung der Uferkante allerdings scheide aus. Ob, wann und welche Schilder aufgestellt werden könnten, könnte eine der Fragen sein, über die Hettwer in den kommenden Wochen mit allen unmittelbar am See beteiligten Akteuren an einem Runden Tisch beraten will. Umfangreichere Dinge könnten erst für die kommende Saison realisiert werden – vorausgesetzt, im städtischen Haushalt wird dafür Geld eingestellt. Auch deshalb will Hettwer Vertreter der Politik mit an den Runden Tisch holen.

DLRG spricht mit Hilfe ihrer Fahnen

Die Fahnen neben dem DLRG-Wachturm sagen alles: Flattert die DLRG-Fahne und darunter die Kombination Rot/Gelb, ist der Wachturm besetzt. Quelle: Rebekka Neander

Wer am Silbersee badet und wissen möchte, ob die DLRG die Badeaufsicht übernommen hat, muss nur auf die von ihr gehissten Fahnen achten: Flattert zu oberst die Fahne der DLRG selbst und darunter die Kombination Rot/Gelb, ist alles in Ordnung. „Dann ist der Wachturm besetzt und wir sind bei der Rettungsleitstelle angemeldet“, sagt DLRG-Sprecher Frank Berkemann. Sollte der Wachturm besetzt sein, aber beispielsweise das Wetter absehbar umschlagen, gilt: „Baden nur noch auf eigene Gefahr.“ Dann wird unterhalb der DLRG-Fahne nur eine rein gelbe gehisst. Bei Gewitter wie am Sonnabendabend wird diese Fahne gegen die rote getauscht. „Dann ist Baden absolut verboten.“ Wehen am Mast überhaupt keine Fahnen, ist der Wachturm nicht besetzt. „Dann badet jeder auf eigene Gefahr.“

Berkemann betont allerdings: „Wenn unsere Tür hier geöffnet ist oder auch ein Pavillon vor dem Haus steht, ist jemand hier, der beispielsweise für ein Pflaster jederzeit ansprechbar ist“, sagt Berkemann. Die eigentlich für die Ferien normalerweise angekündigte Wachbereitschaft auch an Wochentagen kann die Langenhagener DLRG in diesem Sommer nicht leisten. Es fehlt ihr schlicht an Leuten. „Wir haben jetzt, zur Halbzeit der Saison, bereits 3400 Stunden ehrenamtlich bereitgestellt“, betont Berkemann. Die Saison 2017 benötigte insgesamt nur 4000 Stunden. „Die Badegäste sollten sich immer klar machen, dass wir das hier ehrenamtlich in unserer Freizeit tun.“ Deshalb ist der Wachturm zwischen 15. Mai und 15. September bei gutem Wetter nur am Wochenende besetzt.

Von Rebekka Neander

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