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Umland Langenhagen Nachrichten Gymnasium muss Sprachlernklasse schließen
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08:32 27.06.2018
An der Abschlussparty der letzten Sprachlernklasse am Gymnasium Langenhagen beteiligten sich aktuelle und ehemalige Schüler mit Tänzen und Präsentationen. Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

“Gemischte Gefühle.“ Besser als mit dem Fazit der Lehrerin Romy Bierwirth lässt sich die Abschlussparty der Sprachlernklasse am Gymnasium kaum beschreiben. Zwar zeigten die aktuellen 13 Schüler in ihren Tänzen und Präsentationen viel Freude. Doch der eigentliche Anlass des Festes ist ebenso eindeutig: Eine Sprachlernklasse wird es am Gymnasium bis auf weiteres nicht mehr geben. Die Zahl der für das kommende Jahr angemeldeten Schüler ohne oder mit nur sehr geringen Deutschkenntnissen unterschreitet die vom Land neu vorgegebene Mindestgröße von 13 Personen.

Ab Sommer nur noch stundenweise Sprachförderung

Damit erhält das Gymnasium künftig nur noch 13 Stunden pro Woche vom Land für den Sprachförderunterricht in den Regelklassen bezahlt. Fünf davon wird Bierwirth übernehmen, die im Februar 2015 von jetzt auf gleich als Neuankömmling am Gymnasium das Projekt aus der Taufe heben musste. In ihrer übrigen Zeit als Pädagogin wird sie „nur noch normale Gymnasiallehrerin“ sein, ein Umstand, der sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurücklässt. „Denn wir haben viel geschafft, aber es waren eben auch drei harte Jahre“, gibt sie am Rande des Festes zu. Wenn ganz unterschiedliche Kulturen aufeinanderprallen, dies auch noch unter den überaus belastenden Eindrücken von Krieg und Flucht, sei dies nicht immer ganz einfach. Zumal sich Bierwirths ursprüngliche Idee eines gemeinschaftlichen Sprachlern-Dorfs mit der benachbarten IGS organisatorisch nicht verwirklichen ließ. „Dann hätten wir in den Klassen viel besser unter den ganz unterschiedlichen Vorkenntnissen und Altersstufen differenzieren können.“

Nach den Sommerferien wird es am Gymnasium keine Sprachlernklasse mehr geben. Der letzte Jahrgang feierte seine Leistungen jetzt mit einem großen Abschiedsfest.

Am Donnerstag dominierten allerdings die fröhlichen Erinnerungen, die Bierwirth mit ihrem Co-Mentor und organisatorischen Unterstützer Arnold Strothlücke, zusammengestellt hatte. Mit Fotos von diversen Ausflügen, Tänzen aus den Ursprungsländern oder auch kleinen Präsentationen der verlassenen Heimat erhielten sowohl die aktuellen als auch viele ehemalige Sprachlern-Schüler nebst ihrer Eltern einen Eindruck vom Wirken des Projekts.

Von den übrigen Schülern des Gymnasiums verirrten sich nur sehr wenige in den Klassenraum der Sprachlernklasse im Untergeschoss des H-Traktes. Ob dies der Lage des Raumes geschuldet war oder dem Starttermin nach Schulschluss, vermochte Gymnasiums-Rektor Matthias Brautlecht nicht zu sagen. „Es waren alle eingeladen“, sagte Brautlecht, betonte jedoch, dass die Sprachlernschüler zwei Drittel ihrer täglichen Unterrichtszeit ohnehin in den Stammklassen untergebracht seien. „Nur zwei Stunden pro Tag waren sie hier in der Sprachlernklasse.“

Von 55 Sprachlernschülern haben es 20 aufs Gymnasium geschafft

Von insgesamt 55 Schülern haben es nach dem durchschnittlich einjährigen Besuch der Sprachlernklasse 20 auf ein Gymnasium geschafft. „Der Rest ist je nach Leistungsstand auf die Robert-Koch-Realschule oder auf die IGS Süd gegangen“, erzählte Bierwirth. Andere zogen weg oder haben eine Ausbildung begonnen. Auch Strothlücke, der aus dem Förderverein des Gymnasiums zu dem Projekt hinzugestoßen war und im Hintergrund vor allem organisatorische Dinge für Ausflüge und Kooperationen übernahm, zeigte sich sichtbar stolz und ergriffen von dem Leistungen seiner Schützlinge. Ob er nach dem Sommerferien weiterhin den dort verbleibenden Kindern zur Seite stehen wird, kläre sich in den Ferien.

IGS kann Sprachlernschüler nicht übernehmen

Die IGS Langenhagen hat für das kommende Schuljahr eine neue Sprachlernklasse bei der Landesschulbehörde angemeldet. „Die Zahl der uns zugeteilten Schüler reicht aus“, sagte IGS-Rektor Timo Heiken auf Nachfrage. Allerdings ist Heiken bekümmert, dass er die Schüler nach Erreichen der nötigen Deutschkenntnisse nicht in die Regelklassen der IGS übernehmen kann. „Wir sind in allen Jahrgängen vollkommen dicht.“ Jeder Neuzugang würde die Klassen über die Teilungsgrenze bringen. „Dass wir das nicht anbieten können, beschämt uns schon zuweilen.“

Verantwortlich für die Verteilung neu in Langenhagen eingetroffener Kinder von Geflüchteten ist die Stadt. Sie fragt je nach Alter und Leistungsstand des Kindes zunächst jene Schulen nach freien Kapazitäten, die über Sprachlernklassen verfügen. „Natürlich gibt es auch Fälle, in denen das Kind bereits über so gute Deutschkenntnisse verfügt, dass eine Betreuung durch Förderstunden im Regelunterricht ausreicht“, ergänzte Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch auf Nachfrage. In solchen Fällen könnte auch das Gymnasium theoretisch im kommenden Schuljahr Kinder aufnehmen. Derzeit recherchiert die Stadt, welche Schulen für das kommende Schuljahr auf Basis bereits zugewiesener Kinder eine Sprachlernklasse beantragt haben.

Von Rebekka Neander

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