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Langenhagen Familien müssen monatelang auf Elterngeld warten
Umland Langenhagen Familien müssen monatelang auf Elterngeld warten
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08:02 13.10.2018
Die Bearbeitung der Elterngeld-Anträge dauert in Langenhagen mehrere Monate. Quelle: Fotolia
Langenhagen

 Seit drei Monaten wartet Sabrina Liskatin auf das Elterngeld für ihren Sohn, der im Juni geboren wurde – bislang vergeblich. Nun geht die junge Mutter mit anderen Eltern an die Öffentlichkeit, um auf die verzögerte Bearbeitung durch die Stadt Langenhagen hinzuweisen. Zugleich sucht sie weitere Betroffene: „Die Resonanz überrascht mich“, sagt sie nur wenige Stunden nach dem öffentlichen Aufruf. Denn immer mehr Familien meldeten sich, deren Kinder zum Teil bald ein halbes Jahr alt werden – die aber noch keinen Cent des Elterngelds auf ihrem Konto gefunden hätten.

„Damit treibt die Stadt viele junge Familien an den Rand des finanziellen Ruins“, sagt die Langenhagenerin. Sie kennt inzwischen Familien, die kaum noch Miete oder Strom zahlen könnten. „Jeder hat das Geld einkalkuliert, nun fehlt es, aber die Kosten laufen weiter“, sagt sie. Niemanden nütze in einer solchen Situation eine Nachzahlung: „Die Familien brauchen das Geld jetzt und nicht irgendwann auf einen Haufen.“ Sie hoffe, dass der Weg in die Öffentlichkeit zu einer schnelleren Bearbeitung führe.

Elterngeld plus: Anträge werden komplexer

Diese Hoffnung kann ihr Sibylle Langrehr, Teamleiterin für Beistandschaften und Unterhaltsvorschuss im Langenhagener Rathaus, nicht kurzfristig erfüllen. Denn: „Das Elterngeld plus stellt eine komplexe Bearbeitung dar, weil Eltern das Geld nicht mehr nur im ersten Jahr erhalten, sondern es auf zwei Jahre teilen können.“ Das bedeute zudem, dass den Müttern und Vätern bei monatlich wechselndem Einkommen auch monatlich andere Beträge zustünden. „Für manche Familien rechnen wir für jeden Monat neu, und das entspricht jedes Mal fast einem neuen Antrag.“ Zudem müssten die Sachbearbeiter beispielsweise bei Selbstständigen alle relevanten Unterlagen wie Jahresabschluss oder Bilanzen prüfen: „Und auch die liegen oft nicht komplett vor, so dass wir nachfassen müssen.“ Und nicht zuletzt gebe es einen erhöhten Aufwand bei Eltern, die in Langenhagen wohnen und kurzzeitig im Ausland arbeiten.

20 Anträge pro Woche –und eine vakante Stelle

Bis zu 20 neue Anträge kommen nach Einschätzung Langrehrs pro Woche an, dadurch habe sich in den vergangenen Monaten eine Welle aufgebaut, die nun erst mühsam geglättet werden könne. Als Reaktion auf den steigenden Arbeitsaufwand übernehme inzwischen ein Mitarbeiter aus einem anderen Bereich die Fälle, die einen geringen Beratungsbedarf haben: „Allein die Einarbeitung in das Fachgebiet nimmt sehr viel Zeit in Anspruch.“ Sie selbst telefoniere mit allen Eltern, damit die Sachbearbeiter ungestört den Aktenberg abtragen könnten. Und nicht zuletzt liefen Bewerbungsverfahren, um eine vakante Stelle neu zu besetzen. „Aber das kostet eben Zeit“, sagt die Teamleiterin, die nach eigenen Angaben die Sorgen und Ängste der Familien nachvollziehen kann. „Ich weiß um die Not, aber ich habe keine Lösung.“

Immerhin stellten sie und ihre Kollegen mitunter fest, dass die Antragsteller einen Anspruch auf andere Sozialleistungen wie Wohngeld haben: „Dann vermitteln wir die Kontakte.“ Allerdings maße sich niemand im Team an, die Not der Antragsteller zu bewerten: „Wir halten die Reihenfolge ab, nach der uns die Unterlagen erreichen.“

Vorauszahlung ist keine Option

Sie könne nur an das Verständnis der Eltern appellieren, denn dem Wunsch nach einer Vorauszahlung – die so manche Familie vor den schlimmsten finanziellen Problemen bewahren würde – erteilt Langrehr eine klare Absage: „Das würde für uns die doppelte Arbeit bedeuten und nicht helfen, Anträge schneller zu bewilligen.“ Möglicherweise, sagt sie, helfe eine Kooperation mit anderen Kommunen, in denen Anträge deutlich schneller genehmigt würden, wie Liskatin und ihre Mitstreiterinnen wissen.

Von Antje Bismark

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