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Umland Langenhagen Nachrichten Zehn Thesen für eine offene Gesellschaft
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00:17 01.09.2017
Susanne Wöbbekind (von links), Insa Becker-Wook, Andrea Hesse, Maximilian Voigt, Erika Arbeiter, Caroline von Blanckenburg und Falk Wook stehen für die "Offene Gesellschaft Langenhagen". Quelle: Bismark
Langenhagen

Zehn Thesen haben die Langenhagener entwickelt, die sie am 2. September an die Türen von öffentlichen Gebäuden, an schwarze Bretter in Supermärkten oder Gemeindehäuser symbolisch annageln wollen. "Darin finden sich viele Gedanken, die uns bewegen und die wir thematisieren wollen", sagt Andrea Hesse, beruflich als Sprecherin des Kirchenkreises bekannt. Wie ihre Mitstreiter arbeitet sie in der Initiative als Privatperson mit, als eine der Gründer.

Denn mit Diakonin Annika Kruse, Pastor Falk Wook und Insa Becker-Wook, Sprecherin des Stadtkirchenverbands Hannover, begann sie im März, die bundesweite Plattform der offenen Gesellschaft für Langenhagen vorzubereiten. "Um die Menschen zu mobilisieren", wie Hesse es nennt. Becker-Wook spricht von der schweigenden Mehrheit, die derzeit nicht aufsteht und für die Demokratie streitet. "Aber wenn wir sie ansprechen, dann begrüßen sie die Idee", hat die Godshornerin beobachtet. Caroline von Blanckenburg hat nach ersten Gesprächen festgestellt: "Die Menschen finden das Gespräch notwendig." 

Und so kamen zum ersten Gespräch mit Roger Cicerius, in dem hannoverschen Freundeskreis offene Gesellschaft engagiert, mehr als 30 Interessierte in die Kirche Zum Guten Hirten. Seitdem trifft sich die Gruppe in wechselnder Besetzung an jedem letzten Freitag im Monat in der Elisabethgemeinde. Unter den Interessierten sind Polizisten, Unternehmer, Politiker, Abiturienten und Studenten, Rathausmitarbeiter und Vertreter der Kirchen. "Niemand vertritt seine Institution", betont Wook.

Sie wollen den Langenhagenern eine Stimme geben, die sich derzeit zurückziehen. "Etwa 80 Prozent wollen die Demokratie verteidigen", sagt Becker-Wook, "aber sie schweigen." Deshalb seien die anderen lauter und erzeugten unter anderem mit ihrer Fremdenfeindlichkeit eine neue Hysterie. Gegen diese Angstmacherei wolle sich die Initiative wehren, ebenso gegen ein rückwärts gerichtetes Frauenbild. "Das ist mir als Mutter drei Kinder sehr wichtig", sagt Hesse. Im Kleinen ins Gespräch kommen, um Großes zu bewegen, beschreibt Maximilian Voigt seine Motivation. 

Nicht resignieren, sondern den Diskurs führen - darin sieht Susanne Wöbbekind eine Herausforderung. Als ein Beispiel führt sie die Streitkultur im Rat an, die sie jetzt mehrfach in der Einwohnerfragestunde kritisiert habe. "Beim letzten Mal gab es von der stellvertretenden Ratsvorsitzenden nun klare Worte", sagt sie. 

Am Sonnabend, 2. September, stellt sich die Gruppe ab 11 Uhr am Brunnen im CCL-Erdgeschoss vor. "Mit einer Überraschungsaktion", wie Hesse verspricht. Im Anschluss beginnt das Annageln der Thesen - und auch dabei sind Interessierte willkommen. Die Treffen in der Elisabethgemeinde beginnen am letzten Freitag im Monat um 16 Uhr. Per E-Mail sind die Initiatoren unter denkwerkstatt-offene-gesellschaft@web.de zu errreichen.

Die zehn Thesen:

1. Eine offene Gesellschaft lebt von einer Politik ohne Vereinfachung und Angstmacherei.2. In einer offenen Gesellschaft überwinden wir Ängste und Besorgnisse durch Wertschätzung und Integration, nicht durch Ausgrenzen oder Herabwürdigung.3. Wir verteidigen die Demokratie, weil sie als einzige Herrschaftsform einer offenen Gesellschaft angemessen ist und diese kritisch und selbstbestimmt weiterentwickelt.4. Eine offene Gesellschaft bewältigt die große Aufgabe der Integration von Flüchtlingen und Zugewanderten ohne Hysterie und Fremdenfeindlichkeit.5. In einer offenen Gesellschaft entziehen sich die politischen und wirtschaftlichen Eliten nicht der Verantwortung für Gesellschaft und Demokratie, sondern engagieren sich für das Gemeinwohl.6. Hass und Verrohung der Sprache zerstören die Demokratie und die offene Gesellschaft. Wir kämpfen für die Freiheit von Gedanken, Presse und Wissenschaft.7. Wir streiten für ein demokratisches, gastfreundliches und solidarisches Europa, in dem sich unsere Gesellschaft offen und frei entfalten kann.8. Wir unterstützen jeden Einsatz für das Gemeinwesen, weil dies das Gegenteil von Hass, Gleichgültigkeit und Ausgrenzung ist.9. Rechtsstaat, Demokratie und offene Gesellschaft bedürfen das Engagement und der Verteidigung. Wir wollen der Mehrheit in diesem Land ein Gesicht und eine Stimme geben und das Erstarken rechtspopulistischer Gruppierungen verhindern.10. Demokratie und offene Gsellschaft beginnen vor Ort: Wir streiten auf lokaler Ebene für Teilhabe und Gerechtigkeit und die Anerkennung all derer, die unsere Gesellschaft zusammenhalten.

Vor 60 Jahren fand in der damals noch jungen Godshorner Kirchengemeinde die erste Konfirmation statt. Am Sonntag, 20. August, haben deshalb bei einem Festgottesdienst die silbernen, goldenen und diamantenen Konfirmanden ihr Jubiläum gefeiert. Zwei Jubilare erinnern sich an die Konfirmationszeit.

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