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Nachrichten Tod beim Grillen – Flüchtling muss 1200 Euro zahlen
Umland Langenhagen Nachrichten Tod beim Grillen – Flüchtling muss 1200 Euro zahlen
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18:51 25.02.2018
Hassan A. macht sich schwere Vorwürfe, das tödliche Unglück verursacht zu haben. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

 Es sollte eine fröhliche Verlobungsfeier werden, doch es mündete in einer Katastrophe. Eine vierköpfige Gruppe stand auf dem Garagenhof eines Langenhagener Mehrfamilienhauses um einen Grill mit bereits glimmenden Holzkohlen herum, als sich der aus dem Libanon stammende Flüchtling Hassan A. (46) entschloss, das Anfeuern zu beschleunigen. Er schraubte den Deckel einer Flasche Brennspiritus ab – und schüttete den Inhalt in die Glut. Ein Feuerball traf einen langjährigen Freund aus seinem Heimatland;  der 44-Jährige starb sechs Tage später an seinen schweren Verbrennungen im Bauch- und Brustbereich. Am Donnerstag wurde A. vom Amtsgericht Hannover wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 10 Euro verurteilt.

A. schilderte vor Gericht ausführlich, wie es am 9. Juli 2017 zu dem Unglück in der Niedersachsenstraße kam. Demnach hatte er an jenem Sonntag zur Mittagszeit zunächst ein kleines Loch in den Deckel der Spiritusflasche gebohrt, um ein paar Spritzer auf der Grillkohle zu verteilen. Das aber klappte nicht, und so habe ihn sein Freund – den er schon seit 20 Jahren kennt - aufgefordert: „Mach den Deckel ab, wir haben Hunger.“ Doch das war sein Todesurteil. Die gewaltige Stichflamme verfehlte Sohn und Tochter von Hassan A., die ebenfalls am Grill standen, aber sie traf den 44-Jährigen. A. wollte dem Freund die brennende Kleidung vom Leib reißen, zog sich dabei selbst Verbrennungen an den Händen zu. Auch andere Gäste und Nachbarn versuchten verzweifelt, dem Schwerverletzten zu helfen. Das unter Schock stehende Opfer war zunächst sogar noch ansprechbar, ging selbstständig zum Rettungswagen – doch es war schon zu spät.

Wie zwei Ärzte von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) am Donnerstag aussagten, hatte der 44-Jährige nur eine Überlebenschance von weniger als 20 Prozent: Durch die Verbrennungen zweiten und dritten Grades war die Hälfte seiner Körperoberfläche zerstört. Hinzu kam, dass das Opfer an Herz und Lunge vorgeschädigt war. Obwohl dem Mann im Schwerverbranntenzentrum der MHH die bestmögliche Behandlung zuteil wurde, starb er sechs Tage später an einer Blutvergiftung und multiplem Organversagen.

A. war vor zwei Jahren aus Tripolis nach Deutschland geflohen. Seither lebt der 46-Jährige mit Frau und drei Kindern in Langenhagen, nach der Ablehnung seines Asylantrags mit Duldungsstatus. Er erzählte, dass er mit dem Opfer früher Reisen unternommen habe und ihre Kinder gemeinsam groß geworden seien. Am 9. Juli sollte in Langenhagen die Verlobung von A.s Tochter gefeiert werden. Doch seit dem entsetzlichen Unglück, so sagte der Angeklagte vor Gericht, habe er die Freude am Leben verloren; häufig treffe er die 18-jährige Tochter des Verstorbenen und rede und weine gemeinsam mit ihr. 

Amtsrichter Olaf Wöltje folgte in seinem Strafmaß dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte habe beim Grillen eindeutig seine Sorgfaltspflicht verletzt: „Man schüttet keinen Brennspiritus in glühende Kohlen.“ Der Richter hielt dem bislang nicht vorbestraften A. zugute, dass er versucht habe, den Freund zu retten und bei der späteren Schilderung des Geschehens auch nichts beschönigt habe. Bei der juristischen Aufarbeitung eines solchen Unglücks würden die Folgen der Tat – der Tod eines Menschen – und die Bestrafung des Schuldigen zwangsläufig immer weit auseinanderklaffen: „Man kann dem Tod eines Freundes nicht gerecht werden.“ Weil Staatsanwältin und Angeklagter das Urteil von 1200 Euro Geldstrafe –zahlbar in Raten à 50 Euro – akzeptierten, ist es bereits rechtskräftig.

Von Michael Zgoll

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