Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Langenhagen „Logistik ist die Landseite des Internets“
Umland Langenhagen „Logistik ist die Landseite des Internets“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 12.09.2018
Was von der Nacht übrig blieb: Die Mitglieder des Wirtschaftsklubs besichtigen am Morgen, was in der Nacht angeliefert worden ist. Schichtleiter Bastian Krückeberg (dritter von links) erläutert seine Arbeit. Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

Heute bestellt und noch am selben Tag geliefert? Da hört bei Jochen Bitzer jedes Verständnis auf. Der Verkaufsleiter der Spedition Dachser im Godshorner Gewerbegebiet findet beim Businessfrühstück des Wirtschaftsklubs deutliche Worte. Ihm ist sehr wohl bewusst, wie sehr die Langenhagener unter dem Verkehrslärm der vielen Lastkraftwagen zu leiden haben und wie schwer der Stand seiner Branche auch und vor allem in der örtlichen Kommunalpolitik sei. Und doch erntet er mit seiner abschließenden Gleichung unter den anwesenden Unternehmern der Veranstaltung durchweg Zustimmung: Der Verkehr nicht nur seiner Lastkraftwagen sei nichts anderes als „die Landseite des Internets“. Alles, was die Menschen im Internet bestellten und am liebsten sofort geliefert haben möchten, müsse letztlich auf der Straße zu ihnen transportiert werden.

Jochen Bitzer, (rechts) Verkaufsleiter bei Dachser in Langenhagen, nimmt bei der Kritik an Verkehrslärm die Konsumenten in die Pflicht. Quelle: Rebekka Neander

„Wir müssen inzwischen nicht nur taggenau liefern“, berichtet Bitzer, „sondern müssen bei bestimmten Kunden sogar auf die Stunde genau sagen, wann die Lieferung kommt.“ Auf diese Weise sparten die Unternehmen ihre Lagerhallen ein. „Diese Kapazitäten verlagern sie einfach auf die Straße.“ Auch das Online-Warenhaus Amazon baue in Garbsen kein Lager, „sondern nur einen Umschlagplatz“. Die Aufgabe von Dachser in Langenhagen sei deshalb vor allem, „Verkehre zu bündeln“. Waren, die in Langenhagen ankämen, würden zu effizienten Lieferungen vor allem in Richtung Skandinavien zusammengefasst und mit „dann eben möglichst wenigen Fahrzeugen“ wieder auf die Straße gebracht.

Was von der Nacht übrig blieb: Die Mitglieder des Wirtschaftsklubs besichtigen am Morgen, was in der Nacht angeliefert worden ist. Schichtleiter Bastian Krückeberg (dritter von links) erläutert seine Arbeit. Quelle: Rebekka Neander

Bitzer erntete mit dieser Beschreibung bei den Anwesenden Firmenvertretern durchweg Zustimmung und Verständnis. Auch wenn er nicht verschweigen wollte, dass auch er sich bei der jüngsten Neuansiedlung von DHL Freight an der benachbarten Münchner Straße durchaus mehr Aufmerksamkeit im Langenhagener Rathaus gewünscht hätte. Schon jetzt sei das Straßennetz im Godshorner Gewerbegebiet an seiner Auslastungsgrenze, mahnte Bitzer. Er selbst habe zuletzt „12 Minuten gebraucht“, bis er mit seinem Auto über alle Knotenpunkte hinweg gewesen sei. Bürgermeister Mirko Heuer nahm diese Kritik auf, gab aber auch die aktuell mehreren Baustellen im Umfeld zu bedenken, für die die Stadt nichts könne. „Überdies ist die Ampelanlage bereits beschlossen“, sagte Heuer. Mit deren Hilfe sollen die Fahrzeuge von Dachser künftig schneller aus der Kemptener auf die Münchner Straße fahren können. Wie Heuer später auf Nachfrage ergänzte, wartet die Stadt derzeit die Baustellen unter anderem auf der Flughafenstraße ab, um dann eine neue Verkehrszählung zu starten. Auf Basis dieser Erkenntnisse sollen die Ampelanlagen im Gewerbegebiet neu eingestellt werden, um die langen Staus vor allem im Feierabendsverkehr zu reduzieren.

Wohnung für Auszubildenden gesucht

Eben noch hatten Dachser-Verkaufsleiter Jochen Bitzer und Personalreferentin Sandra Schrell die Weltoffenheit ihres Unternehmens und ihrer Mitarbeiter gerühmt, da nutzte Thomas Rätzke die gelockerte Atmosphäre für einen Hilferuf in eigener Sache. Der Geschäftsführer des Umweltdruckhauses in Langenhagen benötigt Hilfe für einen seiner Mitarbeiter. Dabei handele es sich um einen 28-jährigen Mann aus Afghanistan, der nach seiner erfolgreich absolvierten Einstiegsqualifikation nun im kommenden Jahr seine Ausbildung bei Rätzke beginnen soll. „Er ist morgens als erster im Büro und er ist es, den wir abends als letzten nach Hause schicken sollen“, schwärmte Rätzke und lobte in diesem Zusammenhang die große Hilfe durch die Langenhagener Stadtverwaltung.

Leider aber sei der Mann noch immer in einer Sammelunterkunft untergebracht und fürchte, dort nicht ausreichend Schlaf und Ruhe zu finden, um künftig seine volle Leistung in die Ausbildung stecken zu können. Deshalb sucht Rätzke nun eine Wohnung für seinen Mitarbeiter. „Bis zu 50 Quadratmetern und einer Miete von rund 360 Euro wären durch staatliche Unterstützung gesichert“, zudem habe der Mann eine Aufenthaltsgenehmigung für die nächsten fünf Jahre. „Die gilt für die dreijährige Ausbildung sowie eine Anschlussbeschäftigung für weitere zwei Jahre.“ Wer Rätzke, vor allem aber dem Afghanen helfen kann, möge sich direkt bei ihm im Umweltdruckhaus an der Klusriede melden.

Von Rebekka Neander

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Es wird wieder wild im Dorf: Erneut wird der Hof des Gasthauses Tegtmeyer am 16. September die Kulisse des nunmehr neunten Hegermarktes in Engelbostel sein.

12.09.2018

Vor welchen Schulen und Kitas könnte die Stadt eine sogenannte Bannmeile für Eltern einrichten? Dies will jetzt die CDU-Langenhagen wissen und startet parallel eine Eltern-Umfrage im Internet.

08.09.2018

An der Zellerie ist es für die Feuerwehr zu eng. So einfach, so klar. Oder? Was Politik und Stadtverwaltung daraus gemacht haben, ist reines Chaos, kommentiert Redakteurin Rebekka Neander.

10.09.2018