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Nachrichten Stamm nimmt 40 Jahre Kita-Erfahrung mit
Umland Langenhagen Nachrichten Stamm nimmt 40 Jahre Kita-Erfahrung mit
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00:24 11.06.2018
Über die Bastelanleitung für goldene Schlüssel müssen Barbara Stamm und ihr Nachfolger Bastian Altvater noch ein wenig grübeln. Die symbolische Übergabe aber klappt schon ganz gut. Quelle: Rebekka Neander
Kaltenweide

Doch, doch. Man lernt nie aus. Barbara Stamm steht in ihrem Büro und lacht aus vollem Hals. Nein, man darf offenbar kein Styropor mit Goldlack besprühen. Das weiß Barbara Stamm jetzt auch. Die studierte Sonderpädagogin hat in ihrem (Berufs-)Leben wahrscheinlich Kubikmeter an Basteleien hinter sich gelassen. Aber der überlebensgroße Schlüssel, den sie für ihren Nachfolger Bastian Altvater am Wochenende (“natürlich zuhause!“) gebastelt hat, hat bei genauerem Hinsehen etwas von einem gerupften Huhn. „Dass sich Styropor sich unter Goldlack auflöst ... Nö, das wusste ich nicht.“

Eines aber weiß Barbara Stamm genau: Ab diesem Sonnabend ist ihre Zeit als Leiterin der AWO-Kita in Kaltenweide vorbei. Damit enden auch rund 40 Jahre im Beruf. Eine Zeit, die nicht nur ungezählte Eltern, Kinder und Kollegen an ihr vorbeigeführt, sondern auch mehrfache Komplettumwälzungen ihres Berufs und seiner Beschreibung vorangetrieben hat. „Mein Einstieg nach dem Studium war ungeheures Glück“, erzählt Stamm in einer (noch) ruhigen Morgenstunde. Denn die Vorzeichen haben sich ins Gegenteil verkehrt. „Als ich anfing, hatten wir eine Erzieher-Schwemme und viel zu wenige offene Stellen.“ Es gab keine Krippen und keinen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Von einer dritten Kraft in der Gruppe ganz zu schweigen. Ganztagsplätze waren die Seltenheit.

Herzliche Umarmung statt stundenlanger Diskussion

Sie sei einfach „zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort“ erschienen, sagt Stamm, habe in ihrer noch heute unnachahmlich wärmend-fröhlichen Nervigkeit nachgehakt, bis sie von jetzt auf gleich in den Aufbau einer Sondergruppe für jene Kinder rutschte, die man heute vorsichtig als „verhaltentsoriginell“ bezeichnet. Oder mit Stamms Worten: „Die stehen quer zur Gruppe.“ Stamms Werdegang führte sie durch verschiedene hannoversche Adressen – und Welten. Viele Details möchte sie in der Zeitung nicht lesen. Nur soviel: Dass Druck und eklatante (unbefriedigte) Bedürfnisse eben nicht nur am Kontostand hängen. Und dass ihr dabei eine herzliche Umarmung zuweilen näher steht als eine stundenlange Diskussion.

Ihr Wechsel nach Kaltenweide vor gut zehn Jahren, als das Familienzentrum Sonnenblume der AWO samt Kita und Krippe im Weiherfeld aus der Taufe gehoben wurde, wirkt denn bis heute als etwas Besonderes: „Dies ist eine konfliktarme Kita“, hält Stamm fest. „Hier im Dorf haben die Kinder wirklich Freiraum zum Spielen.“ Eine Grundlage, die enorm helfe, Konflikte und Spannungen der engen Großstadt gar nicht erst entstehen zu lassen. „Kaltenweide ist ein Paradies für Familien.“

Zahl auffälliger Kinder steigt in Kaltenweide nicht

Gleichwohl: „Die haben hier alle gebaut und müssen dafür arbeiten gehen.“ Umso wichtiger sei, dass die Kinder in Kaltenweide mit viel „Freispiel sich erproben können“. Dass es dabei natürlich auch Kinder gebe mit Problemen – Altvater nennt sie „graue I-Kinder“ –, stehe außer Frage. Die Zahl dieser auffälligen Kinder steige in Kaltenweide allerdings nicht – „wohl aber ganz klar in den anderen, urbaneren Stadtteilen“, betont Altvater.

„Heute müssen in einer Kita nicht mehr alle Kinder zur selben Zeit das gleiche machen“, ein Umstand, den auch Stamms Nachfolger Bastian Altvater sehr begrüßt. Den schmalen Grat zwischen freiem Spiel und fehlenden Grenzen fürchten beide. Sehen aber die Ursachen für etwaige Fehlentwicklungen nicht in der erlaubten Partizipation der Kinder. „Bei allen Regelungen und Dokumentationspflichten, die Erzieher heute haben, dürfen wir nicht die Kinder aus dem Blick verlieren“, formuliert es Altvater. Eltern empfehlen die Pädagogen, im Zweifel für ihre Werte durchaus in den Clinch zu gehen. „Es nützt nichts“, hält Stamm fest, „stundenlang mit dem Kind zu diskutieren und es am Ende doch machen zu lassen, was es will.“ Eines bedauern beide: Durch den Aufstieg in die Leitungsposition geht Altvater als Betreuer der Kita verloren. „Wir brauchen dringend mehr Männer in diesem Job“, betont Stamm.

Was sie jetzt will, weiß Barbara Stamm noch nicht so richtig. Sie lacht. Klar werde ihr die Kita fehlen. Freunde, Freizeit und viele fröhliche Ideen kommen ihr spontan in den Sinn, womöglich irgendwo ein Vertretungseinsatz. Erneutes Lachen. Vielleicht aber auch ein weiteres Bastel-Experiment mit Schlüsseln und Lack.

Von Rebekka Neander

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