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00:16 10.02.2018
Haben sich für die Themenwoche zusammengeschlossen: Heike Brück-Winkelmann (von links), Bärbel Reinhard, Christine Paetzke-Bartel, Christa Röder, Claudia Koch, Ylva Kriete und Jessica Ostendorf. Quelle: Sven Warnecke
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Langenhagen

 Verschiedene Initiativen in Langenhagen haben zusammen mit Studenten der Hochschule Hannover die Themenwoche „Kriegskinder“ initiiert. Die Veranstaltungsreihe beginnt am 20. Febuar im Stadtarchiv und endet mit einem Gesprächskreis zwei Tage später im Quartierstreff Wiesenau. Dafür zeichnen der Seniorenbeirat und der Verein Win verantwortlich, die zusammen mit dem Hospizverein, der Stadtbibliothek, dem Stadtarchiv, dem Mehrgenerationenhaus sowie der Buchhandlung Böhnert diese besonderen und kostenlosen Veranstaltungen planen.

Die Initiatoren zitieren dazu auch den Duden, der den Begriff Krieg relativ nüchtern definiert. Doch in Wahrheit sei der Krieg ein grausames Monster, heißt es im Vorwort der Langenhagener Themenwoche. „Ein Albtraum, der mit Tod, Zerstörung, Verlust und Vertreibung das Leben eines jeden, der den Krieg miterlebt hat, prägt – oft bis ans Lebensende.“ Darüber müsse aber gesprochen werden, auch wenn es für viele nicht leicht sei, betonen die Organisatoren. Es sei wichtig, damit umzugehen. Denn nur nach entsprechender Aufarbeitung und in diesem Bewusstsein ließen sich kriegerische Auseinandersetzungen in Zukunft verhindern.

Krieg bedeutet Albtraum

Zum Auftakt der Themenwoche wird Stadtarchivarin Heike Brück-Winkelmann am Dienstag, 20. Februar, um 17 Uhr im Stadtarchiv, Stadtparkallee 33, einen eher nüchteren Teil liefern. Doch dabei serviert sie äußerst interessante Daten, Zahlen und Fakten. Etwa zur Situation 1948 in Krähenwinkel. Dort waren drei Jahre nach Kriegsende 196 Kinder in der Schule – darunter 90 Flüchtlinge und elf Evakuierte. Und es habe lange Zeit gedauert, bis irgendwann Normalität auch in Langenhagen eingetreten sei. „Das beschäftigt die Älteren noch heute“, sagt Brück-Winkelmann. Aber auch die nachfolgenden Generationen.

"Kriegskinder" ist die Themenwoche überschrieben. Quelle: Repro Warnecke

Für Claudia Koch, Leiterin des Quartierstreffs Wiesenau, sei während einer Veranstaltung in der hannoverschen Marktkirche deutlich geworden, dass Kriegskinder vielmals keine Gelegenheit gehabt hatten, ihre Erlebnisse aufzuarbeiten. „Vieles ist einfach nicht ausgesprochen worden“, betont sie. Dieses Phänomen erreiche sie vielfach in Gesprächen mit älteren Menschen. 

Traumata treten vielfach erst im Alter auf

Das bestätigen etwa auch die Vorsitzende des Langenhagener Seniorenbeirats Christa Röder sowie ihre Vorstandskollegin Bärbel  Reinhard, die sich selbst ebenfalls als Kriegskinder bezeichnen. „Gewisse Traumata treten erst im höheren Alter auf.“ Doch wie damit umgehen – speziell auch als Angehöriger? Genau diese Fragestellung soll bei der Themenwoche erörtert werden, auch mit der Enkelgeneration. Für Röder ist es immens wichtig, dass diese Menschen zusammenkommen, um gemeinsam Erlebnisse zu bewältigen. 

Doch eines will die Themenwoche auf keinen Fall: Die Situation der Kriegs- und Flüchtlingsgeneration von einst mit den aktuell von Flucht und Vertreibung betroffenen Menschen vergleichen. Das ginge gar nicht, betont Röder. Denn damals hätten zwölf Millionen Flüchtlinge Zuflucht gesucht. „In einem total zerstörten Deutschland.“

HAZ-Redakteur Simon Benne zu Gast im Erzählcafé

Zum Erzählcafé für Kriegskinder des Zweiten Weltkrieges laden dann der Seniorenbeirat und die beiden Studentinnen Jessica Ostendorf und Ylva Kriefe, die gerade ein Projekt über diese Generation an der Hochschule  initiiert haben, für Mittwoch, 21. Februar, ins Mehrgenerationenhaus ein. Mit dabei ist ab 15 Uhr HAZ-Redakteur Simon Benne. Der Historiker und Buchautor („Als der Frieden nach Hannover kam“) wird über die Schicksale der Vertriebenen sprechen. Betroffene haben im Anschluss die Möglichkeit, sich auszutauschen und Erlebtes zu verarbeiten. 

Simon Benne ist beim Erzählcafé dabei. Quelle: Samantha Franson

Bei entsprechender Nachfrage soll genau dieses Erzählcafé – auch zu anderen Themenfeldern – eine feste Größe in Langenhagen werden, betonen Röder und Koch unisono.  Den Abschluss bildet dann am Freitag, 23. Februar, um 15 Uhr der Gesprächskreis im Quartierstreff an der Freiligrathstraße 11. Doch die Einladung dafür richtet sich eben nicht an die Kriegskinder selbst, sondern vielmehr an die Angehörigen aus den nachfolgenden Generationen, die dabei zu Wort kommen sollen. Das Thema wird „Wie gehen wir mit den verschütteten Kriegserinnerungen von Eltern und Großeltern um, auch vor dem Hintergrund von Demenz?“ sein. Die Organisatoren wollen das Thema bewusst nicht ruhen lassen, auch wenn diese Bedenken von einigen Seiten an sie herangetragen worden sind. Schließlich könne das Erinnern auch sehr schmerzvoll sein und alte Wunden wieder aufreißen lassen, hieß es von den Kritikern. 

Weiterführende Informationen gibt es im Quartierstreff Wiesenau, Telefon (0511) 8604216 und per E-Mail an koch@ksg-hannover.de. Zudem bietet der Media-Store von HAZ und NP sowie die Buchhandlung Böhnert im City-Center, Marktplatz 5, und die Stadtbibliothek an der Konrad-Adenauer-Straße 6 während der Öffnungszeiten neben entsprechenden Infos auch Büchertische zum Thema an. 

Von Sven Warnecke

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