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16:34 16.07.2012
Oliver Finch (von rechts), Profi-Fischer aus Rastede, versucht mit Rainer Dettmer, und Björn Nadarzinski mittels eines Stromfeldes Fische aus dem NJK-Teich zu holen. Die noch zu große Wassermenge ist dabei ein Problem. Quelle: Neander
Schulenburg-Nord

Drei Karpfen, je zwei Hechte und Aale sowie eine Schleie haben Glück. Denn dem Zoo Hannover sind sie zu groß. Weil sie länger als 30 Zentimeter sind, dürfen sie künftig in den Teichen des Angelsportvereins Garbsen ihre Bahnen ziehen. Ein paar ihrer kleineren Nachbarn aus dem NJK-Teich hingegen sind wahrscheinlich längst im Magen der Pelikane verschwunden.

Dieses Ausleseverfahren wird an dem Gewässer in Schulenburg-Nord in den nächsten Wochen wohl noch öfter zu beobachten sein. Der erste Abfischversuch von Profifischer Oliver Finch in der vergangenen Woche brachte noch nicht den Durchbruch. Der Wasserstand der ehemaligen Tonkuhle ist schlicht zu hoch.

Denn Finch fischt mit Strom. Mittels eines Generators und zwei ins Wasser gehaltener Pole wird rund um sein Boot ein Stromfeld erzeugt, das die Fische anlockt und betäubt. Je größer das Tier, desto stärker kann es den Stromfluss jedoch schon im Umfeld wahrnehmen. „Weil der Teich noch zu tief ist, können die Fische entwischen“, erläutert Michael Striewski vom Angelsportverein. Er freut sich über die von Maschsee-Fischer Hans-Ullrich Moeller hergestellte Kooperation mit dem Flughafen. „Wir können die großen Tiere gut als Laichfische gebrauchen.“ Ursprünglich hatte das vom Flughafen mit dem Projekt betraute Büro Abia in Barsinghausen geplant, sämtliche Fische noch an Ort und Stelle tierschutzgerecht zu schlachten und dann dem Zoo als Futter zur Verfügung zu stellen.

Doch als der Zoo dann mitteilte, er nehme nur Tiere, die kleiner als 30 Zentimeter sind, war für Abia-Biologe Tobias Wagner erst einmal guter Rat teuer. Wagner lässt keinen Zweifel, dass sich der Flughafen bei diesem Projekt bemerkenswert viele Gedanken um den Tierschutz macht. Viele andere Unternehmen, so Wagners Einschätzung, hätten in vergleichbaren Fällen einfach das Wasser abgepumpt und die Fische sich selbst und dann den Vögeln überlassen.

Wann es mit dem Abpumpen des Teiches und dem Abfischen weitergeht, ist vor allem vom Wetter abhängig. Striewski rechnet nach derzeitiger Lage mit rund zwei Wochen bis zum nächsten Einsatz. Die kleinen Fische wird’s freuen.

von Rebekka Neander

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