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Umland Langenhagen Nachrichten Im toten Winkel verschwinden Radfahrer
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00:26 11.06.2018
Flatterbänder zeigen den Viertklässlern, in welchen Bereichen der Lastwagenfahrer sie nicht mehr sehen kann. Quelle: Antje Bismark
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Langenhagen

Sehen – vor allem aber gesehen werden: So lautet nach Aussage von Kontaktbeamtin Christiane Bunk die wichtigste Regel für Radfahrer, um Unfälle mit Lastwagen oder Autos zu verhindern. Am Freitagvormittag klärte die Polizistin mit Unterstützung des THW die Dritt- und Viertklässler der Adolf-Reichwein-Schule sehr eindringlich über den toten Winkel auf. Aus traurigem Anlass, denn der vor wenigen Wochen bei einem Unfall getötete elfjährige Junge besuchte die vierte Klasse der Schule.

„Verkehrserziehung gehört ohnehin zum Unterrichtsstoff der vierten Klasse“, sagte Lehrerin Sabine Meyer. In ihrer Klasse lernte der Junge, den ein 40-Tonner beim Abbiegen von der Vahrenwalder Straße in den Industrieweg erfasst und vor den Augen der Mutter tödlich verletzt hatte. „Er beherrschte sein Fahrrad richtig gut, das war auch immer sehr in Ordnung“, sagte Meyer und fügte hinzu, dass die Schüler nach dem Unfall immer wieder das Geschehen thematisiert hätten. Deshalb hätten die Lehrer gemeinsam mit dem benachbarten THW die eindrucksvolle Unterrichtsstunde für die etwa 130 Jungen und Mädchen organisiert.

Roland Brand und Reinhard Mechler vom Verein hatten am Morgen mit Flatterbändern und Pylonen die Bereiche abgesteckt, in denen ein Lastwagenfahrer die Radler oder Fußgänger nicht sehen kann. Dazu gehörten die Flächen unmittelbar vor dem Führerhaus und entlang des Wagens sowie des Anhängers. „Was ist denn der tote Winkel?“, wollte Bunk dann von den Schülern wissen – und zumindest die Jungen und Mädchen der 4a kennen sich damit richtig gut aus. „Dort kann uns der Fahrer nicht sehen“, sagte ein Schüler. Deshalb, betonte die Kontaktbeamtin, müssten die Schüler versuchen, selbst den Fahrer anzuschauen. „Wenn Ihr ihn nicht seht, dann nimmt er Euch auch nicht wahr“, betonte sie. Blickkontakt reiche oft aber nicht: „Macht Euch bemerkbar, indem Ihr winkt oder lächelt, dann merkt Ihr, ob er Euch gesehen hat“, gab Bunk als Tipp mit.

Wie eingeschränkt das Blickfeld ist, erlebten die Dritt- und Viertklässler dann hautnah. Jeder von ihnen durfte auf den Sitz des 14-Tonners klettern und seine Mitschüler in den Spiegeln suchen. Dabei stellte sich heraus: Wenn sich Jungen und Mädchen direkt vor dem Wagen befinden, verschwinden sie. Die gleiche Situation ergab sich beim Blick in die Seitenspiegel. Deshalb lautete die Mahnung der Fachleute: „Wer sich hinter einen Lastwagen stellt, hat die größte Chance gesehen zu werden.“ Auf diese Weise entdeckte Julie auch einige Klassenkameraden, während andere komplett aus dem Sichtfeld verschwanden.

Zu den Schülern, die regelmäßig mit dem Rad unterwegs sind, gehören auch Michael und Nurulah. „Wir fahren weiter, obwohl unser Freund gestorben ist“, sagte Michael, „allerdings vorsichtiger. Manchmal wechsle ich auf den Bürgersteig.“ Der Lastwagen flöße ihnen Respekt ein, vor allem wegen der großen Räder, ergänzte Nurulah. Und dabei sei der THW-Wagen viel kleiner als jener, der den Freund getötet habe. Weil sie selbst ausprobieren konnten, wie groß der tote Winkel tatsächlich ist und wie hoch ein Lastwagenfahrer eigentlich sitzt, gefiel den Viertklässlern die ungewöhnliche Unterrichtsstunde besonders gut. Auch wenn sie, wie sich am Rande zeigte, die Erinnerungen an den tragischen Unfall durchaus erschütterte.

Von Antje Bismark

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