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Langenhagen Erst Lehrer, dann Jurist und jetzt Autor
Umland Langenhagen Erst Lehrer, dann Jurist und jetzt Autor
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16:02 12.09.2018
Für Christian Müller ist die Musik an Klavier und Keyboard schon seit Jahrzehnten wichtig. Quelle: Thomas Böger
Langenhagen

Christian Müller ist in seinem Leben schon vieles gewesen. Mal abgesehen davon, dass er ein Ur-Langenhagener ist – schon der Urgroßvater war hier heimisch – hat er sich zum Religionslehrer an Grund- und Hauptschulen ausbilden lassen, allerdings nie als solcher unterrichtet. Stattdessen hat er nach einem zweiten Studium als Anwalt in der Kanzlei des späteren Bundeskanzlers Gerhard Schröder gearbeitet, war danach Richter und hat sein Berufsleben schließlich als Professor für Familien- und Sozialrecht an der Fachhochschule beendet. Und jetzt ist er auch noch Flüchtlingshelfer und Buchautor – und Musiker ist der 1952 geborene Pianist und Keyboarder schon seit Jahrzehnten.

Zum Schreiben ist Müller eher zufällig gekommen. Weil er am Telefon einmal lange in der Warteschlange einer Behörde hing, schrieb er darüber eine Glosse, die auch auf Anhieb in einer Juristen-Zeitschrift veröffentlicht wurde. Danach versuchte er sich an mehreren kleineren Geschichten, die aber keinen Verleger fanden. Daraufhin plante er ein Buch über seine Erfahrungen bei der Betreuung von Flüchtlingsfamilien. „Dabei habe ich gemerkt, dass das nicht so einfach ist“, sagt der promovierte Jurist. Er habe sich gefragt, ob das jemand lesen will. Dann sei er auf die Idee gekommen, die Geschichten mit einem Kriminalroman zu verknüpfen.

Bürokratische Hürden behindern Integration

Der Titel „Wir schaffen das, aber nicht jeder ist Wir“ wirkt ein bisschen mühsam, aber mühsam ist eben auch die Arbeit mit Asylsuchenden und ihren Familien. Weniger wegen der vor Krieg oder Verfolgung geflohenen Menschen, sondern viel mehr wegen der bürokratischen Hürden, die auf dem Weg zu einer gelungenen Integration überwunden werden müssen. Müller schildert in dem stark autobiografisch geprägten Roman, wie sein Alter Ego Paul sich mit widerspenstigen Beamten herumplagt oder versucht, schikanös terminierte Anhörungen zu verschieben. Er begegnet aber auch hilfsbereiten Akteuren in den Ämtern.

In einer dem Roman vorangestellten Beschreibung seines Helden bezeichnet Müller Paul als jemand, der „über den Klimawandel erschüttert ist, den Wandel des Klimas in der Flüchtlingspolitik. Von der Willkommenskultur zur Abschottungskultur.“ Die Aussetzung des Familiennachzuges für bestimmte Flüchtlingsgruppen hält Paul wie Müller für einen Skandal. In seinem Buch begeht ein Syrer Selbstmord aus Kummer darüber, dass er Frau und Kind jahrelang nicht sehen kann. „Malek hat es nicht geschafft“, endet der Roman in Anspielung auf das Kanzlerinnenzitat des Titels. Als ehrenamtlicher Helfer hat Müller einen so tragischen Fall allerdings noch nicht erlebt. Da feiert er neben allem Alltagsärger vielmehr fröhliche Feste mit den vier von ihm betreuten Familien.

Mehr sollen es auch nicht werden. „Die können mich jederzeit anrufen“, sagt Müller, „aber ich will das nicht ausweiten.“ Denn er möchte auch noch Zeit für die Familie, den Tennissport und die Musik mit Elke Janssen-Sachs im Duo „Die Herbstzeitlosen“ haben – und für die Schriftstellerei. Die hat ihm ganz nebenbei auch ein paar Erfahrungen mit dem Verlagswesen beschert. Als unbekannter Autor hatte er praktisch nur über einen Selbstverlag eine Chance zur Veröffentlichung. „Da gibt es richtige Betrüger“, hat der Jurist festgestellt: Bei manchen müsse man „erstmal 6000 Euro Druckkostenzuschuss vorstrecken“. Er will mit dem Schreiben zwar kein Geld verdienen, aber auch keine großen Summen zuschießen.

Zurzeit arbeitet Müller an einigen Kurzgeschichten. Eine soll demnächst in einer Anthologie erscheinen, kündigt er an. Sie trägt den Titel „Richter Gnadenlos“ – was er selbst nie war.

„Wir schaffen das, aber nicht jeder ist Wir“ von Christian Müller ist im Verlag tredition erschienen. Das Paperback kann unter der ISBN-Nummer 978-3-7469-1802-0 in jeder Buchhandlung bestellt werden. Das Hardcover hat die Endziffern 1803-7 und das E-Book 1804-4.

Von Thomas Böger

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