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Langenhagen „Großer Luxus, dass man ’was lernen kann!“
Umland Langenhagen „Großer Luxus, dass man ’was lernen kann!“
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00:20 17.09.2018
Bu Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

 Prominenz bewegt. Das weiß der pensionierte IGS-Lehrer Rainer Lohse seit Anbeginn seiner Sponsorenlauf-Karriere vor mehr als einem Vierteljahrhundert. Doch in diesem Moment wird ihm vielleicht ganz besonders bewusst, wie wertvoll der Besuch Katja Riemanns heute ist. Denn die seit 1999 als Unicef-Botschafterin engagierte Schauspielerin weiß zur Minute gar nicht, wohin mit ihrer Empörung. Es geht um Spenden, die das Ehepaar Lohse bislang in mühevoller Kleinarbeit akquiriert hat, und um formale Änderungen durch die Kölner Unicef-Zentrale, die diese Spendenquelle in ihrem Ablauf womöglich zumindest hemmen werden. „Orrr, da krieg’ ich den Grimm!“ entfährt es Riemann am Freitag beim Rundgang durch die Helfer-Stationen des Sponsorenlaufs im Schulzentrum. „Immer diese Verwaltungsleute! Denen würde ich drohen, dass dann halt niemand mehr läuft.“

Die Schauspielerin Katja Riemann nahm sich beim Unicef-Spendenlauf viel Zeit für ihre Fans.

Spätestens jetzt tauschen die beiden offiziellen Unicef-Vertreterinnen im Tross, Claudia Berger und Lisa Wegst, längere Blicke. Bislang, so hatte Lohse just in größerer Runde erläutert, konnten er und seine Ehefrau Petra alle eingegangenen Laufzettel dank Einblick in die Kontoauszüge auf den tatsächlichen, späteren Eingang der Spende hin überprüfen. Rund 8000 Euro konnte das Ehepaar beim letzten Mal zusätzlich durch „freundliche Erinnerungen“ zusammentragen. Wie viel Spendengeld nun wieder zusammengekommen ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Doch ob dies auch künftig so laufen kann, ist derzeit mehr als fraglich. Es geht um Kontenführung in Hannover oder in Köln. „Wir finden eine Lösung, die alle Bedürfnisse zufrieden stellen wird“, ist die spätere Botschaft an die begleitende Presse.

Der „Kiddis zuliebe“ auf dem Schulhof statt im Feld

Eine Botschaft übermitteln, deswegen ist Katja Riemann an diesem Freitag in Langenhagen. Eigentlich, gibt sie zwischendurch zu verstehen, seien solche nicht ihre „Lieblings-Termine“, sie sei „lieber direkt im Feld“ mit eigenem direkten Blick auf die Unicef-Bildungsprojekte beispielsweise in Westafrika. Doch „all der Kiddis zuliebe“ sei sie heute hier. Die danken es ihr, die sie vornehmlich als Rektorin Gudrun Gerster aus der Filmreihe „Fack Ju Göhte“ kennen. Da macht auch IGS-Leiter Timo Heiken keine Ausnahme, der sich ausdrücklich für Riemanns Interpretation seines eigenen Jobs bedankt. Die Kinder folgen der allseits nervenstarken und zugewandten Riemann traubenweise auf den Fersen – und es ist zu vermuten, dass an diesem Freitag mehr Handy-Selfies mit und Autogramme von Riemann produziert werden als Kilometer gelaufen.

Dass es beim nunmehr 16. Spendenlauf zugunsten des Kinderhilfswerks am Langenhagener Schulzentrum um ein Projekt in Bhutan geht, hatte Riemann zu Beginn den mehr als 2300 Startern aus Langenhagener Kindergärten, Grund- und weiterführenden Schulen (mit dabei auch die IGS Wedemark) vom Start-Podium zugerufen. Verbunden mit der Mahnung, trotz allen Schul-Nervs (den auch sie zu durchleiden hatte) sei es doch ein „großer Luxus, dass man was lernen könne“, so ganz umsonst und von so gut ausgebildeten Lehrkräften. Dass diese Botschaften an diesem Vormittag buchstäblich verhallen im Veranstaltungstrubel, ficht Riemann nicht an. Sie setzt auf das Unterrichtsmaterial, das Unicef den Schulen zur Verfügung gestellt hat, und auf die Gespräche, die die Sponsorensuche der Starter zuhause womöglich ausgelöst haben.

Riemann engagiert sich für „Offene Gesellschaft“

Riemann, die zwei Jahre an der Schauspielschule in Hannover verbracht und noch immer Kontakte in die Landeshauptstadt hat, entdeckt zwischendurch eine weitere, bislang unvermutete Verbindung zu Langenhagen: Sie selbst gehört zu den Gründungsmitgliedern der „Offenen Gesellschaft“ in Berlin, die für den Langenhagener Ableger Zielgeber und Orientierung war im Engagement für Demokratie, Freiheit und eine „starke Zivilgesellschaft“. Die Kunde vom „offenen Klavier“ auf dem Langenhagener Marktplatz erfreut die Sängerin Riemann. Einen eigenen Blick darauf werfen kann sie allerdings nicht mehr. Prominenz bewegt – in diesem Fall sich selbst zurück nach Berlin zur Arbeit.

Von Rebekka Neander

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