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Umland Langenhagen Nachrichten Mehrheit lehnt Sonderklasse für Förder-Kinder ab
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00:46 20.04.2018
Die CDU fordert Lerngruppen für Kinder mit Förderbedarf Lernen an einer weiterführenden Schule – die Mehrheit im Bildungsausschuss lehnt das aber ab, ebenso wie die Schulleiter. Quelle: Symbolbild
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Langenhagen

 Gegen Lerngruppen in der Robert-Koch-Realschule und in der IGS Süd hat sich eine Mehrheit im Bildungsausschuss ausgesprochen – gegen die Stimmen von CDU und AfD. Damit folgen SPD, Grüne und BBL sowie Eltern- und Lehrervertreter auch den Forderungen, die Mascha Brandt, Leiterin der IGS Süd, Martin Märker von der Robert-Koch-Realschule sowie Ursula Borkowsi, Konrektorin der Pestalozzischule, zuvor erhoben hatten.

Eine Novelle des Schulgesetzes ermöglicht den Kommunen, pro Jahrgang an einer weiterführenden Schule eine sogenannte Lerngruppe einzurichten. Dort sollen exklusiv all jene Jungen und Mädchen unterrichtet werden, die einen besonderen Förderbedarf im Bereich Lernen haben. Damit die Landesschulbehörde eine solche Klasse genehmigt, müssen mindestens 13 Schüler mit einem begutachteten Förderbedarf angemeldet sein. In Langenhagen gab es nach Aussage von Dezernentin Monika Gotzes-Karrasch und Schulfachmann Peter Probosch-Breidenbroich maximal zwölf Schüler in den vergangenen Jahren. 

„Lerngruppen gutes Instrument“

Gleichwohl hielt Jessica Golatka als CDU-Fraktionschefin an dem Antrag ihrer Fraktion fest: „Wir sollten akzeptieren, dass Lehrer nicht jedem Schüler mit Förderbedarf in einer Regelklasse gerecht werden können.“ Dafür seien die Lerngruppen ein gutes Instrument, das die CDU ab dem kommendem Sommer den dann neuen Fünftklässlern gern anbieten wolle – zumal das Land ihrer Einschätzung nach dafür zusätzliche Lehrer und Sozialpädagogen stellen werde. „Es ist ein guter Weg, dass die Kinder punktuell aus dem Unterricht genommen und gefördert werden.“

„Rückfall in die 50er-Jahre“

Die darauffolgende Debatte zeigte indes, dass die CDU-Fraktion samt der Vorsitzenden offenbar die Novelle missverstanden haben. Denn, so betonte Brandt, das Land könne keine zusätzlichen Lehrer einstellen: „Sie werden aus gut funktionierenden Systemen abgezogen.“ Und Sozialpädagogen kümmerten sich gleich gar nicht um die Inklusion, sondern übernähmen andere Aufgaben an den Schulen. 

Märker, Brandt und Borkowski unterstrichen mehrfach, dass der von der CDU angedachte Weg, Kinder mit Förderbedarf punktuell aus dem Unterricht zu nehmen und besonders zu begleiten, schon jetzt Schulalltag sei. „Eine Lerngruppe ist ein Rückschritt auf dem Weg der Inklusion“, sagte Brandt. Und Märker betonte: „Wir sehen eine Lerngruppe nicht als Chance, sondern als Erschwernis unserer jetzigen Bemühungen um Inklusion.“ Mit Blick auf die Sonder-Klasse erklärten alle drei Pädagogen, dass die Lerngruppen ein Rückfall in die 1950er Jahre seien, in denen Problemkinder in Hilfsschulen abgeschoben und damit stigmatisiert worden seien.

Diese Einschätzung teilen SPD, Grüne und Domenic Veltrup von der BBL ebenso wie Lehrer- und Elternvertreter. Sie lehnten den CDU-Antrag in der Sitzung ab, den die Christdemokraten und Marc Hinz von der AfD unterstützten. Eine endgültige Entscheidung trifft der Rat am 23. April.

Der Kommentar: Verhalten schadet den Kindern

Sicher: Es gibt kein Patentrezept für eine gelingende Inklusion. Aber: Es gibt erste Erfahrungen der Lehrer, die Kinder mit unterschiedlichem Förderbedarf seit einigen Jahren unterrichten – durchaus mit Erfolg, wie die Pädagogen im Bildungsausschuss immer wieder betonten. Den allerdings will die CDU-Fraktion mit ihrer Vorsitzenden Jessica Golatka nicht sehen. Anders lässt sich nicht erklären, weshalb die Fachleute in der Ausschusssitzungen zwar zu Wort kamen, aber dennoch nicht gehört wurden. Denn ihre Aussagen verhallten bei den Christdemokraten ohne Ergebnis, die zudem eine gehörige Portion Unwissenheit präsentierten. All dies hätten Golatka und ihre Mitstreiter verhindern können, wenn sie im Vorfeld mit den Lehrern und Schulleitern gesprochen hätten, denen sie die Lerngruppen andienen wollen. Mit einem solchen Vorgehen helfen sie weder den Kindern noch den Lehrern. Im Gegenteil: Sie bremsen gute Ideen aus, und das ist fahrlässig.

Von Antje Bismark

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